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StartseiteKalenderblattDer Barde der Iren 13.06.2015

William Butler YeatsDer Barde der Iren

Heute vor 150 Jahren wurde William Butler Yeats geboren. Er war der erste Ire, der den Nobelpreis für Literatur erhielt. Für die Dichtung leistete Yeats, was Picasso für die Malerei tat: in ständiger Erneuerung schlug er eine Brücke vom 19. Jahrhundert in die Moderne.

Von Ruth Fühner

Undatierte Schwarz-Weiß-Aufnahme des irischen Dichters William Butler Yeats aus den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.  (Imago / United Archives International)
Verspielter Neoromantiker und Vorkämpfer der irischen Unabhängigkeit: William Butler Yeats (Imago / United Archives International)
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William Butler Yeats zum 150. Immer wieder sich selbst neu erfunden

"Wenn jemand irgendetwas von mir kennt, dann dieses Gedicht, das ich mit 23 schrieb", sagte, nicht ganz unkonkett, William Butler Yeats, als er schon längst ein weltberühmter älterer Herr war.

"Nun steh ich auf und gehe, nach Innisfree ich geh,
Dort mach ich eine Hütte, aus Lehm und Rohr gebaut:
Dort will ich Bohnen reihen, ein Bienkorb steht im Klee,
und allein sein im Schlag der von Bienen laut."

Selbstverständlich ist es nicht, dass Yeats, der protestantische Spross anglo-irischer Grundbesitzer, zu dem Barden der Iren wurde. Geboren am 13. Juni 1865 in Sandymount, war er fasziniert von den Landschaften, den Mythen und der Folklore seiner Heimat. Zusammen mit Freunden gründete er das Abbey Theatre in Dublin, das erste irische Nationaltheater, Keimzelle einer Renaissance der irischen Literatur, für das er eine Reihe heute meist vergessener Dramen verfasste. Die Religionskämpfe im Land, die Rebellion der katholischen Unterschicht gegen die englische Herrschaft, die blutige Niederschlagung des Osteraufstands von 1916 und der Erste Weltkrieg machten aus Yeats einen Vorkämpfer der irischen Unabhängigkeit – und aus dem verspielten Neoromantiker für kurze Zeit fast so etwas wie einen engagierten Dichter.

"Ach, was wir edel dachten, weil wir glaubten,
die schlimmsten Schelme und Schurken seien tot.
Alle Zähne wärn gezogen, kein Schlich mehr wahr
Und ein großes Heer sei nur als Prunkstück da ...
Jetzt reiten Drachen auf der Zeit, der Albtraum
Reitet den Schlaf: Betrunkne Soldateska
Lässt leicht die Mutter, vor der Tür ermordet,
im eignen Blute kriechen – unbestraft."

1922 wurde Irland unabhängig, ein Jahr später bekam Yeats den Nobelpreis. Er verstand das durchaus auch als politisches Zeichen – als Europas Willkommensgruß an einen neuen Staat. Damals war er schon 58 Jahre alt. Doch seine wichtigsten Gedichte schrieb er – und das ist selten bei Nobelpreisträgern - erst danach.

"1900 glaubte er an Elfen, das war schlimm genug"

So engagiert Yeats in Sachen Irland war (er saß sogar als Senator im Parlament und kämpfte für ein modernes Scheidungsrecht): im Grund lief für ihn die Geschichte auf die Apokalypse zu. Yeats war ein elitärer Verächter der Gegenwart, alles Materialistische, Rationalistische – auch die Dubliner Kaufleute - waren ihm zuwider.

Trotz häufiger Affären glücklich verheiratet, suchte er mit seiner medial veranlagten Frau in spiritistischen Séancen nach Kontakt mit Verstorbenen und schwärmte für den Hinduismus. Was nicht nur den Kollegen W. H. Auden zu spitzen Bemerkungen veranlasste:

"1900 glaubte er an Elfen, das war schlimm genug. Aber 1930 war man mit dem traurigen und beklagenswerten Schauspiel eines erwachsenen Mannes konfrontiert, der sich mit dem Brimborium der Magie und mit dem Unsinn Indiens beschäftigte."

Doch die esoterischen Neigungen, mit denen Yeats in seinem mystischen Testament "The Vision" die Öffentlichkeit verschreckte, finden in seiner reifen Lyrik kaum Niederschlag. Formvollendet, kühn und nicht selten sarkastisch, sind seine späten Gedichte so leidenschaftlich wie lebenslustig. Trotzig legen sie Einspruch ein gegen den Wahnwitz der Verhältnisse. Und so traditionsbewusst sie vor allem in der Form sind – sie sind auch Avantgarde. Vor allem durch den Eklektizismus der Motive, der schon einmal Zeppelin und Flugzeug, Hamlet und Ophelia, Renaissance und chinesische Kunst in den Versen ein und desselben Gedichts zusammenspannte.

Am 28. Januar 1939 starb William Butler Yeats in Südfrankreich. Bis heute lässt die Anziehungskraft seiner Gedichte nicht nach, immer wieder werden sie zitiert. Hier Joni Mitchell mit der Vertonung eines der berühmtesten, "The Second Coming".

"Kreisend und kreisend in immer weiterem Bogen
Entschwindet der Falke dem Ruf des Falkeniers.
Alles fällt auseinander, die Mitte hält nicht mehr;
Bare Anarchie bricht aus über die Welt."

 

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