Bundesparteitag in Erfurt
Weitgehend friedlicher Protest gegen AfD - Weidel und Chrupalla bleiben Vorsitzende

Zehntausende Menschen haben sich an Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt beteiligt. Die Polizei Thüringen meldete zuletzt insgesamt rund 31.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Kampagnenorganisation Campact sprach von mindestens 50.000.

    Eine Demonstrantin trägt ein Schild mit der Aufschrift "Der Einzige schlaue Blaue" - zu sehen ist der Elefant aus der Sendung mit der Maus.
    Protestzug gegen den AfD-Bundesparteitag an der Erfurter Messe. (picture alliance / dpa / Heiko Rebsch)
    Erfurts Oberbürgermeister Horn bezeichnete die Grundstimmung an nahezu allen zentralen Plätzen der Innenstadt als "wunderbar entspannt". Dieser bunte Protest sei eine "Werbung für die Stadt", sagte der CDU-Politiker dem Evangelischen Pressedienst. Die Protestierenden werfen der AfD vor, demokratische Grundwerte zu gefährden und ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung zu fördern.
    Rund um den Parteitag sind zehntausende Polizisten im Einsatz. Am Morgen kam es zu Blockadeaktionen. Auf einer Zufahrtsstraße zum Messegelände beteiligten sich mehr als 800 Menschen an einer Sitzblockade. Mehrere Straßenbahnlinien wurden unterbrochen. Auch ein Teilstück der Autobahn 71 wurde gesperrt, weil dort ebenfalls tausende Demonstranten eine Sitzblockade errichtet hatten.
    Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden ein Bürgerbüro der AfD und mehrere Polizisten mit Pyrotechnik und Farbbeuteln angegriffen. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers liegen bisher keine Hinweise vor, dass bei den Protestaktionen oder Blockaden Teilnehmende oder Polizisten ernsthaft verletzt wurden.
    Die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt sagte im Deutschlandfunk, die AfD sei keine ganz normale Partei, sondern in Teilen rechtsextrem. Zudem sei Termin und Ort des Treffens auf den Tag genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Reichsparteitag im benachbarten Weimar nicht zufällig gewählt, und man könne nicht so tun, als ob dies ein ganz normaler Vorgang wäre. Sie rief zu Protesten auf und betonte, Blockaden seien vom Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt, solange sie friedlich blieben.

    Weidel und Chrupalla wiedergewählt

    Der Parteitag der AfD begann trotz der Proteste pünktlich. Die Delegierten bestätigten die Vorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel im Amt. Weidel erhielt bei der Abstimmung 81,3 Prozent der Stimmen, Chrupalla 70,05 Prozent. In seiner Rede vor der Abstimmung hatte der sächsische Politiker die Einigkeit der Parteiführung beschworen.
    Die Doppelspitze mit Weidel sei "ein Erfolgsduo, wie es die deutsche Politik selten gesehen hat", sagte er. "Wir waren, wir sind und wir bleiben ein Herz und eine Seele." Weidel stellte zu Beginn der Tagung eine Überarbeitung der sogenannten Unvereinbarkeitsliste binnen eines Jahres in Aussicht. Ein vom Thüringer AfD-Chef Höcke unterstützter Antrag wurde kurzfristig zurückgezogen und wird daher nicht mehr auf dem Parteitag behandelt. Der Antrag hatte vorgesehen, die Regeln für die Nichtaufnahme von Mitgliedern deutlich zu lockern. So sollten Gruppierungen nur noch als extremistisch gelten, wenn sie eine auf die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und Errichtung einer Diktatur abzielende Programmatik sowie ein planmäßiges, aktiv kämpferisches auf die Durchsetzung dieser Ziele gerichtetes Vorgehen aufweist.
    Diese Nachricht wurde am 04.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.