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Wiederbelebung
Drücken bis der Notarzt kommt

Wie man einem Verletzten bei einem Unfall hilft, ihn notfalls auch wiederbelebt, lernt jeder Fahrschüler in einem Erste-Hilfe-Kurs. Aber Ärzte vermitteln das notwendige Wissen dazu manchmal auch an Schulen. Denn das Prinzip ist kinderleicht.

Von Renate Rutta | 11.10.2016

    Ein Rettungssanitäter der Berliner Feuerwehr demonstriert eine Herzdruckmassage.
    Ein Rettungssanitäter der Berliner Feuerwehr demonstriert eine Herzdruckmassage. (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen)
    "Wir sind heute hier, um euch zu zeigen, wie man eine Herzdruckmassage, also eine Reanimation, durchführt."
    Mittwochvormittag, Europaschule Köln. Narkoseärztinnen der Universitätsklinik Köln sind heute zu zwei Stunden Theorie und Praxis der Wiederbelebung in die Schule gekommen. Drei achte Klassen schauen sich zuerst einmal einen Film an, dann folgt die Theorie: "Wir wollen euch heute zeigen, warum ein Herz-Kreislauf-Stillstand eigentlich gefährlich ist für den Menschen. Seht ihr das Bild? Das ist unser Körper. Da haben wir Gefäße drin, in diesen Gefäßen fließt unser Blut und unser Herz ist unser Motor dieses Kreislaufs. Das versorgt die ganzen Organe mit dem sauerstoffreichen Blut, vor allem das Gehirn, das ist ganz wichtig."
    "Was denkt ihr denn, wie lange das Gehirn ohne Sauerstoff auskommen kann? Du: Drei Minuten, vollkommen richtig."
    "Also, je früher man anfängt mit der Reanimation, desto mehr sauerstoffhaltiges Blut kann noch in die Zellen gelangen. Das ist wichtig, dass man frühzeitig anfängt mit der Reanimation."
    "Das Prinzip ist kinderleicht und lautet: prüfen – rufen – drücken. Also die Person ansprechen, prüfen, ob sie noch atmet, Hilfe rufen unter der Notrufnummer 112 und dann mit der Herzdruckmassage beginnen, in der Mitte der Brust fünf bis sechs Zentimeter nach unten drücken etwa 100 mal pro Minute."
    Ein Rippenbruch ist nicht so schlimm
    "Und wie lange drückt man? Drücken bis der Notarzt übernimmt. Das ist ganz wichtig."
    Was passiert, wenn ich zu heftig auf den Brustkorb drücke? Kann ich dann eine Rippe brechen, fragen sich manche Schüler.
    "Das kann passieren aber das ist nicht schlimm. Lieber einen Rippenbruch riskieren als unterlassene Hilfeleistung."
    Werden es sich die Schüler auch zutrauen, einer fremden Person, die am Boden liegt, zu helfen?
    "Ja, ich würde es machen. Am Anfang hat man immer Angst dabei, ich würde es versuchen, auf jeden Fall."
    "Nicht einfach zugucken, man muss natürlich helfen."
    "Nein, ich würde wenigstens anrufen."
    Mitten auf den Brustkorb drücken
    Dann geht es raus auf den Schulhof zur praktischen Übung der Wiederbelebung an Plastikpuppen. Lehrkoordinatorin Dr. Ruth Koch-Schultze von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln macht es vor, Schüler und Lehrer machen mit:
    "Sehen, Hören, Fühlen, Anne atmet nicht, ich rufe 112, fang an zu drücken, 112, wir haben hier eine verletzte Person, die ist bewusstlos und atmet nicht. Wir sind hier in der Europaschule auf dem Schulhof. Ja, wir beginnen mit der Herzdruckmassage, danke, wir fangen an."
    "Hier drücken, in der Mitte vom Brustkorb zwischen den Brustwarzen, hier, tief und fest mit gestrecktem Arm, 1, 2, 3, 4, 5, - 27, 28, 29, 30 und jetzt wird zweimal beatmet. Der Kopf wird dabei etwas überstreckt, das Kinn wird angehoben, die Nase wird zugehalten und dann hineingepustet. Zweimal und dann wird sofort wieder gedrückt, 30 Mal, zweimal beatmen."
    "Eure Puppe klickt. Wenn da ein Klick ist, habt ihr richtig gedrückt."
    "Ok, dann geht’s los, Atmo drücken, sehr gut."