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StartseiteUmwelt und VerbraucherWohin mit dem Mist?26.03.2012

Wohin mit dem Mist?

Gülle belastet in Teilen von Niedersachsen die Umwelt immer stärker

In Niedersachsen gibt es eine Vielzahl industrieller Stallanlagen mit Tausenden von Tieren. Doch viele Tiere - das bedeutet auch viele Exkremente. Und die müssen entsorgt werden. Inzwischen landet mehr davon auf den Feldern, als Grundwasser und Böden ertragen können.

Von Susanne Schrammar

Um die Massen an Tierkot zu bewältigen, reichen die landwirtschaftlichen Flächen in viele Regionen Niedersachsens längst nicht mehr aus.  (AP)
Um die Massen an Tierkot zu bewältigen, reichen die landwirtschaftlichen Flächen in viele Regionen Niedersachsens längst nicht mehr aus. (AP)

Nach dem langen frostigen Winter sind jetzt zum Frühjahr wieder die Gülletrecker unterwegs. Im Nordwesten Niedersachsens, vor allem in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta mit den vielen großen Geflügel- und Schweinezüchtern, fallen besonders viele Tierexkremente und damit Wirtschaftsdünger an. Von den jährlich 40 Millionen Tonnen Gülle in Niedersachsen entsteht hier allein mehr als die Hälfte: 24 Millionen Tonnen. Hinzu kommen noch jede Menge Hühnermist und Gärreste aus Biogasanlagen. Um diese Massen zu bewältigen, reichen die landwirtschaftlichen Flächen in der Region längst nicht mehr aus. Jährlich müssten 130.000 Laster mit überschüssiger Gülle und Mist aus der Region gebracht werden, um die Düngegrenzen einzuhalten. Doch das, sagt Christian Meyer, landwirtschaftlicher Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, passiere nicht.

"Es gibt einen sehr starken Verdacht, dass in diesen Regionen, wo sehr viele Massentierhaltungsbetriebe sind, auch deutlich mehr Gülle auf die Felder ausgebracht wird, als eigentlich erlaubt. Und wir haben eben auch aus internen Papieren des Landwirtschaftsministeriums die Meldung gekriegt, dass es so gut wie keine Kontrolle dieser Gülleüberschüsse gibt und man gar nicht mitkriegt, ob der Bauer, der das ausbringt, ob der das eigentlich darf oder ob er das nicht das Zweite oder dritte Mal getan hat."

Nach internen Angaben der niedersächsischen Landwirtschaftskammer werden gerade mal 1,5 Prozent der Betriebe in Bezug auf die Verwendung von Dünger kontrolliert. Die Folge: Auf insgesamt 59 Prozent der Landesflächen wird die zulässige Nitratmenge im Grundwasser stark überschritten, Gewässer und Boden mit Stickstoff und Phosphor belastet. Als Auslöser sehen Umweltschützer vor allem den massiven Anstieg der Nutztierhaltung in Niedersachsen.

Nach Angaben der Tierseuchenkasse, an die jeder Landwirt seine Tiere meldet, gibt es in Niedersachsen allein mehr als 80 Millionen Masthühner und Legehennen. Etwa doppelt so viele als in der offiziellen Statistik des Landes. Auch die Zahl der Schweine wurde vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium zuletzt um etwa zwei Millionen Stück geringer angegeben. Die Grünen werfen der schwarz-gelben Landesregierung deshalb vor, die Zahlen "geschönt" und das Problem mit der Gülle verschleiert zu haben. Diesen Vorwurf weist Landwirtschaftsminister Gert Lindemann zurück. Die Agrarstatistik werde nur alle drei Jahre erhoben, die der Tierseuchenkasse hingegen jährlich. Lindemann räumt jedoch ein, dass die Gülle-Probleme in Niedersachsen erheblich zugenommen hätten und es bei den Kontrollen Verbesserungsbedarf gebe.

"Das ist übrigens der Grund, warum wir im Haushalt unseres Hauses einen Zuwachs an Kontrollpersonal für dieses Jahr noch vorgesehen haben bei der Landwirtschaftskammer, der Eindruck allerdings, das würde nicht kontrolliert, ist falsch. Es wird durch die Landwirtschaftskammer kontrolliert, es gibt Bußgeldbescheide und das ist also auf einem ganz guten Wege."

Die Grünen im niedersächsischen Landtag fordern nun, den Bau weiterer Tierställe zu stoppen und ein landesweites Güllekataster einzuführen, eine Datenbank, in der genau nachvollziehbar wäre, wie viel Gülle von wem wo und wann ausgebracht würde. Das niedersächsische Landvolk in Niedersachsen lehnt ein solch umfangreiches Kataster ab und will bei einer zusammenfassenden jährlichen Meldung der Höfe bleiben. Wir können nicht an jedem Güllefass stehen, sagt Sprecherin Gabi von der Brelie, doch die Landwirte hätten ein eigenes Interesse an einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Dünger.

"Wir verschließen uns dieser Transparenz aber nicht sondern das muss auch in einem rechtlich geregelten Rahmen passieren, es holt uns sonst auch an anderer Stelle wieder ein, wenn über Trinkwasseruntersuchungen und Ähnliches Missstände aufgedeckt werden."

Das Land Niedersachsen hat angekündigt, die Gülle-Entsorgung künftig besser zu überwachsen. Seit Monaten arbeitete sein Ministerium an einer Verbringungsverordnung, die noch in diesem Halbjahr in Kraft treten solle, so Landwirtschaftsminister Lindemann.

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