Donnerstag, 09. Dezember 2021

Winter (Junge Union)CDU braucht einen personellen und programmatischen Neuanfang

Wiebke Winter von der Jungen Union und CDU-Vorstandsmitglied hat sich im Dlf für eine Mitgliederbefragung beim Thema CDU-Vorsitz ausgesprochen. „Das macht die Partei attraktiver“. Es brauche zudem mehr junge und weibliche Köpfe in der Bundestagsfraktion sowie eine neue Grundsatzdebatte.

Wiebke Winter im Gespräch mit Jörg Münchenberg | 15.10.2021

Wiebke Winter (CDU), Bundestagskandidatin für den Bremer Wahlkreis 55, mit 25 Jahren jüngstes Mitglied im Bundesvorstand der CDU und Landesvorsitzende der Jungen Union in Bremen, während eines Spaziergangs in ihrer Wohnsiedlung
Wiebke Winter von der Jungen Union und CDU-Vorstandsmitglied findet eine gute Mischung aus frischen Köpfen und erfahrenen Politikerinnen wichtig (dpa / Mohssen Assanimoghaddam)
Die CDU-Politikerin Wiebke Winter ist jüngstes Mitglied im CDU-Bundesvorstand und gilt als eine der Hoffnungsträgerinnen ihrer Partei. Dennoch hat sie wie andere auch ihr Direktmandat für den Bundestag nicht gewonnen.
Die Junge Union ist mit rund 100.000 Mitgliedern die größte der politischen Parteinachwuchsorganisationen. Die Jusos haben 70.000, die Grüne Jugend gerade mal 15.000, die Jungen Liberalen 12.000 Mitgliederinnen und Mitglieder. Doch bei den Erstwählern lagen FDP und Grüne vorn. Selbst in der Altersgruppe bis 29 erreichten CDU und CSU nur noch elf Prozent.
CDU-Vorsitzender Armin Laschet 
Was wird jetzt aus der CDU?
Nach der Bundestags-Wahlschlappe hat CDU-Chef und -Kanzlerkandidat Armin Laschet einen geordneten Wechsel an der Parteispitze angekündigt. Parteifreunde fordern außerdem eine inhaltliche Erneuerung der CDU. Welchen Weg wird die Partei einschlagen?
Das schlechte Wahlergebnis der CDU unter den jungen Wählerinnen und Wählern könne nicht der Jungen Union in die Schuhe geschoben werden, sagte Winter im Deutschlandfunk. Diese habe "eine große Kampagne gemacht". Schlussendlich sei nicht die JU, sondern die CDU gewählt worden.

"Wie kann die CDU sexyer wirken?"

Man werde das Wahlergebnis aufarbeiten, junge Politiker hätten Vorschläge gemacht, wie das aussehen könne, sagte Winter. Sie spricht sich auch für eine Mitgliederbefragung in der Frage um den CDU-Vorsitz aus. Das mache die Partei attraktiver und könne online schnell auf die Beine gestellt werden. Die Junge Union habe schon vorgemacht, wie das funktionieren könne. Winter fordert auch mehr junge und weibliche Köpfe in der Bundestagsfraktion.
Neben dem personellen brauche es auch einen programmatischen Neuanfang in der Union. Die Grundsatzdebatte, die von der früheren Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer angestoßen, aber nicht zu Ende gebracht worden sei, müsse wieder aufgegriffen werden. "Wir brauchen einen klaren Fahrplan, welche Angebote wir den Menschen in den nächsten 20 Jahren machen wollen", sagte Winter im Dlf.

Neuaufstellung beim Klima

Die Junge Union gilt als konservativ – das stimme für manche, aber nicht für alle Teile, betont Winter. "Was bedeutet es im Jahr 2021, konservativ zu sein?" Die Partei müsse sich u.a. beim Thema Klima neu aufstellen, dafür macht sich auch Winter stark.
CDU-Politiker Philipp Amthor
Amthor (CDU) fordert Basisbeteiligung
Der CDU-Politiker Philipp Amthor hat sich im Zusammenhang mit der Bestimmung eines neuen CDU-Vorsitzenden für eine starke Beteiligung der Basis ausgesprochen. Der Parteitag treffe aber die letzte Entscheidung, sagte er im Dlf.
Beim Treffen der Jungen Union beim Deutschlandtag in Münster soll es eine offene Debatte über den künftigen Kurs von CDU und CSU geben. Erwartet werden Friedrich Merz, Jens Spahn und Fraktionschef Ralph Brinkhaus sowie weitere mögliche Kandidaten für die Nachfolge Armin Laschets an der CDU-Spitze. Der scheidende Vorsitzende spricht am 16. Oktober. CSU-Chef Söder hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.