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StartseiteHintergrund Wirtschaft (Archiv)Wettbewerb im Praxistest01.10.2006

Wettbewerb im Praxistest

Der Gasmarkt öffnet sich nur langsam

In Deutschland gibt es 18 Millionen Gaskunden - und die meisten sind frustriert. Weil der Gasmarkt eine wettbewerbsfreie Zone ist, sind Haushaltskunden Preiserhöhungen ohnmächtig ausgeliefert. Anders als in Österreich können die Verbraucher den Versorger nicht so einfach wechseln.

Von Theo Geers

Eine Gasflamme an einem Kochherd (AP)
Eine Gasflamme an einem Kochherd (AP)

Es strömt. Erdgas. Ganz einfach und unkompliziert. Verantwortlich dafür ist Walter Boltz.

"Der Lieferantenwechsel ist in Österreich so organisiert, dass der Kunde gar nicht belastet wird. Der Kunde unterschreibt den neuen Liefertrag mit dem Lieferanten und bevollmächtigt den neuen Lieferanten, den administrativen Prozess für ihn durchzuführen. Das heißt, für den Kunden ist es mit einer Unterschrift erledigt. Der Lieferant führt die notwendigen Schritte durch. Der Lieferantenwechsel dauert etwa sechs bis acht Wochen."

Und so kommt der Wettbewerb in Gang. In Österreich. In Deutschland dagegen können die 18 Millionen Gaskunden von Wettbewerb bislang nur träumen. Auch von Gaspreisen, die in Österreich dank konsequenter Marktöffnung heute um 20 Prozent niedriger sind als hierzulande. Das aber wissen nur wenige deutsche Gaskunden. Wüssten sie es, wären sie womöglich noch wütender auf die Gaspreise, die schon 2004 und dann noch einmal ab 2005 kräftig gestiegen sind.

Entega in Darmstadt: plus 9.35 Prozent! EWE Ems Weser Elbe plus 20,54 Prozent! Stadtwerke Leipzig plus 24,5 Prozent! Eon Bayern plus 31,6 Prozent! DEW 21 - die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung: plus 39,9 Prozent seit Anfang 2005!

Das sind Beispiele per Ende September. Aber auch zum heutigen 1. Oktober, dem Beginn des Gaswirtschaftsjahres, drehen viele Gasversorger noch einmal an der Preisschraube. Ihre Kunden sind dem ohnmächtig ausgeliefert, denn sie können anders als etwa in Österreich nicht mit den Füßen abstimmen, den Gasversorger wechseln und so bares Geld sparen. Der deutsche Gasmarkt - für den Haushaltskunden eine wettbewerbsfreie Zone. Kein Wunder: Den Gaskunden platzt der Kragen. Das Internet quillt über mit Aussagen von wütenden und frustrierten Gaskunden, die sich ihrem Versorger und dessen Preispolitik ohnmächtig ausgeliefert fühlen.

"Wir werden sofort zu einem alternativen Anbieter wechseln, wenn dies möglich sein wird. DEW 21 - never ever!"

droht ein frustrierter Gasverbraucher in Dortmund.

"Jeder Tag, den ich eher kündigen kann, ist ein guter Tag!"

schreibt selbst ein Kunde von Entega in Darmstadt.

"Bei mir werden die Sektkorken knallen wenn endlich freie Wahl herrscht!"

weiß ein Kunde von EnbW-Gas in Baden-Württemberg. Doch noch ist es zu früh, den Sekt kalt zu stellen. Viel zu früh. Zumindest in weiten Teilen der Republik.

"Es ist eben ganz einfach noch nicht gelernt - der Wechsel des Gasversorgers!"

Thomas Mecke ist der Chef von Nuon-Deutschland, einem Tochterunternehmen des gleichnamigen niederländischen Strom- und Gaskonzerns. Nuon ist der Pionier und hat in den letzten Wochen dafür gesorgt, dass zum ersten Mal überhaupt Haushaltskunden in Deutschland ihren Gaslieferanten wechseln können. Dies allerdings nur in Berlin und Hamburg. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

"Wir sind sehr zufrieden. Wir haben bis jetzt rund 5000 Privatkunden - davon sind 3.000 in Berlin ansässig und 2.000 in Hamburg."

Berlin ist der Testmarkt für den Gaswettbewerb. Denn in Berlin ist auch Klickgas angetreten, ein Unternehmen, das zum weit verzweigten EON-Ruhrgas-Konzern gehört. Klickgas kommt noch einmal auf knapp 1000 Kunden. Das war’s dann aber schon.

"6000 Wechsler von 18 Millionen!"

Dieses Zahlenverhältnis drückt aus, wie betoniert die Strukturen auf dem deutschen Gasmarkt immer noch sind. Dabei sollte es eigentlich ganz anders sein:

"Wir haben ein klares Ziel: Ab Oktober 2006 soll jeder Erdgasverbraucher frei wählen können, von welchem Anbieter er Erdgas bezieht."

Zitat Ende. Und zitiert wurde Michael Feist, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft, kurz BGW. Der BGW ist der Dachverband von 15 Ferngasgesellschaften, rund 50 Regionalversorgern und über 600 örtlichen Gasversorgern hierzulande. Die Fülle an Versorgern müsste eigentlich reichen, um für Wettbewerb auf dem Gasmarkt zu sorgen. Und beim BGW ist Geschäftsführer Martin Weyand auch fest davon überzeugt, das mit dem heutigen Stichtag die Voraussetzungen für den Versorgerwechsel gegeben sind. Schließlich gibt es seit dem 19. Juli die

Vereinbarung über die Kooperation gemäß § 20 Abs. 1 b) EnWG zwischen den Betreibern von in Deutschland gelegenen Gasversorgungsnetzen

kurz Kooperationsvereinbarung. Martin Weyand:

"Wir haben mit dem Netzugangsmodell angestoßen, dass es eine neue Möglichkeit gibt, auch jeden einzelnen Kunden zu beliefern, und die Entwicklung zeigt, dass jetzt neue Anbieter auf den Markt kommen. Dass es für den Kunden wünschenswert wäre, dass vielleicht ne größere Angebotsvielfalt existiert, das ist auch klar, aber wir können niemanden zwingen, Gas anzubieten."

Tatsächlich gibt es unter den über 600 örtlichen Versorgern der etablierten Gaswirtschaft keinen einzigen, der die neue Freiheit schon nutzt. Das stellt auch Peter Floyd Reese vom Heidelberger Informationsdienst Verivox nüchtern fest. Verivox ist das in Deutschland führende Unternehmen bei Preisvergleichen für Telefon, Strom oder eben auch Gas.

"Nun - solange klar ist, dass jeder in seinem kleinen Monopolgebiet unangreifbar ist, haben sie auch gar nicht die Voraussetzung, sich gegenseitig die Kunden abspenstig zu machen. Die Stadtwerke A besitzen ihr Netz und haben damit alle Kunden fest in der Hand im Netz A, und das gleiche gilt die Nachbarstadt B. Zurzeit sind einfach nicht die Voraussetzungen geschaffen, sich Kunden weg zu nehmen. Warum sollten sie das auch?"

Die Gaswirtschaft tut sich also nicht weh und nutzt das neue Netzugangsmodell bezeichnender Weise selbst nicht. Also kann etwas an dieser Kooperationsvereinbarung nicht stimmen. Die Kooperationsvereinbarung regelt auf 118 Seiten, dass künftig jeder Gasversorger einen Kunden mit dem Abschluss von nur zwei Zugangsverträgen beliefern kann: Einem Einspeisevertrag, der mit dem Netzbetreiber abgeschlossen wird, in dessen Netz das zuvor etwa im Ausland gekaufte Gas eingespeist wird, und einem Ausspeisevertrag, der mit dem Versorger zu schließen ist, in dessen Gebiet der Endverbraucher das Gas bezieht. Dieses "Zwei-Vertrags-Modell"; auch "entry-exit-Modell" genannt, soll die Regel sein und gilt ausdrücklich auch dann, wenn der Gastransport durch die Netze mehrerer Eigentümer führt.

Soweit die Theorie. In der Praxis taugt diese Vereinbarung wenig, denn auf Druck vieler Stadtwerke können auch weiterhin Einzelverträge für das Durchleiten von Gas abgeschlossen werden. Fachleute sprechen vom Optionsmodell. Das klingt kompliziert - und das ist es auch, kritisiert Robert Busch, der Geschäftsführer des Bundesverbandes Neue Energieanbieter, in dem die Newcomer am Strom- und Gasmarkt zusammengeschlossen haben:

"Diese 118 Seiten beinhalten ein zweites Modell neben dem gesetzlichen, das so genannte Optionsmodell, was die gesetzliche Belieferung nach dem Zwei-Vertrags-Modell stört und nicht möglich macht. Das zeigt sich auch darin, dass die Gaswirtschaft das Modell ja nicht in Ansätzen flächendeckend unterschrieben hat. Das heißt, es ist ein völlig unterschiedliches Bild und in diesem Bild ist eine Belieferung schwer möglich."

Wasch mir den Pelz - aber mach mich nicht nass!

Getreu dieser Volksweisheit entledigt sich die Gaswirtschaft des Problems. Auf dem Papier steht ihr Netzzugangsmodell, doch für Wettbewerb sorgen und sich mit den Tücken des Modells herumschlagen - das sollen andere wie Nuon tun. Doch es gibt weitere Hürden am Gasmarkt. Derzeit ist noch nicht endgültig unklar, was das Durchleiten von Gas kosten darf. Diese Preise muss die Bundesnetzagentur festlegen, doch sie hat erst bei zwei Gasversorgern die Netzentgelte geprüft - und gesenkt.

Bonn, 30. August 2006. Die Bundesnetzagentur hat die ersten beiden Entgeltgenehmigungen für Gasnetzentgelte nach § 23 a Energiewirtschaftsgesetz erteilt. Von den im Antrag der EON Thüringer Energie AG zu Grunde liegenden Kosten hat die Bundesnetzagentur 9,5 Prozent nicht anerkannt. Von den geltend gemachten Kosten der EON Mitte AG waren 11 Prozent nicht anerkennungsfähig.

So formvollendet entscheidet die Bundesnetzagentur. Es sind ihre ersten beiden Verfügungen gegen zu hohe Netzentgelte, die die Gasversorger Eon Mitte und EON-Thüringen treffen. Sie zeigen: Die etablierten Gasversorger verlangen zu Lasten ihrer Kunden für das Durchleiten von Gas im Schnitt mindestens zehn Prozent zu viel. Diese Netzentgelte machen am Endverbraucherpreis aber nur 22 Prozent aus. Entsprechend schlägt ihre Kürzung durch die Bundesnetzagentur kaum auf die Endverbraucherpreise durch. Beispiel Eon-Mitte:

Vier-Personen-Haushalt, Sonderpreistarif, Ersparnis: 0,14 Cent je Kilowattstunde oder 2,3 Prozent.

Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 30.000 Kilowattstunden Gas spart durch die Netzentgeltsenkung gerade einmal 42 Euro im Jahr. Das ist nicht viel, trotzdem betont der Präsident der Bundesnetzagentur, Mathias Kurth:

"Unsere Entgeltsenkungen haben auf jeden Fall preissenkende und preisdämpfende Wirkungen."

Das stimmt, doch die Bundesnetzagentur ist schwer in Verzug. Bislang hat sie erst in zwei von 212 Verfahren die Netzentgelte gesenkt. Das liegt auch daran, dass sie fast erstickt an den Unterlagen, welche die Gasnetzbetreiber nach Bonn schicken. Hunderte von Seiten und noch mehr Zahlen müssen gesichtet, gelesen, nachgerechnet und auf ihre Plausibilität überprüft werden, bis dann am Ende des wochenlangen Prüfungsprozesses die möglichst gerichtsfesten Bescheide über die Netzentgelte hinaus gehen. Dieses Zuschütten der Bundesnetzagentur mit Unterlagen hat Methode, heißt es nicht nur hinter vorgehaltener Hand. Denn so und mit dem untauglichen Netzzugangsmodell können die Gasnetzbetreiber den Wettbewerb hinauszögern, betont auch Robert Busch vom Bundesverband Neue Energieanbieter:

"Unsere Anbieter, die sich überlegen, ob sie Gas anbieten wollen, wissen weder, was es kostet, das Gas durchzuleiten noch ist das Modell ein solches, mit dem man beliefern kann."

Doch damit nicht genug. Gebremst wird auch beim reibungslosen Datenaustausch hinter den Kulissen, auf den sich neue Wettbewerber mit den alten Platzhirschen einigen müssen, wenn ein Gaskunde wechselt. Da sammelt Nuon-Chef Thomas Mecke in Berlin und Hamburg gerade einschlägige Erfahrungen.

"Niemand gibt freiwillig was her. Und manches muss man dann klären und wir haben natürlich eine lange Liste von Fragen, die alle die interne Fragen der Abwicklung zwischen den lokalen Platzhirschen in Berlin und Hamburg betreffen und uns, wovon der Kunde nichts merkt, aber wo wir uns im Hintergrund teilweise recht deutlich streiten - ja die Liste gibt es."

Was dann die Vertriebskosten zusätzlich in die Höhe treibt. Auch dies macht es für neue Anbieter nicht sonderlich attraktiv, auf dem Gasmarkt auf Kundenfang zu gehen, erläutert Rainer Krawinkel von Bundesverband der Verbraucherzentralen

"Neue Kunden zu werben ist teuer, das kostet im Bereich 50 bis 100 € pro Kunde - und das muss hinterher wieder verdient werden. Da aber wegen der hohen Netzentgelte, auch der hohen Beschaffungskosten und der hohen Transaktionskosten, also dem bürokratischen Aufwand, der getrieben werden muss, um Netzkapazitäten zu buchen, Gas zu beschaffen, es unwahrscheinlich ist, dass man diese Summe schnell wieder einspielt, geht natürlich keiner in diesen Markt, weil er da kein Geld verdienen kann."

Und so warten die 18 Millionen deutschen Gaskunden erst einmal weiter auf den Wettbewerb, von dem sie einiges erwarten könnten. Denn Gas ist in Deutschland keineswegs überall gleich teuer. Für ein typisches Einfamilienhaus kostet es zwischen knapp fünf Cent und über sechs Cent je Kilowattstunde, ein Preisunterschied von bis zu 25 Prozent. Peter Floyd Reese von Verivox:

"Erdgas ist in Ostfriesland sehr preiswert, insgesamt in Niedersachsen, wir haben einen sehr sehr guten Preis in Brandenburg und auch in Teilen von Hessen. Sehr teuer ist es in Sachsen und im südlichen Teil, in Baden-Württemberg und in Bayern."

Daraus ergibt sich ein beachtliches Sparpotenzial. Ein typischer 4-Personen-Haushalt, der 25 000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr verbraucht, zahlt

Bei der Drewag in Dresden: 1693,40 Euro. Bei EWE in Ostfriesland: 1374,20 Euro.

Differenz: 319,20 Euro! Das ist aber nur eine theoretische Ersparnis, denn EWE wäre derzeit gar nicht bereit, Gas nach Dresden zu liefern. In der Praxis müsste ein neuer Anbieter in seine Kalkulation natürlich den Gastransport durch fremde Netze berücksichtigen. Bei Nuon in Berlin und Hamburg geht das nur, weil es eine durchgehende Pipeline zwischen den Niederlanden und den beiden Städten gibt. Das macht die Sache einfacher, ist aber eine Ausnahmesituation, weshalb Nuon eben nicht nach Dresden, München oder Köln geht, erläutert Vorstandschef Thomas Mecke:

"Da müssten wir über so viele Netzgebiete hinweg gehen. Das können wir mit den etablierten Methoden wirtschaftlich nicht berechnen, das heißt wir würden Geld verbrennen. Und das kann ich eben nur dem Kölner sagen und um Verständnis bitten, dass wir zwar gerne erster sein wollen, aber nur eine begrenzte Bereitschaft haben, für diesen Ruhm Geld zu verbrennen."

Um neue Wettbewerber auf den Markt zu locken, müssen die Transportkosten also sinken. Doch in der Praxis wird das nicht viel bewirken, weil beim Gas 54 Prozent des Endpreises auf das Gas selbst entfallen. Wenn Russland oder Norwegen, die Niederlande oder die zwei kleineren Lieferanten Großbritannien und Dänemark ihre Gaspreise seit Anfang 2004 um über 90 Prozent erhöht haben, dann kann sich kein Unternehmen von dieser Entwicklung des Weltmarktpreises abkoppeln, betont auch Martin Weyand, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft

"Das heißt es ist unredlich zu sagen, dass der Wettbewerb zu einem massiven Preissturz führen könnte, sondern man muss klar und deutlich sage, dass das allgemeine Preisniveau eine Kenngröße für alle Anbieter ist und das drückt sich auch aus in den Angeboten, die wir jetzt sehen auf dem Markt.""

In der Tat sind die Preisunterschiede etwa in Berlin, wo mit Nuon und Klickgas die ersten beiden Newcomer gegen den Platzhirsch Gasag antreten, für einen 4-Personen-Haushalt eher gering.

Gasag Vario-2 Tarif: 1.572, 96 Euro, Nuon: 1.503,80 Euro, Ersparnis: 69,16 Euro oder 4,6 Prozent.

Diese 4,6 Prozent ergeben sich auch nur, weil Nuon seinen Neukunden mit einem Bonus von 50 Euro lockt. Allerdings garantiert Nuon anders als die Gasag, den Preis ein Jahr lang nicht zu erhöhen. Trotz dieser ernüchternden Preisvergleichs ist Nuon-Chef Thomas Mecke überzeugt, dass der Wettbewerb wirkt:

"Wir sind hier jetzt in einer Situation, wo wir aus einem Monopol heraus am Beginn eines Wettbewerbs sind. Unser Vorteil ist die Preisgarantie und dass das ein Wert ist und dass auch der Wettbewerb an dem Punkt wirkt sieht man daran, dass überall in Deutschland schon Preiserhöhungen von acht bis zehn Prozent angekündigt sind, komischerweise nur nicht in Berlin und Hamburg."

Wettbewerb wirkt, wenn es Wettbewerber gibt. Doch darauf müssen Deutschlands Gasverbraucher mindestens noch ein weiteres Jahr warten, denn bislang hat sich außer Nuon und Klickgas noch kein Wettbewerber aus der Deckung gewagt. Völlig verkrustet sind auch die Strukturen auf der Großhandelsebene.

"Wir bedauern, dass wir zurzeit kein wirtschaftlich interessantes Angebot auf ihre Anfrage abgeben können."

teilte in diesen Tagen beispielsweise der Shell-Konzern einem Stadtwerk mit. Es wollte die neue Freiheit nutzen, die das Bundeskartellamt herbei geführt hat, indem es die für Deutschland typischen langjährigen Lieferverträge zwischen Gasgroßhändlern und Stadtwerken verbot, damit auch auf dieser Ebene der Wind des Wettbewerbs wehen soll.

Stadtwerke können heute also ihre Gaslieferanten frei auswählen. In der Praxis jedoch sorgen nicht nur vielfältige Verflechtungen mit großen Gasimporteuren wie EON-Ruhrgas dafür, dass die lokalen Stadtwerke so frei auch wieder nicht sind. Und wenn sie sich suchen, finden sie entweder kein freies Importgas, keinen Lieferanten oder keine freien Netzkapazitäten.

Und den ganz trägen Gasversorgern ist der ganze Vorgang des Gaseinkaufs noch so fremd, dass sie es erst gar nicht erst versuchen. Also liegt es wieder am Gaskunden, den Stadtwerken einzuheizen und nicht nur bei Tanken minimale Preisunterschiede gnadenlos ausnutzen, ist Thomas Mecke von Nuon überzeugt.

"Der Wettbewerb lockt neue Anbieter. Das tut er aber nur dann, wenn der Kunde sagt: "Ich wechsle." Das heißt für den Verbraucher: Er muss jetzt klare Signale setzen, indem er massiv durch Wechselentscheidungen da wo er es schon kann - wie beim Strom - signalisiert "So geht es nicht weiter." Und das sind Signale, die auch in der Gaswirtschaft verstanden werden."

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