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StartseiteCampus & Karriere"Uns rennen engagierte Lehrer weg, weil wir nicht verbeamten"16.08.2019

Wohlfühlpaket für Lehramtsstudierende"Uns rennen engagierte Lehrer weg, weil wir nicht verbeamten"

Lehramtsstudenten, die nach Berlin kommen, sollten verstärkt gefördert werden - und sich im Gegenzug an das Land binden, sagte der Berliner Bildungspolitiker Dirk Stettner (CDU) im Dlf. Die Mittel für die Stipendien seien vorhanden. Es liege an der Landesregierung, sie bereitzustellen.

Dirk Stettner im Gespräch mit Lena Sterz

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Der Lehrer Florian Schempp unterrichtet an der Friedenauer Gemeinschaftsschule in Berlin in einer Willkommensklasse Deutsch.  (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Berlin ist das einzige Bundesland, dass seine Lehrerinnen und Lehrer nicht verbeamtet, sagte Dirk Stettner (CDU) im Dlf (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Lena Sterz: Darüber, dass an vielen Schulen Lehrer fehlen, darüber berichten wir sehr oft zurzeit, deswegen soll es jetzt mal darum gehen, was es für kreative Ideen gibt, damit umzugehen. In Berlin schlägt die Landes-CDU jetzt ein Wohlfühlpaket für Lehramtsstudenten vor. Das klingt nach chillen in der Hauptstadt, ein bisschen studieren, es geht aber konkret um ein Stipendium von 500 Euro monatlich, das vorgeschlagen wird, ein Angebot für eine Wohnung und eine Übernahmegarantie nach dem Studium, inklusive Verbeamtung dann nach Ende des Studiums.

Im Gegenzug sollen sich die Lehramtsstudierenden verpflichten, nach ihrem Abschluss mindestens fünf Jahre in Berlin als Lehrer zu arbeiten. Kann diese Idee funktionieren? Darüber habe ich mit dem bildungspolitischen Sprecher der CDU-Fraktion Dirk Stettner gesprochen.

"Müssen dafür sorgen, dass wir Studentenwohnheimplätze bekommen"

Herr Stettner, fangen wir mal mit dem Thema an, das viele Studierende im Alltag sehr oft beschäftigt im Moment, der Wohnungsmangel und die stark gestiegenen Mietpreise. Wo wollen Sie denn die Wohnungen für die Lehramtsstudierenden hernehmen?

Dirk Stettner: Jetzt habe ich nach Ihrer Anmoderation eigentlich gedacht, Sie kommen auf das Chillen. Nein, Sie sind bei der Wohnung. Wir haben einen hohen Wohnungsbedarf in Berlin, das ist bekannt, und wir müssen dafür sorgen, dass wir Studentenwohnheimplätze für unsere Lehramtsstudenten bekommen. Leider haben wir das Problem, dass der rot-rot-grüne Senat weit, weit, weit entfernt von seinen eigenen Plänen bei der Erstellung von Studentenwohnheimplätzen ist, nämlich statt 5.000 gerade einmal bei rund 730. Also müssen wir …

Sterz: Ja, die CDU war ja bisher nicht bekannt dafür, dass sie die Studentenwohnheime so stark ausbauen wollten, aber jetzt wollen Sie damit anfangen.

Stettner: Wir wollten immer viele Studenten in Berlin haben und wollten immer dafür sorgen, dass diese Studenten auch einigermaßen preiswert wohnen können, und jetzt wird es immer, immer wichtiger, dass das auch passiert und durchgeführt wird, und jetzt Ihre Frage: Wie geht das konkret, wir haben ja keine Wohnungen auf Halde, vollkommen richtig. Wir haben städtische Wohnungsbaugesellschaften und werden da aus der regelmäßigen Fluktuation schauen müssen, welche größeren Wohnungen WG-geeignet sind und dort auch Angebote für Lehramtsstudenten machen zu können. Wir reden nicht davon, dass ein Student eine komplette Wohnung für sich alleine haben muss, sondern dass wir von Studentenwohnheimplätzen oder aber von WG-Plätzen ausgehen, und darüber hinaus, weil das sicherlich so schnell nicht reichen wird, müssen wir uns mal unsere leerstehenden Gebäude angucken, die wir in Berlin haben seit vielen, vielen Jahren und da prüfen, ob wir nicht in diesen Gebäuden auch Studentenwohnheimplätze schaffen können.

Lehramtsstudierende fördern und ans Land binden

Sterz: Sollen dann alle Lehramtsstudierenden dort wohnen können, egal welches Fach sie studieren, egal ob es ein Mangelfach ist oder ein Fach, das eigentlich genug vorhanden ist auf dem Lehrermarkt?

Stettner: Wir möchten alle Lehramtsstudenten fördern, die nach Berlin kommen wollen, aber wir brauchen diese Lehramtsstudenten nachher, nach erfolgreichem Abschluss, auch bei uns in unseren Schulen, und dafür möchten wir sie übernehmen. Wir möchten Sie verbeamten, und wir möchten sie auch binden an Berlin. Das ist der Plan.

Sterz: Zurzeit ist die Verbeamtung im Land Berlin für Lehramtsstudenten oder Lehrer ja eher die Ausnahme. Wären sie die Regel, würde das ja auf lange Sicht ein ganz schön großes Loch in den Landeshaushalt reißen.

Stettner: Da gibt es verschiedene Berechnungen zu, was nun teurer ist, ob tatsächlich die Verbeamtung des Lehrers im Endeffekt teurer ist als die Nichtverbeamtung. Da gibt es unter den Experten eine Menge Streit drüber. Wir gehen davon aus, dass wir hier eher von einer Verschiebung von Kosten sprechen. Das ist aber auch tatsächlich nicht die entscheidende Frage. Alle Bundesländer in Deutschland verbeamten ihre Lehrer, alle. Berlin ist das einzige Bundesland, dass das nicht tut, und uns rennen gute Kräfte, engagierte Lehrer weg, weil wir nicht verbeamten. Das können wir nicht mehr zulassen.

10 bis 20 Millionen Euro im Jahr für geplante Stipendien

Sterz: Ja, lassen Sie uns noch mal weiter über das Geld und die Finanzierung reden, denn Sie wollen ja den Lehramtsstudierenden auch ein monatliches Stipendium von 500 Euro anbieten. Woher wollen Sie dann das Geld nehmen, wie möchten Sie das finanzieren?

Stettner: Es ist ja nicht so, dass Berlin momentan kein Geld hat.

Sterz: Nein?

Stettner: Nein, das ist nicht so. Wir haben einen Haushaltsüberschuss zuletzt gehabt von 2,4 Milliarden. Der aktuelle Haushalt plant mit einem Überschuss von 1,2 Milliarden Euro. Es ist momentan nicht so, dass Berlin kein Geld hat, auch weil wir den Geberländern danken dürfen, dass sie im Rahmen des Länderfinanzausgleich uns Geld geben. Aber Berlin, hier der rot-rot-grüne Senat, gibt ja horrende Summen für alle möglichen sozialpolitischen Projekte aus in hunderte-Millionen-Größenordnungen. Wenn wir jetzt sagen, wir geben 1.000 Studenten ein Stipendium, die bereit sind, sich zu binden, geben denen 500 Euro im Monat und machen das 12 Monate lang, dann reden wir von Größenordnungen im Jahr, die im Vergleich – ich muss es so sagen – lächerlich sind. Wir reden von 10 bis 20 Millionen Euro im Jahr für die Stipendien. Dann müssen wir natürlich Wohnheimplätze herstellen, das bezahlen, aber das ist ja nichts, was verlorengeht. Das ist ja etwas, was immer weiter genutzt werden kann. Also im Vergleich zu den ganzen sozialromantischen Guttaten, die hier gerade mit der Gießkanne ausgeschüttet werden, ist das finanziell nicht erheblich.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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