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StartseiteInterviewZiele des iranischen Atomprogramms27.10.2004

Ziele des iranischen Atomprogramms

Interview mit Robert Schmucker, TU München

<strong> Hans-Peter Probst:</strong> In Wien treffen sich heute erneut Vertreter der drei EU-Staaten Frankreich, Großbritannien und Deutschland mit Abgesandten der Teheraner Regierung zu Gesprächen über das strittige iranische Atomprogramm. Konkret geht es um das Angebot der Europäer, dem Iran Atomtechnologie für zivile, friedliche Nutzung zu liefern, falls Teheran im Gegenzug auf die Urananreicherung verzichtet, die ja die Grundlage für militärischen Nutzung, sprich den Bau der Atombombe darstellt. Am Telefon ist Robert Schmucker, er ist Professor an der TU München und beschäftigt sich mit Raketenwaffen und -technologie. Guten Tag, Herr Schmucker.

Moderation: Hans-Peter Probst

In der iranischen Atomanlage Isfahan wird Uran-Hexafluorid verarbeitet. (AP)
In der iranischen Atomanlage Isfahan wird Uran-Hexafluorid verarbeitet. (AP)
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Robert Schmucker: Grüß Gott, Herr Probst.

Probst: Man hat im Vorfeld der heutigen Gespräche gesagt, die sei so etwas wie die letzte Runde, um eine Eskalation des Streits mit möglichen Sanktionen durch die UNO, den Sicherheitsrat zu verhindern. Wie sehen Sie die Chancen auf eine Einigung?

Schmucker: Ich sehe die Chance nicht so gut. Natürlich wird der Iran verzögern und alles mögliche zusagen, aber letztendlich dürfte das Ziel sicher sein, sich längerfristig Atomwaffen zu verschaffen.

Probst: Verzögern, sagen Sie, das hatte man ja auch schon nach der ersten Runde, als besonders amerikanische Kritik am Iran gehört wurde. Die iranische Antwort war, auch die Europäer hätten ihre Zusagen mit Blick auf die technologische Unterstützung nicht eingehalten.

Schmucker: Das ist langfristig deswegen, weil Iran ja noch eine Zeitlang braucht, um mit seinen Raketenwaffen diese Entfernungen, die sie benötigen oder die sie offensichtlich anstreben zu realisieren. Die Nuklearwaffe scheint ja doch da viel leichter zu realisieren sein.

Probst: Ist das eine grundsätzliche Position im Iran, die sowohl von der, ich sage mal, zivilen Regierung von Khatami als auch der geistlichen Obrigkeit, den Revolutionsführern vertreten wird. Sind die da auf einer Linie?

Schmucker: Das kann ich nicht sagen, ich sehe nur die Technik, die sie machen. Ich sehe, was sie an den Langstreckenwaffen arbeiten. Wir sehen ja die ganzen Zeichen, die sie da von sich geben und die sprechen eine eindeutige Sprache. Wir brauchen uns nicht auf Äußerungen zu verlassen oder andere Dinge, sondern wir schauen uns die Technik an und sehen dann, was bedeutet diese Technik, bewerten die, analysieren die und dann gibt es eine ganz klare Sprache.

Probst: Wo kommt diese Technik, diese Technologie her? Ist die aus dem Iran, im Iran selber entwickelt worden? Oder hat es auch da internationale, ausländische Hilfe gegeben?

Schmucker: Wie all diese Waffen in diesen Ländern, kommen die von verschiedenen Firmen anderer Länder. Das sind ja die bekannten Länder, die da mithelfen oder geholfen haben. Ob das nun über die Regierung läuft, das kann ich gar nicht sagen, aber es ist eindeutig, dass es sich hier um Techniken handelt, die aus dem Ausland kommen, die im Iran weiterverarbeitet werden, und wie es aussieht, sind natürlich auch ausländische Hilfen dabei.

Probst: Die Europäer haben ja schon zu erkennen gegeben, falls es also nicht zu einer Verständigung kommt, dann würden sie wohl auch der amerikanischen Linie folgen und das Ganze vor die UNO, sprich in den Sicherheitsrat bringen und da drohten dann Sanktionen. Wären die denn ein probates Mittel nach den Erfahrungen, die man so in anderen Fällen gemacht hat, um den Iran zum Einlenken zu bewegen?

Schmucker: Die Sache vor die UNO zu bringen, ist sicher gut, aber ob Sanktionen ernsthaft helfen, weiß ich nicht. Sie schaden vor allem der Bevölkerung. Der Regierung haben Sanktionen in der Regel noch nie geschadet. Das macht die Sache nur teuerer oder verzögert vielleicht etwas, aber im Endeffekt wird sich am Ergebnis kaum etwas ändern lassen.

Probst: Welche Optionen hat dann die Staatengemeinschaft, der Westen, die EU, die USA, um überhaupt noch auf den Iran einzuwirken?

Schmucker: Ich befürchte, sehr wenige. Wir sehen das ja überall. Der Druck ist sehr wenig, sehr gering, also der echte, effiziente Druck ist sehr gering und das Ergebnis sehen wir an all den Ländern, die wir mit Druck belegen. Da geschieht sehr wenig, außer man geht zu einer militärischen Option.

Probst: Spielt da vielleicht auch das unterschiedliche Verhalten des Westens oder der westlichen Führungsmacht eine Rolle mit Blick auf andere Staaten, Atomstaaten oder potentielle Atomstaaten, dass der Iran in der geopolitischen Konstellation - sprich im Osten Pakistan als Atommacht, im Westen Israel als nicht erklärte, aber doch Atommacht - sich bedroht fühlen könnte?

Schmucker: Ich glaube schon, dass das Streben der Regierung aus Machtpolitik und aus Sicherheitsgründen natürlich in diese Richtung geht. Das ist auf alle Fälle sicher vom Standpunkt: Haben ist besser als Nichthaben, ich bin ein besserer Spieler in der Gegend, nicht um es etwa einzusetzen, aber um es zu haben. Ein besseres Druckmittel als die Nuklearwaffen mit entsprechenden Transportmitteln gibt es ja kaum.

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