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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie Reisterrassen der Hani 07.08.2015

Yunnans spektakuläre KulturlandschaftDie Reisterrassen der Hani

Die tropischen Klimazonen Asiens waren die Wiege der wilden Reispflanze. Heute wird Reis in vielen Teilen der Welt kultiviert und für viele Menschen ist er das Grundnahrungsmittel Nummer eins. Eine ganz besondere Form des Anbaus praktiziert die Ethnie der Hani im Südwesten Chinas seit über einem Jahrtausend und hat damit eine der spektakulärsten Kulturlandschaften der Welt geschaffen.

Von Markus Rimmele

Blick auf die Hani-Reisterrassen (Markus Rimmele)
Blick auf die Hani-Reisterrassen (Markus Rimmele)
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Wasser. Seit 1300 Jahren bestimmt es das gesamte Leben an den steilen Hängen von Yuanyang im Südwesten Chinas. Es fließt herab von den Berggipfeln. Der Wald dort oben fängt die Wolken ab, saugt die Feuchtigkeit auf wie ein Schwamm und schickt sie in Bächen hinab in Richtung Tal. Jetzt kommt der Mensch ins Spiel, genauer: das Volk der Hani, eine ethnische Minderheit, die hier unweit von der vietnamesischen Grenze lebt. Die Dörfer der Hani liegen direkt unterhalb des Waldgürtels.

"Das Wasser kommt aus den Bergquellen und fließt wie von alleine in meine Felder, sagt der Reisbauer Kong. Überschüssiges Wasser fließt dann einfach weiter in die nächsten Felder durch unser Bewässerungssystem."

Die Hani-Reisterrassen in China (Markus Rimmele)Die Hani-Reisterrassen in China (Markus Rimmele)

Der Weg des Wassers

Bevor das Wasser die terrassierten Reisfelder füllt, fließt es noch durch die Dörfer hindurch, treibt dort über Wasserräder zum Beispiel Getreidemühlen an. Dann verliert es sich im weitverzweigten Kanalnetz und fließt stufenweise bergab. Die höchstgelegenen Reisfelder beginnen auf fast 2000 Meter, die untersten Felder liegen auf 300 Meter.

Die Reisterrassen der Hani in Südchina gehören zu den ältesten und schönsten der Welt. Zusammen bilden sie ein nachhaltiges Landwirtschaftssystem: Zunächst dienen die Felder dem Reisanbau, 48 alte Sorten Reis gibt es hier noch. Doch nicht nur. Die Bauern lassen Enten in den gefluteten Feldern schwimmen und vor allem Fische.

"Ich habe viel Fisch", sagt Bauer Li stolz. Mehr als 100 Kilo. Die Fische schwimmen im Reisfeld.

Zur Reisernte im Herbst wird das Wasser aus den Feldern abgelassen. Die Fische sitzen auf dem Trockenen und lassen sich bequem einsammeln. Andere Bauern züchten Aale, Krebse und Muscheln in ihren Feldern. Die Reisterrassen schützen die Abhänge vor Erosion und Erdrutschen.

Berge voller Wasser

Durch Menschenhand ist in Yuanyang eine der schönsten Landschaften Chinas entstanden. Es wirkt, als wären die Naturgesetze außer Kraft gesetzt. Berge voller Wasser leuchten orange in der Abendsonne und silbern im Mondlicht.

"Von oben blickt man auf zusammenhängende Terrassenfelder von bis zu 700 Hektar Größe", sagt Shi Junchao von der Akademie für Sozialwissenschaften der Provinz Yunnan. Er organisierte die Aufnahme der Reisterrassen in die UNESCO-Welterbeliste. Das gibt es auf der ganzen Welt kein zweites Mal. Die Felder ziehen sich durch die Landschaft wie Ozeanwellen.

Chinesische Bäuerinnen verkaufen Gemüse auf einem Markt (Markus Rimmele)Chinesische Bäuerinnen verkaufen Gemüse auf einem Markt (Markus Rimmele)

Nachhaltig, aber nicht mehr rentabel

Doch so schön und nachhaltig das Terrassensystem von Yuanyang ist: Rentabel ist es für die Bauern nicht mehr. Der Reis, den jede Familie pro Jahr erzeugt, deckt nicht einmal die Hälfte des Eigenbedarfs. Alle müssen weitere Jobs annehmen. Die Jungen wandern ab in die Städte oder arbeiten im Tourismus. Die Region zieht immer mehr Besucher an.

"Der Umbruch kam mit der Anerkennung als UNESCO-Welterbe im Juni 2013, sagt Greg Chen. Er betreibt eine Pension oberhalb der Terrassen. Seither kommen immer mehr chinesische Touristen. Hotels und Pensionen schießen aus dem Boden. In meinem Dorf sind es jetzt fast schon zehn. Vor zwei Jahren habe ich als vierter angefangen."

Der Tourismus und die Moderne verändern das traditionelle Leben. Bauer Kong:

"Wer früher keinen Reis angebaut hat, hatte nichts zu essen. Heute können wir Geschäfte machen, Hotels eröffnen. Unsere Kinder wissen schon nicht mehr, wie die Landwirtschaft funktioniert."

Der Tourismus könnte sich noch als letzte Rettung für diese Kulturlandschaft erweisen. Die Besucher kommen nur, wenn die Terrassen intakt sind. Die Regierung wird langfristig um Subventionen und Hilfsgelder wohl nicht umhinkommen. Wie nachhaltig die Bewirtschaftung dann aber noch sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

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