Probst: Sie hörten einen Bericht aus Moskau. Am Telefon ist Professor Dieter Schrenk von der Universität Kaiserslautern. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie. Guten Tag, Herr Schrenk.
Schrenk: Guten Tag.
Probst: Wir haben gehört, es ist eine neue Variante noch ins Spiel gekommen. Aber lassen wir uns mal von Anfang an vorgehen. Die bislang gültige - so weit man überhaupt davon sprechen kann – Lesart war, es soll sich um ein Narkosegas gehandelt haben. Ihr Kollege Zilker in München, der ja die beiden ausgeflogenen deutschen Geiseln behandelt, sagt, Lachgas könne es eigentlich nicht gewesen sein. Würden Sie das auch so sehen?
Schrenk: Ja, ich teile diese Meinung von Herrn Zilker. Lachgas ist ja ein Gas, das als relativ harmlos gilt. Das wird ja bei uns in Krankenhäusern eingesetzt, und wir wissen sehr viel über Lachgas. Lachgas ist ein sehr sicheres Gas. Das gleiche trifft für andere sogenannte Inhalationsnarkotika, das sind also Betäubungsmittel, die eingeatmet werden, zu. Solche Betäubungsmittel werden tagtäglich in unseren Krankenhäusern bei Narkosen verwendet und gelten als sehr sicher, wenn sie nicht zu hoch dosiert werden.
Probst: Also, diese Art würden Sie dann auch grundsätzlich einmal ausschließen?
Schrenk: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass entweder Lachgas oder auch solche Narkosegase wie zum Beispiel Äther oder, was man heute nimmt, Halothan oder ähnliche Stoffe dort verwendet wurden. Denn man hätte sehr, sehr hohe Konzentrationen in diesem Theaterraum herstellen müssen, um so eine schnelle Bewußtlosigkeit bei den Menschen dort hervorzurufen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass solche Stoffe, die wir hier kennen und verwenden in der Medizin, dass die dort eingesetzt worden sind.
Probst: Hätten die sich in dieser, wie Sie sagen, notwendigen hohen Konzentration dann auch wiederum so schnell verflüchtigt, dass sie schon zwei Tage oder einen Tag später nicht mehr nachweisbar gewesen wären?
Schrenk: Das hätte sein können. Also, man hätte in einem solchen Fall im Blut der Betroffenen nach zwei Tagen wohl nichts mehr gefunden.
Probst: Nun hat die amerikanische Botschaft in Moskau von Erkenntnissen gesprochen, dass es sich um Opiate gehandelt haben könnte. Und eben in dem Bericht der Kollegin Adler haben wir ja auch gehört von einem Gegenmittel Naloxon. Wäre das möglich gewesen?
Schrenk: Theoretisch ja. Diese Opiate sind, wie sie und viele von Ihren Hörern auch wissen, sehr stark wirksame Mittel, die auch zu einer Bewußtlosigkeit führen können, die ja auch in der Medizin eingesetzt werden. Aber diese Stoffe sind nicht flüchtig. Insofern könnte es sein, dass es sich hier um eine Geheimentwicklung in Russland oder vielleicht sogar in der früheren Sowjetunion handelt. Das wissen wir alle nicht. Normalerweise können solche Opiate nicht als Gase in einem Raum verteilt werden. Der Einsatz von diesem Naloxon, das ist ein Gegenmittel gegen Opiate, spricht natürlich schon dafür, dass so etwas dort eingesetzt worden sein könnte.
Probst: Nalorphin, das ist ein anderer Stoff, der da genannt wurde als Gegenmittel, der würde in dieses Bild passen?
Schrenk: Würde in dieses Bild passen. Nur können wir nicht sagen, ob dieses sogenannte Gegenmittel wirklich als Gegenmittel gewirkt hat oder ob das jetzt nur genannt wird, um die internationale Öffentlichkeit auf eine falsche Fährte zu locken. Also, man muss da, glaube ich, sehr zurückhaltend mit dem Urteil sein. Letztlich wissen wir nicht, was dort eingesetzt wurde.
Probst: Aber dass es sich möglicherweise oder wahrscheinlich um eine geheime Entwicklung aus dem militärischen Bereich handelt, dafür würde ja schon auch diese Geheimhaltung oder Geheimniskrämerei sprechen, mit der die russischen Stellen bei diesem Thema umgehen, nicht?
Schrenk: Absolut, ja.
Probst: Und wäre es denn vorstellbar, dass es ein solches gasförmiges Opiat gewesen ist, wenn die Einsatzkräfte ohne Atemschutzgerät, ohne Gasmaske diesen Sturm unternommen haben?
Schrenk: Auch das ist denkbar. Wenn die Einsatzkräfte vorher zum Beispiel mit einem Gegengift wie dem Naloxon behandelt worden wären, könnte man sich schon vorstellen, dass sie auf dieses Gas nicht empfindlich reagiert haben.
Probst: Und diese Stoffe lassen sich dann auch nicht mehr nachweisen jetzt bei den Opfern, den kranken oder den toten?
Schrenk: Auch das ist schwer zu sagen, solange wir nicht wissen, um welchen Stoff es sich handelt. Manche dieser Opiate, die ja bei uns auch in der Medizin verwendet werden – allerdings nicht als flüchtige Stoffe -, werden relativ schnell wieder abgebaut und nach einigen Tagen, spätestens nach einigen Tagen kann man nichts mehr im Blut nachweisen.
Probst: Das waren erläuternde Anmerkungen von Professor Dieter Schrenk von der Universität Kaiserslautern. Ich danke Ihnen.
Schrenk: Bitte schön.
Link: Interview als RealAudio
Schrenk: Guten Tag.
Probst: Wir haben gehört, es ist eine neue Variante noch ins Spiel gekommen. Aber lassen wir uns mal von Anfang an vorgehen. Die bislang gültige - so weit man überhaupt davon sprechen kann – Lesart war, es soll sich um ein Narkosegas gehandelt haben. Ihr Kollege Zilker in München, der ja die beiden ausgeflogenen deutschen Geiseln behandelt, sagt, Lachgas könne es eigentlich nicht gewesen sein. Würden Sie das auch so sehen?
Schrenk: Ja, ich teile diese Meinung von Herrn Zilker. Lachgas ist ja ein Gas, das als relativ harmlos gilt. Das wird ja bei uns in Krankenhäusern eingesetzt, und wir wissen sehr viel über Lachgas. Lachgas ist ein sehr sicheres Gas. Das gleiche trifft für andere sogenannte Inhalationsnarkotika, das sind also Betäubungsmittel, die eingeatmet werden, zu. Solche Betäubungsmittel werden tagtäglich in unseren Krankenhäusern bei Narkosen verwendet und gelten als sehr sicher, wenn sie nicht zu hoch dosiert werden.
Probst: Also, diese Art würden Sie dann auch grundsätzlich einmal ausschließen?
Schrenk: Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass entweder Lachgas oder auch solche Narkosegase wie zum Beispiel Äther oder, was man heute nimmt, Halothan oder ähnliche Stoffe dort verwendet wurden. Denn man hätte sehr, sehr hohe Konzentrationen in diesem Theaterraum herstellen müssen, um so eine schnelle Bewußtlosigkeit bei den Menschen dort hervorzurufen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass solche Stoffe, die wir hier kennen und verwenden in der Medizin, dass die dort eingesetzt worden sind.
Probst: Hätten die sich in dieser, wie Sie sagen, notwendigen hohen Konzentration dann auch wiederum so schnell verflüchtigt, dass sie schon zwei Tage oder einen Tag später nicht mehr nachweisbar gewesen wären?
Schrenk: Das hätte sein können. Also, man hätte in einem solchen Fall im Blut der Betroffenen nach zwei Tagen wohl nichts mehr gefunden.
Probst: Nun hat die amerikanische Botschaft in Moskau von Erkenntnissen gesprochen, dass es sich um Opiate gehandelt haben könnte. Und eben in dem Bericht der Kollegin Adler haben wir ja auch gehört von einem Gegenmittel Naloxon. Wäre das möglich gewesen?
Schrenk: Theoretisch ja. Diese Opiate sind, wie sie und viele von Ihren Hörern auch wissen, sehr stark wirksame Mittel, die auch zu einer Bewußtlosigkeit führen können, die ja auch in der Medizin eingesetzt werden. Aber diese Stoffe sind nicht flüchtig. Insofern könnte es sein, dass es sich hier um eine Geheimentwicklung in Russland oder vielleicht sogar in der früheren Sowjetunion handelt. Das wissen wir alle nicht. Normalerweise können solche Opiate nicht als Gase in einem Raum verteilt werden. Der Einsatz von diesem Naloxon, das ist ein Gegenmittel gegen Opiate, spricht natürlich schon dafür, dass so etwas dort eingesetzt worden sein könnte.
Probst: Nalorphin, das ist ein anderer Stoff, der da genannt wurde als Gegenmittel, der würde in dieses Bild passen?
Schrenk: Würde in dieses Bild passen. Nur können wir nicht sagen, ob dieses sogenannte Gegenmittel wirklich als Gegenmittel gewirkt hat oder ob das jetzt nur genannt wird, um die internationale Öffentlichkeit auf eine falsche Fährte zu locken. Also, man muss da, glaube ich, sehr zurückhaltend mit dem Urteil sein. Letztlich wissen wir nicht, was dort eingesetzt wurde.
Probst: Aber dass es sich möglicherweise oder wahrscheinlich um eine geheime Entwicklung aus dem militärischen Bereich handelt, dafür würde ja schon auch diese Geheimhaltung oder Geheimniskrämerei sprechen, mit der die russischen Stellen bei diesem Thema umgehen, nicht?
Schrenk: Absolut, ja.
Probst: Und wäre es denn vorstellbar, dass es ein solches gasförmiges Opiat gewesen ist, wenn die Einsatzkräfte ohne Atemschutzgerät, ohne Gasmaske diesen Sturm unternommen haben?
Schrenk: Auch das ist denkbar. Wenn die Einsatzkräfte vorher zum Beispiel mit einem Gegengift wie dem Naloxon behandelt worden wären, könnte man sich schon vorstellen, dass sie auf dieses Gas nicht empfindlich reagiert haben.
Probst: Und diese Stoffe lassen sich dann auch nicht mehr nachweisen jetzt bei den Opfern, den kranken oder den toten?
Schrenk: Auch das ist schwer zu sagen, solange wir nicht wissen, um welchen Stoff es sich handelt. Manche dieser Opiate, die ja bei uns auch in der Medizin verwendet werden – allerdings nicht als flüchtige Stoffe -, werden relativ schnell wieder abgebaut und nach einigen Tagen, spätestens nach einigen Tagen kann man nichts mehr im Blut nachweisen.
Probst: Das waren erläuternde Anmerkungen von Professor Dieter Schrenk von der Universität Kaiserslautern. Ich danke Ihnen.
Schrenk: Bitte schön.
Link: Interview als RealAudio
