Montag, 05. Dezember 2022

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Weltwirtschaft
"Die neuen Freunde der Globalisierung sitzen im Süden"

Es sei wichtig, sich über eine neue und sozialere Form der Globalisierung Gedanken zu machen, sagte der Ökonom Heribert Dieter im Dlf. Im Norden, mit Ausnahme Deutschlands vielleicht, werde Globalisierung eher als eine Bedrohung empfunden. Für viele Länder des Südens sei sie noch die große Verheißung.

Heribert Dieter im Gespräch mit Anja Reinhardt | 20.01.2019

    Vor dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos
    Vor dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos (dpa / ZUMA Wire)
    Zu lange habe man denen, die von der Globalisierung tatsächlich oder gefühlt benachteiligt seien, das Gefühl gegeben, dass sie das falsch sähen, sagte Heribert Dieter, Ökonom und Mitglied der Forschungsgruppe "Globale Fragen" der Stiftung Wissenschaft und Politik, im Dlf. Diese Menschen und deren Nöte wichtiger zu nehmen, sei richtig.
    Es sei auch richtig, sich über eine neue Form der Globalisierung Gedanken zu machen. Bemerkenswert sei, dass für viele Menschen in den sogenannten Ländern des Südens, in Indien oder Vietnam etwa, die Globalisierung immer noch eine große Verheißung sei, sagte Dieter. Im Norden, mit Ausnahme Deutschlands vielleicht, werde sie eher als eine Bedrohung empfunden, "aber für viele Menschen, die arm sind und die sich entwickeln wollen, ist die Globalisierung noch immer eine große Verheißung".
    Aufschwung könnte an ein Ende kommen
    In Umfragen zur Globalisierung gebe es in den Industrieländern bestenfalls 40 bis 45 Prozent, die sagten, die Globalisierung sei nützlich. "In Vietnam sind das dann 91 Prozent in Indien 83 Prozent." Die neuen Unterstützer, "die neuen Freunde der Globalisierung sitzen im Süden". Für viele Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern sei die internationale Arbeitsteilung immer noch ein Modell und weniger eine Bedrohung. Die Wahrnehmung, dass die Globalisierung schädlich sei, hätten vor allem viele Menschen im Norden, sagte Dieter.
    Insgesamt sei die Lage der Weltwirtschaft besser als sie vielfach dargestellt werde, sagte Ökonom Dieter. Dass aber die Stimmung relativ schlecht sei, hänge vor allem mit der Sorge zusammen, dass der lang anhaltende Aufschwung an ein Ende kommen könnte. Die Katastrophenstimmung habe mehrere Ursachen, zum einen die USA, die zu einem Handelskonflikt mit China bereit seien, und zum, anderen die Lage in China. Die Wirtschaft dort befinde sich in schwierigem Fahrwasser, China sei überschuldet und noch sei nicht klar, wie China da raus kommen wolle.