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StartseiteInterview"Kein gravierender Unterschied zu Bush oder Obama"22.08.2017

Zu Trumps Afghanistan-Rede"Kein gravierender Unterschied zu Bush oder Obama"

Nach Einschätzung des US-Politikwissenschaftlers Jackson Janes hat sich die Afghanistan-Strategie mit der Rede Trumps nicht grundlegend geändert. Es reiche nicht, ein paar Tausend Soldaten mehr nach Afghanistan zu entsenden, sagte er im Dlf. Aber es sei eine gute Idee, andere Länder in der Region einzubinden.

Jackson Janes im Gespräch mit Tobias Armbrüster

Jackson Janes hört bei einer Talkshow zu (imago / Metodi Popow)
Trump wäre gut beraten, mit den NATO-Verbündeten zusammenzuarbeiten, sagte US-Politikwissenschaftler im Dlf. (imago / Metodi Popow)
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Tobias Armbrüster: Was planen die USA in Afghanistan? Der Einsatz der US-Armee in dem Land, der läuft seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten. Und Donald Trump, der hatte im Wahlkampf angekündigt, dass er dieses Engagement ein für alle Mal beenden wolle, weil es eine Verschwendung von Ressourcen sei. Auch von dieser Ankündigung hat er sich aber offenbar jetzt verabschiedet. Stattdessen will er, dass die USA am Hindukusch weitermachen mit dem Kampf gegen den Terror. Er will dieses Engagement sogar ausweiten.

Wir wollen das besprechen mit Jackson Janes. Er ist Politikwissenschaftler an der Johns Hopkins University und natürlich ein Kenner des Washingtoner Politikbetriebs und auch der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Schönen guten Morgen nach Washington.

Jackson Janes: Guten Morgen!

Kein gravierender Unterschied zur Strategie der Amtsvorgänger

Armbrüster: Herr Janes, wen haben wir da erlebt bei dieser Rede? War das ein aufgeregter, provokanter Donald Trump, so wie wir ihn kennen, oder eher ein wohl überlegter, rationaler US-Präsident?

Janes: Weder noch. Ich glaube, er ist ein Mann, der versucht, jetzt mal eine Kehrtwende zu machen, und zwar wir bleiben in Afghanistan, hat er mehr oder weniger gesagt, nachdem er vor Jahren schon gesagt hat, wir müssen von dort abziehen. Insofern war das eine prekäre Situation im Hinblick auf seine Basisgruppe, die ihn nach wie vor unterstützt, und jetzt ist die Frage, wie kann er was liefern. Er hat das natürlich umgedreht und sagte, es geht nicht nur um Afghanistan allein, sondern es geht um Terrorismus. Das ist der Hauptfeind und wir müssen hier uns einsetzen. Das war, glaube ich, dann vielleicht zu verkaufen, weil das ist ja bei uns auch ein Problem, der Terrorismus. Aber ich sehe keinen Unterschied wirklich gravierend zwischen dem, was bisher gelaufen ist, sei es unter Bush oder sei es unter Obama und jetzt unter Trump. Der Mann besitzt den Krieg jetzt.

Dem Rat der Generäle gefolgt

Armbrüster: Warum hat er sich denn von seinem ursprünglichen Kurs, von seinem Versprechen, das alles zu beenden, warum hat er sich davon verabschiedet?

Janes: Im Prinzip hat er drei, vier Generäle, die eigentlich ihm zugeredet haben, dass das nicht anders geht. Da sind einige Leute, die bisher gewirkt haben in die andere Richtung, etwa Steve Bannon, der jetzt mal geschasst worden ist, aber die vier Generäle, die sind momentan federführend und er hat ihnen zugehört.

Armbrüster: Das heißt, der Abschied von Steve Bannon, der macht sich hier schon bemerkbar?

Janes: Ja, aber noch nicht ganz, weil wir wissen nicht genau, was er mit seiner neuen Stelle macht. Er hat schon heute Abend in einer Zeitung, seiner Zeitung "Breitbart" verkündet, dass der Präsident ein Flipflop gemacht hat. Insofern ist er schon auf Attacke aus und die Frage ist, wie geht man jetzt mit solcher nach außen wirkender Kritik von Steve Bannon um.

"Wir bauen keine Nation auf, wir killen Terroristen"

Armbrüster: Dann lassen Sie uns kurz auf das gucken, was da tatsächlich jetzt in Afghanistan passieren könnte. Er will keine genauen Zahlen darüber nennen, wie viele weitere Truppen und ob überhaupt er weitere Soldaten hinschickt. Er hält sich da eher bedeckt. Warum diese Vagheit, warum diese Ungenauigkeit?

Janes: Ja, weil er meint, dass der Fehler von Obama war, dass er ein bestimmtes Datum, eine feste Entscheidung publik gemacht hat und dass die Terroristen, die Taliban nur auf ihn warten mussten, bis sie dann einfach in der Lage sind, das Land wieder zu erobern. Das möchte er gerne behaupten, dass das bei ihm anders ist. Aber ohne zu wissen, was es tatsächlich konkret bedeutet, wissen wir nicht genau, was die Wirkung sein kann, ist das 3.000, ist das 4.000. Mein Gott, wir hatten 100.000 Soldaten in Afghanistan irgendwann, und das hat auch nicht die Kehrtwende gebracht. Insofern ich weiß nicht genau, was 4.000 zusätzliche Soldaten für einen Unterschied machen können.

Armbrüster: Es gab ja mal diese Doktrin, dass man eigentlich genaue Ziele benennen sollte. Vor allen Dingen wurde die von den USA immer vertreten. Genaue Ziele bei einem militärischen Einsatz, damit man weiß, wann man die erreicht hat und wann man wieder rausgehen kann. Gilt diese Doktrin nicht mehr?

Janes: Nein, eigentlich nicht, und die hat wirklich selten gegolten. Auf der einen Seite sagte er ausdrücklich heute Abend, wir bauen keine Nation auf, wir killen Terroristen, und das ist dann insofern auch ein Rückblick auf seine Versprechung vor der Wahl, dass er meinte, wir ziehen dann weg. Jetzt hat er das begründet auf der Tatsache, dass Terrorismus der Hauptfeind ist, aber das löst bei weitem nicht das Problem, wie Afghanistan geheilt werden kann, und das steht noch in den Sternen und ich glaube, das steht in den Sternen seit Jahrzehnten.

"Es geht nicht nur um Afghanistan, sondern es geht um die Region"

Armbrüster: Aber das heißt jetzt, dass auf den afghanischen Staat, auf die Gesellschaft dort eigentlich keine besondere Rücksicht mehr genommen wird. Was bedeutet das tatsächlich dann für die Menschen dort?

Janes: Nicht unbedingt das ist, glaube ich, gemeint. Er meinte, er braucht eigentlich eine Bestätigung, eine gewisse Versicherung, dass die Regierung sich reformiert, dass die von sich aus innerhalb Afghanistans einfach die Initiative ergreifen, um das Burden Sharing zu erreichen. Das sind natürlich etwas fromme Wünsche, aber ich glaube, er hat darauf gesetzt, wir brauchen diplomatische Wege mit den ganzen Regionen. Er hat ausdrücklich Pakistan angegriffen, ziemlich harsch, und Indien eingeladen, mitzuwirken. Insofern: Er hat das Bild jetzt ausgeweitet. Es geht nicht nur um Afghanistan, sondern es geht um die Region. Aber wie man eigentlich in Afghanistan auf diese Rede reagiert, abgesehen von den Taliban, möchte ich hören.

"Er wäre gut beraten, mit den Alliierten zu reden"

Armbrüster: Dann blicken wir mal ein bisschen weiter westlich. Was heißt das denn für die Verbündeten der USA, vor allen Dingen für Deutschland? Was können die nach dieser Rede erwarten?

Janes: Er hat euch eigentlich indirekt erwähnt heute Abend, ihr braucht da mehr zu tun, und die Frage ist, inwieweit das passt in ein Bild, das noch nicht ausgemalt worden ist. Er hat ja betont, man müsste eigentlich mehr Geld von den Alliierten erwarten, und die machen das. Ich meine, das ist nach wie vor etwas ein Wirrwarr, wie die NATO funktioniert. Aber ich glaube schon, dass in diesem Bereich von [unverständliches Wort, Anm. d. Red.], wo man sagt, es geht nicht nur um Afghanistan, wir müssen mit Pakistan reden, wir müssen mit Iran reden, wir müssen mit Russland reden, Indien, das ist natürlich auch ein großer Wurf, und insofern wäre es ihm gut beraten, mit den Alliierten zu reden, wie man das anpackt. Das ist keine einfache Angelegenheit hier.

Armbrüster: Jackson Janes war das, der Politikwissenschaftler an der Johns Hopkins University in Washington. Vielen Dank, Herr Janes, für Ihre Zeit an diesem Dienstagmorgen beziehungsweise Montagabend amerikanische Zeit. Danke schön!

Janes: Gerne geschehen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

 

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