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StartseiteWirtschaft und GesellschaftUnkonventioneller griechischer Finanzminister30.01.2015

Yanis VaroufakisUnkonventioneller griechischer Finanzminister

Bei seinem Griechenlandbesuch traf der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, auch den neuen Finanzminister des Landes. Der Ökonom Yanis Varoufakis schrieb in seinem Blog: Ihm sei gesagt worden, dass er nun als Minister die Klappe halten müsse. Diesen Rat wolle er ablehnen.

Von Stefan Wolff

Yanis Varoufakis spricht an einem Mikrofon. (picture alliance / dpa / Nikolas Georgiou/Wostok Press)
Der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. (picture alliance / dpa / Nikolas Georgiou/Wostok Press)
Weiterführende Information

Griechenland - Das große Spiel des Yanis Varoufakis
(Deutschlandfunk, Informationen am Mittag, 30.01.2015)

Er gilt als "Mann mit kurzer Lunte", also als reizbar, was den neuen griechischen Finanzminister nicht eben geeignet für Verhandlungen erscheinen lässt. Doch Yanis Varoufakis weiß, wovon er spricht und fährt eine klare Kante. Das nötigt zumindest Respekt ab.

"Ich glaube erst mal, dass er sehr intelligent ist und weiß, was er tut. Er hat aber auch von der ganzen Politik der Vorgänger von Herrn Tsipras immer schon verlangt, dass sie viel härter auftreten sollte, weil er ganz offensichtlich glaubt, die EU und die Eurozone könnten Griechenland gar nicht fallen lassen. Das ist eine Position, die wir im Prinzip teilen, nur ist es natürlich schwierig, wenn man diese Position mit solcher extremen Härte vertritt", sagt Martin Lück, Chefvolkswirt Europa der Schweizer Großbank UBS.

Die als "extrem" wahrgenommene Härte kommt natürlich von der politischen Ausrichtung. Varoufakis ist ein überzeugter Linker, der zudem die Finanzkrise und deren Entstehung ganz anders wahrgenommen hat als die meisten seiner Amtskollegen im Euroraum.

Die Schuld an der aktuellen Krise sieht Varoufakis vor allem bei US-amerikanischen Banken. Um die Finanzkrise in den USA zu überwinden, habe das Land die Kosten auf den Rest der Welt abgewälzt, auch auf Europa, schreibt der Finanzminister in seinem Buch "Der Globale Minotaurus".

"Unsere Aufgabe ist es jetzt, Geschichte zu ändern" 

Deutschland als Exportnation sieht Varoufakis als willigen Gehilfen der USA, auch vor der Euro-Einführung:

"Den deutschen Exporten in den Rest von Europa fiel weiterhin die Rolle zu, die die amerikanischen Architekten des Globalen Plans ihnen zugewiesen hatten: Sie sollten die Stärke der D-Mark sichern und gleichzeitig von zentraler Bedeutung für die industrielle Entwicklung im Rest von Europa sein. Tatsächlich exportierte Deutschland nicht nur Volkswagen und Kühlschränke, sondern auch Investitionsgüter, die für praktisch jeden Aspekt des Produktionsprozesses in Europa wichtig waren," heißt es in dem Buch.

So habe Deutschland auch innerhalb des Euroraums andere schwächere Länder an die Wand konkurrieren können. Die Eurogemeinschaft hält Varoufakis deswegen für eine Fehlkonstruktion. Dennoch will er an der Gemeinschaftswährung festhalten, schlug neulich in einem Interview mit dem britischen Sender Channel 4 fast schon versöhnlich klingende Töne an:

"Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Geschichte zu ändern. Es geht nicht darum, wer zuerst die Nerven verliert. Wir haben hier europäische Nationen, mit genügend Möglichkeiten, uns gegenseitig zu stützen und einen 'New Deal' für Europa zu schaffen, in dem Griechenland wieder atmen, wachsen und seine Schulden zahlen kann."

Unterm Strich aber ist die Forderung radikal. Varoufakis will die politische Union der Währungsgemeinschaft und damit wohl auch eine Vergemeinschaftung der Schulden erreichen. Denn die aktuellen Rettungsmechanismen seien schon den Eurobonds sehr ähnlich. Nur teurer.

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