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StartseiteNachrichten vertieftTerrormiliz zerstört 2.000 Jahre alte Grabtürme04.09.2015

Weltkulturerbe PalmyraTerrormiliz zerstört 2.000 Jahre alte Grabtürme

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat in der syrischen Oasenstadt Palmyra weitere historische Monumente zerstört. Wie das Ministerium für Altertümer in Damaskus mitteilte, wurden mehrere jahrtausendealte Grabtürme gesprengt. Der Archäologe Michael Müller-Karpe sprach im Deutschlandfunk von einer "perfiden Marketingstrategie" der Islamisten.

Grabtürme Westnekropole im syrischen Palmyra 25.02.2003 (dpa / Matthias Tödt)
Die antike Stadt Palmyra zählt zum Weltkulturerbe der Menschheit (dpa / Matthias Tödt)
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Nach Auskunft des syrischen Ministeriums für Altertümer und Museen wurden die Grabtürme schon vor zehn Tagen zerstört. Unter ihnen sei auch der bedeutende Elahbel-Turm, der 103 Jahre vor Christus erbaut wurde. Erst am Montag hatten Satellitenbilder bestätigt, dass die Islamisten in Palmyra auch den berühmten Baal-Tempel zerstört haben. Die Wüstenstadt gilt als eine der bedeutendsten historischen Stätten im Nahen Osten und zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Seit Mai befindet sie sich unter der Kontrolle des IS.

Der Archäologe Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz sagte im Deutschlandfunk, die Zerstörungen verdeutlichten das "entsetzliche, menschenverachtende Weltbild" der Islamisten. "Nachdem sich die abgestumpfte Welt an ertrunkene Flüchtlinge gewöhnt hat und sich durch abgeschnittene Hälse nicht mehr beeindrucken lässt, verfallen sie nun auf Antiken."

Auch mit den "bad guys" Geschäfte machen?

Seiner Ansicht nach haben die Zerstörungen damit zu tun, dass sich der IS durch den Verkauf antiker Schätze finanziere. Die Botschaft der Terroristen laute: "Wir zerstören alles, was wir nicht verkauft bekommen." Um die Objekte zu retten, sprächen sich bereits einige in interessierten Kreisen dafür aus, "über den eigenen Schatten zu springen und mit den bad guys Geschäfte zu machen". Das sei aber keine Lösung, sondern Teil des Problems, betonte Müller-Karpe. Der Westen sitze einer "perfiden Marketingstrategie" auf und werde von den Islamisten vorgeführt.

Nach Ansicht des Mainzer Archäologen drohen in Palmyra in Zukunft weitere Zerstörungen. Seinen Informationen zufolge hat der IS weitere antike Monumente mit Sprengsätzen präpariert und "wird diese nun nach und nach medienwirksam zünden".

(am/tzi)

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