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StartseiteForschung aktuell"Die Diagnose ist ziemlich schwierig"28.04.2016

Zika-Virus"Die Diagnose ist ziemlich schwierig"

Das Zika-Virus ist momentan Gegenstand intensiver Forschung. In Paris fand in dieser Woche ein Zika-Gipfeltreffen statt, um sich über aktuelle Zwischenergebnisse auszutauschen. Im DLF sagte Wissenschaftsjournalist Joachim Budde, dort sei man zu der Erkenntnis gekommen, dass das Virus langfristig mehr Schäden verursachen könne, als bisher vermutet.

Uli Blumenthal im Gespräch mit Joachim Budde

Zika-Virus unter dem Elektronen-Mikroskop (picture alliance / dpa / Cynthia Goldsmith / Center for  Disease Control and Prevention/dpa)
Zika-Virus unter dem Elektronen-Mikroskop (picture alliance / dpa / Cynthia Goldsmith / Center for Disease Control and Prevention/dpa)
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Uli Blumenthal: Was waren die wichtigsten Themen in Paris?

Joachim Budde: Da war ein ganz breites Spektrum. Es reichte von Grundlagenforschung zum Virus, über neue Erkenntnisse über schwere Verläufe bis hin zu Impfstoffentwicklung. Ein Schwerpunkt lag auf den am stärksten Betroffenen. Das sind ja Schwangere und Ungeborene. Und da kristallisiert sich der Verdacht heraus, dass das Zika-Virus mehr Schäden verursachen kann, als ausschließlich die Mikrozephalie.

Man kennt das vom Cytomegalie-Virus. Das ist ein ganz anderes Virus, aber auch das kann aber auch Mikrozephalie verursachen. Eben dazu haben Fachleute in Paris Parallelen aufgezeigt. Beim Cytomegalie-Virus ist das zum Beispiel so, dass es auch Schäden am Gehör und an den Augen auslösen kann. Das sind alles Dinge, die man erst Wochen oder Monate spätere überhaupt diagnostizieren kann. Und danach halten Forscher jetzt auch bei Zika aus.

Blumenthal: Das heißt aber, dass man eigentlich diese Kinder nach der Geburt sehr intensiv betreuen, aber auch umfassend untersuchen muss. Kann man das machen?

Budde: Genau das versuchen viele Forscherteams weltweit jetzt. Sie begleiten ganze Kohorten von Schwangeren und ihrer Kinder über längere Zeit. In Brasilien und Kolumbien gibt es eine ganze Reihe solcher Kohortenstudien. Auch die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat damit begonnen: Sie begleitet sämtliche Schwangere im Karibik-Bundesstaat Puerto Rico.

Französische Forscher machen das Gleiche in den Übersee-Départements in Mittel- und Südamerika: In Guadeloupe, Guyana und auf den Antillen. Sie nehmen dort alle Frauen, die jetzt schwanger sind, in ihre Studien auf. Sie untersuchen also alle Frauen mit Zika-Infektion, aber auch solche ohne, um einen Vergleich zu haben.

Allein in Guadeloupe kommen da Hunderte, wenn nicht gar Tausende Kinder zusammen, die die Ärzte in den ersten beiden Lebensjahren begleiten wollen.

"Nicht mal in Deutschland kann jedes Labor Zika-Infektionen aufspüren"

Alle Kinder in die Studien aufzunehmen, scheint eine gute Idee zu sein. Denn auf der Tagung ist ein weiteres Problem angesprochen worden: Die Diagnose. Bei Zika-Infektionen ist sehr wenig Virus im Blut. Das heißt, die Diagnose ist ziemlich schwierig. Bei vielen Analysemethoden schlüpft es durch die Maschen. Nicht mal in Deutschland kann jedes Labor sie aufspüren. Forscher der Universität Bonn haben jetzt verschiedene Analyseprotokolle getestet und hochgerechnet, dass 20 bis 80 Prozent aller Infektionen momentan unerkannt bleiben könnten.

Blumenthal: Was bedeuten diese Zahlen jetzt für Forschung? Und für mögliche Behandlungsansätze?

Budde: Forscher sprechen hier von falsch-negativen Ergebnissen. Also Schwangere, bei denen die Infektionen unerkannt bleiben. Die Frauen fallen aus der Statistik. Es kann also sein, dass das Problem größer erscheint, als es wirklich ist. Es macht einen Riesenunterschied, ob bei 1000 von 100.000 oder nur 1000 von einer Million Menschen eine Krankheit entdeckt wird.

Hinzu kommt: Frauen mit einer unerkannten Infektion fallen aus den Studien heraus, die nur infizierte Frauen betrachten. Leichtere Schäden bleiben dann unentdeckt.
Es ist ja durchaus einleuchtend: Wenn viel Virus im Blut ist, ist er leichter zu finden. Aber gleichzeitig kann der Erreger größere Schäden verursachen. Wenn leichte Fälle fehlen, dann entsteht ein falsches Bild von dem, was Zika-Viren anrichten.

Studien zu Impfstoffen sollen noch in diesem Jahr beginnen

Und drittens reicht der Einfluss bis hin zur Impfstoffentwicklung. Wenn eine Impfung Kinder vor Mikrozephalie schützen soll, dann stellt das andere Anforderungen an einen Impfstoff, als wenn er auch die leichteren Schäden verhindern soll.

Es kommen also große Herausforderungen auf die Forscher zu, die an dem Impfstoff arbeiten. Und trotzdem, auch das ist eine Neuigkeit von der Tagung, dass die klinischen Studien zu Zika-Impfstoffen noch in diesem Jahr beginnen sollen.

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