Montag, 30. Januar 2023

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WM 2026
Marokkos Hoffnung stirbt zuletzt

Diesmal soll es endlich klappen. Marokko hat sich zum fünften Mal als Ausrichter für eine Fußball-WM beworben. Doch die FIFA legte den Nordafrikaner immer wieder Steine in den Weg. Aber ein Faktor könnte klar für das Königreich sprechen.

Von Jens Borchers | 12.06.2018

    Ein Schild mit der offiziellen WM-Bewerbungs Marokkos in Marrakesch.
    Marokko bewirbt sich zum insgesamt fünften Mal um die Ausrichtung einer Fußball-WM (MAXPPP)
    Niemand soll sagen, Marokko habe nicht alles versucht:
    "Marokko ist eine echte Fußballnation. Ich glaube fest daran, dass Marokko ein perfektes Turnier ausrichten wird, voller authentischer Leidenschaft."
    Lothar Matthäus, Botschafter für die marokkanischen Bewerbung für die WM 2026. Ob er Marokko den letzten Kick geben konnte? Schwer zu sagen. An Optimismus hat es das nordafrikanische Königreich nicht mangeln lassen: "Was erklärt diesen Optimismus? Ganz einfach: Marokko hat alle Chancen."
    FIFA legte Marokko immer wieder Steine in den Weg
    Das ist Hafid Elalamy, Minister für Industrie und Handel, vom König zum Chef der Bewerbung für die WM 2026 befohlen. In diesem Ehrenamt durfte Elalamy erleben, dass die FIFA kurz vor Bewerbungsschluss noch mal die Regeln änderte. Dass sie plötzlich eine sogenannte Task Force losschickte, um die Verhältnisse in den Kandidatenländern selbst zu untersuchen.
    Dass es plötzlich hieß, diese Task Force könne eine Vorentscheidung treffen - was sie dann aber nicht tat. Sie gab allerdings Marokkos Bewerbung nur 2,7 von insgesamt 5 möglichen Punkten. Das reichte knapp, um im Rennen gegen die Konkurrenz des Trios USA, Kanada und Mexiko - genannt: United26 - zu bleiben.
    USA, Kanada und Mexiko versprechen Milliardeneinnahmen
    Eine ganz andere Frage ist, ob Stadien, Infrastruktur und Hotelkapazitäten wirklich eine entscheidende Rolle spielen. Es geht schließlich um viel Geld. United26, also USA, Kanada und Mexiko haben ausgerechnet, die Einnahmen der WM 2026 kämen auf etwa zwölf Milliarden Euro. In Marokkos Rechnung fällt dieser Posten gerade mal halb so üppig aus.
    FIFA-Präsident Gianni Infantino sagte am vergangenen Sonntag zu all dem - wenig: "Der Bericht der Task Force hatte und hat die Aufgabe, die Stärken und Schwächen der Länder herauszuarbeiten. Das hat er getan. Jetzt muss jeder seine Verantwortung wahrnehmen und entscheiden."
    Wer Infantino schaden will, wählt Marokko
    Manche sagen, Marokko habe zwei Pluspunkte. Erstens - Gianni Infantino. Der habe seine Präferenz für das Bewerber-Trio USA, Kanada und Mexiko mehr als deutlich werden lassen. Wer also dem FIFA-Präsidenten schaden wolle, der werde wohl für Marokko stimmen.
    Zweitens - Donald Trump: Der US-Präsident hatte – natürlich via Twitter – gefragt, warum die USA eigentlich künftig Staaten unterstützen sollten, die ihrerseits nicht die US-Bewerbung für 2026 unterstützten.
    Der Faktor Trump
    Solche Drohungen könnten Fußballverbände dazu treiben, für Marokko zu stimmen - aus Protest, gewissermaßen. Tja. In beiden Punkten könnte es auch genau umgekehrt kommen: Infantino und Trump setzen sich einfach durch.
    Der Direktor des marokkanischen Bewerbungskomitees Hicham El Amrani, sagt: Wenn es nur um die Sachargumente gehe, dann sei Marokko die ideale Wahl für das Turnier 2026:
    "Unser Land ist kompakt: Das gilt für die vorgeschlagenen Spielorte, die für Mannschaften und Fans leicht zu erreichen sind. Das gilt generell für die gute Erreichbarkeit Marokkos. Bei uns gibt es eine außergewöhnliche Leidenschaft für Fußball und die Toleranz und Offenheit, um Brücken zu anderen Völkern zu bauen."
    Lücken in der Verkehrsinfrastruktur müssen geschlossen werden
    Neun Stadien neu bauen, fünf bestehende renovieren, 30.000 Hotelzimmer an den Spielorten bereitstellen und die großen Lücken in der Verkehrsinfrastruktur schließen - das traut Marokko sich zu. Und hofft weiterhin, nach vier vergeblichen Bewerbungsanläufen diesmal endlich Erfolg zu haben.
    Marokkos Nationalmannschaft spielt in Russland erstmals seit 20 Jahren wieder bei einer WM mit, viele Marokkaner hoffen, dass ihre Mannschaft bei der WM in Russland über sich hinauswächst. Da könnte die Nachricht, dass Marokko die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausrichten wird, eine zusätzliche Motivation sein.