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StartseiteUmwelt und VerbraucherWie clever sind Tetrapaks wirklich?24.12.2001

Wie clever sind Tetrapaks wirklich?

von: Beater Peters

Die Ökobilanz so komplex sie auch sein mag mit all den Komponenten, die in ihre Berechnung mit einfließen - sie wird dennoch einfach und oft bemüht? Doch wann ist sie gut? Wenn die Milch in der Glasflasche steckt ist das erst mal positiv, schließlich fließt in die Berechnung mit ein, dass eine Glasflasche prinzipiell receyclingfähig ist. Ein Tetrapak kommt da schon schlechter weg, das kann man nämlich nur runter-recyceln, denn aus lebensmittelhygienischen Gründen darf in eine Milchtüte nie wieder Milch, auch kein Joghurt überhaupt gar nichts was zum Verzehr gedacht ist. Wer glaubt damit wäre die Rechnerei beendet und das plus quasi Glas- klar auf der Seite der Glasflasche, der vergißt dass Bilanzen sich ja nie so einfach errechnen lassen: Wenn nämlich die Milch von einer Kuh aus dem Allgäu kommt und diese Milch in der Quarkspeise bei Schleswig-Holstein landet, dann ist die Ökobilanz bestimmt nicht gut. Und sie ist sogar noch schlechter, wenn sie in einer Glasflasche von den südlichen Bergen in die norddeutsche Tiefebene transportiert wird, denn die Milchflasche ist schwerer als das Tetrapak. Dementsprechend mehr Energie erforderte der Transport, was das an Abgasen bedeutet, gilt es dann auch wieder zu berechnen. Beate Peters hat nachgefragt wie clever welche Verpackung wirklich ist.

Der Getränkekarton ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf ? aus gutem Grund

Der Stress beginnt schon beim Einkauf. Das Sortiment ist mehr als reichhaltig und im Hinterkopf meldet sich das ökologische Gewissen. Einweg- oder Mehrwegflasche? Oder eben doch der leichtere Getränkekarton? Aber lässt sich der überhaupt recyceln? Umweltberaterin Friederike Farsen gibt eine Entscheidungshilfe:

Nach wie vor ist da Mehrweg die erste Wahl, wenn die Transportwege kurz sind, so hat das Umweltbundesamt festgestellt, dass man Glas oder Kunststoff-Mehrwegflaschen benutzen sollte, aber immer darauf achten sollte, dass sie möglichst nah abgefüllt worden sind. Je weiter der Transportweg, desto günstiger werden dann die Einwegverpackungen.

Denn sie sind leichter und besser zu transportieren. Quer durch die Republik. Und, so paradox das vielleicht klingt, somit auch für die Umwelt dann eben weniger schädlich als Glasflaschen. Das belegt auch die vom Umweltbundesamt in Berlin veröffentlichte Ökobilanz, ist aber nur ein Kriterium:

Die Ökobilanz ist dazu da, dass sie ein Bild sozusagen von einem Produkt schafft von der Wiege bis zur Bahre und versucht möglichst viele Aspekte, die dabei passieren, zu berücksichtigen. Alle Energien, die verbraucht werden, Materialien, die verbraucht werden, Transportwege, die zurückgelegt werden, Schadstoffe, die dabei freigesetzt werden, so dass man nachher dann einen Riesendatensalat hat, aber aus dem man ablesen kann, wie das Produkt dann insgesamt aussieht.... das hat eben das Umweltbundesamt mit diesen Bilanzen für Getränkeverpackungen versucht zu erreichen und ist dann natürlich auch zu etwas anderen Ergebnissen gekommen, als wenn man sich das so vor zehn Jahren angeguckt hätte.

Denn mittels der Verpackungsordnung hat sich in der Zwischenzeit in puncto Recycling von Getränkekartons einiges getan. Sie verpflichtet Hersteller und Betreiber, Verpackungen zurückzunehmen. Oder aber sich dem Dualen System anschließen. Gegen Entgelt, das dem Konsumenten letztendlich auf den Kaufpreis weiterberechnet wird. Immerhin konnten dadurch in den letzten Jahren notwendige, hochmoderne Recyclinganlagen gebaut werden. Friederike Farsen:

Es ist schon ein vergleichsweise aufwendigeres Recycling als zum Beispiel das Papier- oder Glasrecycling und es kann nicht wieder eine vergleichbare Verpackung daraus gemacht werden, wie zum Beispiel beim Glas. Wenn Sie Glas sortenrein trennen, dann können Sie zum Beispiel aus weißem Glas auch wieder weißes Glas herstellen, also eine wirklich gleichwertige Verpackung.

Denn ein Getränkekarton besteht aus bis zu drei Bestandteilen, wie Papier, Kunststoff und eventuell Aluminium. Und die müssen erst einmal voneinander getrennt werden, erläutert Achim Struchholz, Pressesprecher vom Dualen System:

Das ist kein Problem: Die Produkte, die Getränkekartons, gelangen in einen so genannten Pulper, werden da zerkleinert, durch das Wasser komplett ohne Einsatz von Chemikalien. Durch das Wasser lösen sich die Bestandteile voneinander. Die langen Papierfasern bleiben übrig und sind ein hervorragender Ausgangsstoff für neue Produkte.

Auch der Kunststoff und das Aluminium werden weiterverwertet. Doch der Hauptbestandteil eines Getränkekartons, nämlich fast 80 Prozent, ist Papier. Und je besser das beschaffen ist, desto höher ist sein Ertrag beim Wiederverkauf:

Der Vorteil eines Getränkekartons ist eben die Qualität der Papierfasern. Wenn Sie ans Recyceln denken, dann gibt es eben Stoffe, die theoretisch unbegrenzt recyclingfähig sind, denken Sie an Aluminium, Weißblech, auch Kunststoffe, auch Glas. Bei Papier ist das etwas anders. Das Papier besteht aus einer Faser. Diese Faser wird bei jedem Recyclingvorgang etwas kürzer, das heißt mit anderen Worten: Je länger eine Faser ist von ihrem Ursprung her, desto öfter kann ich dieses Papier verwerten, dieses Produkt verwerten. Und ein Getränkekarton hat eben sehr, sehr lange Fasern, das heißt, es ist ein sehr hochwertiges Material, das in der Papierindustrie sehr gerne eingesetzt wird.

Letztendlich appelliert Friederike Farsen an die ökologische Verantwortung der Verbraucher:

Ja, es ist wirklich wichtig, wenn man sich dann für den Karton entscheidet, weil es eben auch keine andere Alternative dann gibt, dass man diese Verpackung anschließend in den gelben Sack oder die gelbe Tonne gibt. Das ist dann wirklich ausschlaggebend, dass dann auch der ökologische Vorteil erhalten bleibt.

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