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StartseiteUmwelt und VerbraucherWismut-Sanierung25.10.2000

Wismut-Sanierung

<strong>Es dürfte die teuerste und aufwändigste Umweltsanierung Europas sein, wenn nicht sogar der Welt: In Sachsen und Thüringen investiert die Bundesregierung 13 Milliarden Mark, um die strahlende Altlast Wismut zu beseitigen. War doch die DDR nach Kanada und den USA der drittgrößte Uranproduzent der Welt - Abnehmer war die Sowjetunion. Fast die Hälfte des Geldes ist bereits ausgegeben: Für die Umlagerung und Abdeckung strahlender Halden und Schlammabsetzbecken, für die Verfüllung von Tagebaulöchern und für die unterirdische Sicherung der Stollen. Im thüringischen Ronneburg trafen sich gestern Kommunalpolitiker, Vertreter von Umweltbehörden und natürlich der Wismut, um über den Stand der Sanierung und das "danach" zu diskutieren.</strong>

Von Claudia van Laak

Die beiden spitz zulaufenden Abraumhalden sind schon kilometerweit zu sehen. "Da ist Ronneburg" - wissen die Einheimischen. Und den Besuchern wird erklärt: "Bei den Pyramiden bitte von der Autobahn abbiegen". Die Halden sind ein Symbol für die Umweltzerstörung durch die Wismut. Nicht die Vergiftung von Luft oder Boden sind dabei das große Problem, es ist die Belastung des Grundwassers. Rudolf Dänecke von der bundeseigenen Wismut-GmbH.

Rudolf Dänecke: "Das sind die Radionukleide, die sicher das kleinste Problem darstellen. Viel kritischer aus der Sicht der Wasserbehörde sind die Schwermetalle, Nickel vor allen Dingen, Sulfate kommen dazu. Das wären so die wesentlichen Bestandteile."

Die Umlagerung der Halden in ein großes Tagebauloch ist Teil des bekannten Wismut-Sanierungskonzeptes und wurde bislang von der Bevölkerung akzeptiert. Doch seit einiger Zeit regt sich Kritik. Immer lauter werden die Stimmen derjenigen, die sagen: "Diese strahlenden Halden sollen stehenbleiben. Sie sind Teil unserer regionalen Identität."

Rudolf Dänecke: "Sie ragen in die Landschaft. Sicherlich gehören sie nicht dahin, aber für mich ist es schon ´ne Verbundenheit. Da ist Ronneburg und da fällt mir natürlich vieles ein, auch nicht immer Angenehmes. Also wirklich: Ich verknüpfe damit so ´ne gewisse Verbundenheit."

Die Diskussion um die Wismut-Abraumhalden in Ronneburg ist symptomatisch für den gesamten Sanierungsprozess. Denn: die Investition von bislang mehr als 6 Milliarden Mark ist für die Bevölkerung der Region nur in Ansätzen sichtbar. Eine wirtschaftliche Trendwende ist nicht in Sicht, seit Jahren beträgt die Arbeitslosigkeit 20 Prozent, die Region hat seit der Wende ein Drittel ihrer Bevölkerung verloren, nur die alten Leute sind geblieben. Ronneburgs Bürgermeister Manfred Böhme bringt es auf den Punkt: was haben wir von einer sanierten Umwelt, wenn die Bevölkerung abwandert - fragt er.

Manfred Böhme: "Vornehmlich ja die jungen Bürger, die jungen Familien orientieren sich zunehmen westwärts und das ist eine ganz bedauerliche Entwicklung, wo wir halt alle gehalten sind, Erfolge vorweisen müssen. "

Kommunal- und Landespolitiker arbeiten schon seit Jahren an einer Image-Verbesserung der Wismut-Region. Wichtig dabei war die Beteiligung an der Expo 2000. Ein nächster Schritt ist die Bundesgartenschau in sieben Jahren.

Manfred Böhme: ""Das sind natürlich auch irgendwo für uns Rettungsanker aber das alleine genügt nicht. Es muss industriell vorwärtsgehen. Es muss Industrie in den Osten und nicht nur Autohäuser, Kaufhäuser und Banken."

Die Städte Ronneburg und Gera werden demnächst eine Gesellschaft zur Vorbereitung der Bundesgartenschau gründen - im Mittelpunkt des BuGa-Konzeptes steht dabei der Umbau der geschundenen Bergbaulandschaft. Unterdessen wird die Wismut von Sanierungsproblemen geplagt. Seit einiger Zeit werden die unterirdischen Schächte geflutet, sprich, die Wasserpumpen wurden abgestellt. Das Grundwasser steigt an. Experten schätzten, daß es 10 bis 12 Jahre dauern würde, bis das extrem radioaktiv- und schwermetallbelastete Wasser die Erdoberfläche erreicht hätte. Doch diese Prognosen lagen völlig falsch - das kontaminierte Wasser steigt extrem schnell an und wird bereits in zwei Jahren die Erdoberfläche erreicht haben, muß dann sofort aufgefangen und gereinigt werden. Wismut-Sanierer Rudolf Dänecke.

Rudolf Dänecke: "Das ist natürlich ein finanzielles Problem. Die Mittel dafür, die werden nach Erkenntnissen für die Anlage 25 bis 30 Millionen kosten. Das heißt die Mittel, die für den späteren Umbau vorgesehen sind, nach vorne ziehen. Es ist etwas, das uns auch gerade im nächsten Jahr auch Sorgen bereiten wird."

Doch die Wismut hat nicht nur finanzielle Sorgen mit dem viel zu schnell ansteigenden kontaminierten Grubenwasser. Sie muss in knapp zwei Jahren eine 30 Millionen Mark teure Reinigungsanlage gebaut haben. Ein Wettlauf gegen die Zeit - denn das radioaktiv und schwermetallbelastete Grubenwasser darf auf keinen Fall die oberirdischen Gewässer erreichen.

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