Klaus Remme: Die Zeit läuft ab für eine Einigung im Streit bei der Telekom. Heute beginnt die zweite Streikwoche der Arbeitnehmer, die sich gegen die beabsichtigte Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in Service-Gesellschaften wehren, denn dort sollen sie weniger verdienen und mehr arbeiten. Der Telekom-Vorstand will seine Pläne zum 1. Juli durchsetzen, und das heißt, den betroffenen Arbeitnehmern muss das bis zum 1. Juni schriftlich mitgeteilt werden, das sind auf dem Papier noch zehn Tage. Doch stellt man Pfingsten in Rechnung, dann müsste diese Woche eigentlich Bewegung in die Fronten kommen.
Am Telefon ist jetzt Ado Wilhelm, ver.di-Arbeitskampfleiter in diesem Konflikt, guten Morgen, Herr Wilhelm.
Ado Wilhelm: Schönen guten Morgen.
Remme: Herr Wilhelm, können Sie diese Bewegung zwischen den Fronten ausmachen?
Wilhelm: Nein, wir haben keinerlei Signale bis heute, dass die Telekom, dass der Vorstand auf uns zukommt. Da gibt es keine Anzeichen derzeit.
Remme: Heißt das, der Arbeitskampf wird in dieser Woche ausgeweitet?
Wilhelm: Nun, das will ich jetzt hier in der Öffentlichkeit aus streiktaktischen Gründen natürlich nicht sagen, aber wir haben heute 15.000 Kolleginnen und Kollegen erneut zum Arbeitskampf aufgerufen, und die werden dem auch folgen.
Remme: Zum Arbeitskampf aufgerufen, das sagt man ja so schnell. 15.000 Leute, was heißt denn das eigentlich konkret vor Ort? Gibt es da Streit zwischen den Beschäftigten, Streikbrecher, Einflussnahme der Geschäftsleitung?
Wilhelm: Es gibt vereinzelt den Einsatz von Leih- und Zeitarbeitnehmern, Streikbrecher eigentlich so gut wie gar nicht. Die Telekom versucht jetzt, weitere Menschen in den Betrieb hineinzubringen. Die Leih- und Zeitarbeitnehmer haben allerdings ein Leistungsverweigerungsrecht, und wir diskutieren mit ihnen darüber, ob sie in den Betrieb reingehen oder nicht.
Remme: Herr Wilhelm, wen wollen Sie in diesen Tagen gezielt treffen?
Wilhelm: Wir wollen den Telekom-Vorstand treffen und sonst eigentlich niemanden. Unser Streik richtet sich nicht - und das will ich auch mal ganz deutlich sagen - gegen Kunden, egal ob Privatkunden oder Großkunden. Nur leider lässt sich in einem Bereich, wo ausschließlich Dienstleistung angeboten wird, nicht vermeiden, dass auch Kundinnen und Kunden betroffen werden, aber unser Streik richtet sich ausschließlich gegen das Management.
Remme: Aber Sie sagen ja selbst, natürlich trifft es Kunden. Was sind denn bisher die konkreten Auswirkungen Ihres Arbeitskampfs?
Wilhelm: Nun, es kommt zu Verzögerungen bei Einrichtungen von Anschlüssen oder von Telefonanlagen, die Bearbeitung in den Systemen ist schleppender, es kann zu Problemen bei der Störungsannahme oder Störungsbeseitigung kommen. Das, was halt eben passiert, wenn die Monteure nicht unterwegs sind und wenn auch Aufträge halt eben im Callcenter nicht angenommen werden können.
Remme: Das klingt nicht sonderlich furchterregend.
Wilhelm: Nun, es soll ja auch nicht furchterregend sein. Wir wollen Druck auf das Management ausüben, um an den Verhandlungstisch zu kommen, dass also über den von uns geforderten Tarifvertrag zu einem Auslagerungsschutz verhandelt wird. Es soll ja auch keine Furcht erregen.
Remme: Herr Wilhelm, es wird von einem Geheimtreffen berichtet zwischen den Konfliktparteien und der Bundesregierung. Wissen Sie etwas darüber?
Wilhelm: Mir ist von einem Geheimtreffen nichts bekannt. Nein, das wird wohl heute durch den "Spiegel" berichtet, aber da kann ich im Moment nichts zu sagen.
Remme: Sie haben aber ja mit der SPD und mit Peer Steinbrück sogar einen SPD-Finanzminister quasi als natürlichen Verbündeten. Hat sich das schon bemerkbar gemacht?
Wilhelm: Das kann ich auch so nicht bestätigen. Der Finanzminister ist daran interessiert, weitere Anteile der Telekom - der Bund ist ja nach wie vor im Besitz von ca. 32 Prozent - weitere Anteile der Telekom zu verkaufen, und von daher war in diesem Konflikt, in dieser Auseinandersetzung noch nicht so sonderlich viel von Unterstützung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu bemerken.
Remme: Bemüht sich ver.di da um Unterstützung seitens der SPD?
Wilhelm: Wir sind natürlich mit Politikern aller Parteien im Gespräch und werben überall um Unterstützung, natürlich auch bei der SPD, aber wie gesagt, da hat sich auch bisher nicht so sonderlich viel bewegt.
Remme: Herr Wilhelm, was geschieht, wenn die Konzernleitung nicht bis zum 1. Juni informiert über die geplante Auslagerung?
Wilhelm: Gut, das Informieren ist das eine, das hat ja mit den Maßnahmen auch erst mal nicht so sonderlich viel zu tun. Sie kann auch später in diese Einheiten reingehen, sie kann in die Einheiten reingehen und mit uns dort weiterverhandeln, also es ist jetzt nicht alles unbedingt so miteinander verknüpft, dass dann nichts mehr passiert. Das Management wäre allerdings schlecht beraten, wenn es in diese Einheiten hineingeht, ohne Regelungen mit uns zu treffen, denn dann werden die Beschäftigten gegen das Management weiter sein, die Gewerkschaft ver.di und natürlich auch die Betriebsräte. Und so kann man keinen sinnvollen Betrieb führen und auch keine Serviceverbesserung erreichen. Da sollte man gut drüber nachdenken auf der Seite des Managements.
Remme: Das heißt, dieser Arbeitskampf wird möglicherweise über den 1. Juli hinaus andauern?
Wilhelm: Das ist, wenn bis dahin keine Regelungen getroffen sind, nicht unwahrscheinlich, ja.
Remme: Und die Drohkulisse, wie sieht die aus?
Wilhelm: Nun, wir sind in der Lage, erstens weitere Menschen noch zum Arbeitskampf aufzurufen. Wenn man sich das Ganze mal ansieht, über die ganzen Wochen, wo wir jetzt inklusive Warnstreikphase am Streiken sind, also Warnstreiks, und heute der elfte Streiktag nach der Urabstimmung, waren wir bisher noch sehr moderat unterwegs, das heißt, im Durchschnitt haben unter 4.000, ca. knapp 4.000 Kolleginnen und Kollegen täglich gestreikt. Wir sind in der Lage, auch auf 20.000 am Tag zu gehen. Wir sind in der Lage, neuralgische Punkte ganz gezielt anzugehen. Das haben wir alles bisher nicht getan. Wir sind schon in der Lage, da noch eine Schaufel draufzulegen.
Remme: Ado Wilhelm war das, der Arbeitskampfleiter von ver.di. Vielen Dank für Ihr Gespräch, Herr Wilhelm.
Am Telefon ist jetzt Ado Wilhelm, ver.di-Arbeitskampfleiter in diesem Konflikt, guten Morgen, Herr Wilhelm.
Ado Wilhelm: Schönen guten Morgen.
Remme: Herr Wilhelm, können Sie diese Bewegung zwischen den Fronten ausmachen?
Wilhelm: Nein, wir haben keinerlei Signale bis heute, dass die Telekom, dass der Vorstand auf uns zukommt. Da gibt es keine Anzeichen derzeit.
Remme: Heißt das, der Arbeitskampf wird in dieser Woche ausgeweitet?
Wilhelm: Nun, das will ich jetzt hier in der Öffentlichkeit aus streiktaktischen Gründen natürlich nicht sagen, aber wir haben heute 15.000 Kolleginnen und Kollegen erneut zum Arbeitskampf aufgerufen, und die werden dem auch folgen.
Remme: Zum Arbeitskampf aufgerufen, das sagt man ja so schnell. 15.000 Leute, was heißt denn das eigentlich konkret vor Ort? Gibt es da Streit zwischen den Beschäftigten, Streikbrecher, Einflussnahme der Geschäftsleitung?
Wilhelm: Es gibt vereinzelt den Einsatz von Leih- und Zeitarbeitnehmern, Streikbrecher eigentlich so gut wie gar nicht. Die Telekom versucht jetzt, weitere Menschen in den Betrieb hineinzubringen. Die Leih- und Zeitarbeitnehmer haben allerdings ein Leistungsverweigerungsrecht, und wir diskutieren mit ihnen darüber, ob sie in den Betrieb reingehen oder nicht.
Remme: Herr Wilhelm, wen wollen Sie in diesen Tagen gezielt treffen?
Wilhelm: Wir wollen den Telekom-Vorstand treffen und sonst eigentlich niemanden. Unser Streik richtet sich nicht - und das will ich auch mal ganz deutlich sagen - gegen Kunden, egal ob Privatkunden oder Großkunden. Nur leider lässt sich in einem Bereich, wo ausschließlich Dienstleistung angeboten wird, nicht vermeiden, dass auch Kundinnen und Kunden betroffen werden, aber unser Streik richtet sich ausschließlich gegen das Management.
Remme: Aber Sie sagen ja selbst, natürlich trifft es Kunden. Was sind denn bisher die konkreten Auswirkungen Ihres Arbeitskampfs?
Wilhelm: Nun, es kommt zu Verzögerungen bei Einrichtungen von Anschlüssen oder von Telefonanlagen, die Bearbeitung in den Systemen ist schleppender, es kann zu Problemen bei der Störungsannahme oder Störungsbeseitigung kommen. Das, was halt eben passiert, wenn die Monteure nicht unterwegs sind und wenn auch Aufträge halt eben im Callcenter nicht angenommen werden können.
Remme: Das klingt nicht sonderlich furchterregend.
Wilhelm: Nun, es soll ja auch nicht furchterregend sein. Wir wollen Druck auf das Management ausüben, um an den Verhandlungstisch zu kommen, dass also über den von uns geforderten Tarifvertrag zu einem Auslagerungsschutz verhandelt wird. Es soll ja auch keine Furcht erregen.
Remme: Herr Wilhelm, es wird von einem Geheimtreffen berichtet zwischen den Konfliktparteien und der Bundesregierung. Wissen Sie etwas darüber?
Wilhelm: Mir ist von einem Geheimtreffen nichts bekannt. Nein, das wird wohl heute durch den "Spiegel" berichtet, aber da kann ich im Moment nichts zu sagen.
Remme: Sie haben aber ja mit der SPD und mit Peer Steinbrück sogar einen SPD-Finanzminister quasi als natürlichen Verbündeten. Hat sich das schon bemerkbar gemacht?
Wilhelm: Das kann ich auch so nicht bestätigen. Der Finanzminister ist daran interessiert, weitere Anteile der Telekom - der Bund ist ja nach wie vor im Besitz von ca. 32 Prozent - weitere Anteile der Telekom zu verkaufen, und von daher war in diesem Konflikt, in dieser Auseinandersetzung noch nicht so sonderlich viel von Unterstützung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu bemerken.
Remme: Bemüht sich ver.di da um Unterstützung seitens der SPD?
Wilhelm: Wir sind natürlich mit Politikern aller Parteien im Gespräch und werben überall um Unterstützung, natürlich auch bei der SPD, aber wie gesagt, da hat sich auch bisher nicht so sonderlich viel bewegt.
Remme: Herr Wilhelm, was geschieht, wenn die Konzernleitung nicht bis zum 1. Juni informiert über die geplante Auslagerung?
Wilhelm: Gut, das Informieren ist das eine, das hat ja mit den Maßnahmen auch erst mal nicht so sonderlich viel zu tun. Sie kann auch später in diese Einheiten reingehen, sie kann in die Einheiten reingehen und mit uns dort weiterverhandeln, also es ist jetzt nicht alles unbedingt so miteinander verknüpft, dass dann nichts mehr passiert. Das Management wäre allerdings schlecht beraten, wenn es in diese Einheiten hineingeht, ohne Regelungen mit uns zu treffen, denn dann werden die Beschäftigten gegen das Management weiter sein, die Gewerkschaft ver.di und natürlich auch die Betriebsräte. Und so kann man keinen sinnvollen Betrieb führen und auch keine Serviceverbesserung erreichen. Da sollte man gut drüber nachdenken auf der Seite des Managements.
Remme: Das heißt, dieser Arbeitskampf wird möglicherweise über den 1. Juli hinaus andauern?
Wilhelm: Das ist, wenn bis dahin keine Regelungen getroffen sind, nicht unwahrscheinlich, ja.
Remme: Und die Drohkulisse, wie sieht die aus?
Wilhelm: Nun, wir sind in der Lage, erstens weitere Menschen noch zum Arbeitskampf aufzurufen. Wenn man sich das Ganze mal ansieht, über die ganzen Wochen, wo wir jetzt inklusive Warnstreikphase am Streiken sind, also Warnstreiks, und heute der elfte Streiktag nach der Urabstimmung, waren wir bisher noch sehr moderat unterwegs, das heißt, im Durchschnitt haben unter 4.000, ca. knapp 4.000 Kolleginnen und Kollegen täglich gestreikt. Wir sind in der Lage, auch auf 20.000 am Tag zu gehen. Wir sind in der Lage, neuralgische Punkte ganz gezielt anzugehen. Das haben wir alles bisher nicht getan. Wir sind schon in der Lage, da noch eine Schaufel draufzulegen.
Remme: Ado Wilhelm war das, der Arbeitskampfleiter von ver.di. Vielen Dank für Ihr Gespräch, Herr Wilhelm.
