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WHO zu Folgen des Tabakkonsums
Millionen Tote und massive Umweltschäden

Tabakkonsum ist nicht nur verantwortlich für den Tod von sieben Millionen Menschen pro Jahr, sondern die Industrie belastet auch die Umwelt. Das geht hervor aus einem Bericht, den die Weltgesundheitsorganisation vor dem Weltnichtrauchertag in Genf vorgestellt hat.

Von Dietrich Karl Mäurer | 31.05.2017

    Das Bild zeigt einen rauchenden Mann in Peking.
    Die Weltgesundheitsorganisation macht den Tabakkonsum für eine zunehmende gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung verantwortlich. (imago)
    Allen Nichtraucherinitiativen zum Trotz: Weltweit gesehen steigt die Zahl der Menschen, die an Krankheiten sterben, die durch Tabakkonsum verursacht werden. Waren es Anfang des Jahrhunderts noch vier Millionen Tote pro Jahr. So sind es derzeit mehr als sieben Millionen Menschen. Bei steigender Tendenz.
    Rauchen gefährdet nicht nur die Gesundheit der Menschen, es belastet auch die Wirtschaft der Staaten - sagt Vinayak Mohan Prasad, der Leiter der Anti-Tabak-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation: "Es bedeutet gleichermassen eine gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung. Die damit verbundenen Kosten erreichen mehr als 1,8 Prozent der Bruttoinlandsprodukte. Das wirkt sich also direkt aus auf die Haushalte der Regierungen. Sie haben mehr Gesundheitskosten. Die Ausgaben steigen."
    Malus für Tabak-Exportländer
    Auch die Gesellschaften der Länder, in denen Tabak angebaut wird, profitieren nicht von dem Tabakanbau. Der WHO-Experte verwies auf die Lage in Malawi. Das Land ist größter Tabakproduzent in Afrika. Ein Fünftel der dortigen Bevölkerung ist unterernährt. Statt Nahrungsmitteln wird vor allem Tabak für den Export angebaut.
    "Tabak-Anbau ist direkt verbunden mit Armut. Die ärmsten Bauern sind die Tabakbauern. Tabakanbau wirkt sich auch auf die Umwelt aus, schädigt den Boden, führt zu Abholzung von Wäldern. Umwelt und Wirtschaft werden so geschädigt."
    300 Zigaretten statt ein Baum
    Dünger und Pestizide gelangen in den Boden. Wälder werden abgeholzt. Pro 300 Zigaretten gehe ein Baum verloren. Problematisch sind auch die Zigarettenstummel. Die Reste von zehn der 15 Milliarden Zigaretten, die täglich verkauft werden, landen in der Umwelt. Sie enthielten rund 7000 giftige chemische Bestandteile, darunter auch krebserregende Stoffe. Sie müssten auf Deponien entsorgt werden.
    Der Kampf gegen das Rauchen habe also nicht nur gesundheitspolitische Gründe. Viele Länder könnten noch mehr machen, sagt WHO-Experte Vinayak Mohan Prasad, auch Deutschland:
    "Deutschland könnte zum Beispiel stärker gegen das Rauchen auf öffentlichen Plätzen vorgehen. Die Steuern auf Tabakprodukte erhöhen. So wie Frankreich und Großbritannien kürzlich neutrale standardisierte Zigarettenverpackungen einführen. Es gibt also einiges zu tun."
    Auch könnte Deutschland afrikanische Länder dahingehend stärker unterstützen, so dass diese nicht mehr auf den Anbau von Tabak angewiesen sind.