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StartseiteHintergrundFiliale ade08.01.2018

Zukunft von SparkassenFiliale ade

In Zeiten des Onlinebankings rechnet sich ein Netz mit zigtausend Bank-Filialen immer weniger. Regionale Geldhäuser reagieren deshalb - mit Filialschließungen, Fusionen und dem Ausbau der digitalen Angebote. Doch damit riskieren Sparkassen und Volksbanken ihr Alleinstellungsmerkmal: die Nähe zu den Kunden.

Von Arne Schulz

Das Logo der Sparkasse kennt fast jeder, und auch die Farbe? (dpa / Wolfram Steinberg)
Das Logo der Sparkasse kennt fast jeder - noch. (dpa / Wolfram Steinberg)
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Ein kleiner Ort im Norden Deutschlands: Kinder jagen ausgelassen über den Schulhof, bewerfen sich mit Schneebällen. Ein paar Meter weiter steht die Kirche, dahinter – an der Hauptstraße – ein rotes Backsteinhaus mit Giebeldach: die örtliche Sparkassenfiliale. Für die Menschen hier in Wewelsfleth gehört die Filiale unverrückbar zu ihrem Dorf, so wie die Werft, der Sportplatz oder der kleine Supermarkt. Und doch bleiben seit dem Jahreswechsel die Türen der Sparkasse geschlossen. Die Bürger sind empört.                      

"Wir waren alle dagegen. Es ist unmöglich. Es ist unmöglich, dass sie in diesem Ort die Bank zumachen. Wir haben ein neues Baugebiet jetzt erschlossen."

"Die machen wir mal alle platt hier, die interessieren uns nicht mehr. Das ist ja so, weil wenn sie, wenn man Interesse an uns hätte, dann hätte man ja vielleicht sich das nicht ganz so einfach gemacht." 

"Ich finde das nicht in Ordnung, nein. Man kann ja nichts machen. Die haben ja hier das Sagen."          

Das Dorf kämpfte um den Erhalt

Die", das ist die Sparkasse Westholstein. Sie hat insgesamt rund die Hälfte ihrer 32 Geschäftsstellen geschlossen. An manchen Standorten hat sie Selbstbedienungsautomaten aufgestellt, andere – wie die Filiale in Wewelsfleth – hat sie ganz aufgeben. Zurück bleiben enttäuschte Dorfbewohner:

"Ich wünsche der Sparkasse, der das gehört hier, dass sie das nachher für ein Ei und ein Butterbrot verkaufen müssen. Wir sind alle so sauer hier in Wewelsfleth, das glauben sie nicht. Da können sie reden, mit wem sie wollen."  

"Also ich weiß von einigen die schon gewechselt haben, eine andere Bank sich gesucht haben." 

"Wir haben unterschrieben, das ganze Dorf, die ganze Gemeinde hat darum gekämpft, aber es wird nichts. Die bleiben stur." 

Dass eine Sparkasse gleich die Hälfte ihrer Filialen schließt oder in SB-Standorte umwandelt, ist außergewöhnlich. Ein Einzelfall ist die Sparkasse Westholstein aber nicht – im Gegenteil. In nur zehn Jahren ist die Zahl der Sparkassen-Geschäftsstellen in Deutschland um fast ein Viertel geschrumpft – SB-Filialen nicht mitgerechnet. Es geht um mehr als 3000 Standorte. Experten sind sich sicher:

"Die Situation wird sich, gerade was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anbelangt, verschärfen. Das heißt also die Notwendigkeit, zum Beispiel Filialen zu schließen, wird sicherlich noch deutlich zunehmen",  sagt Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management.

Besonderer Anspruch an Sparkassen

Natürlich ist das kein reines Sparkassen-Phänomen. Privatbanken haben sich meist schon vor Jahren aus den Regionen zurückgezogen. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken schließen Filialen. Aber die Sparkassen stehen unter besonderer Beobachtung, weiß auch Alexander von Schmettow, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes:

"Das öffentliche Interesse an den Sparkassen ist sehr groß und der Anspruch der Bevölkerung an die Sparkassen ist auch sehr groß. Das ist aber nach meinem Dafürhalten völlig in Ordnung. Wir sind ein öffentlich-rechtliches Institut. Die Träger sind die Landkreise und Städte und Gemeinden. Das heißt, es gibt auch ein öffentliches Interesse daran, zu wissen, was die Sparkassen tun."

Denn: Bis auf wenige Ausnahmen haben die fast 400 regionalen Geldhäuser einen öffentlichen Auftrag. Sie sollen die Bevölkerung, die regionale Wirtschaft und die Kommunen in ihrem Gebiet mit Bargeld und Krediten versorgen. Die Schließung Tausender Filialen scheint dazu im Widerspruch zu stehen. Doch von Schmettow behauptet:

"In der Regel finden diese Umbaumaßnahmen vor Ort im Einvernehmen mit dem Träger statt. Und es wird auch versucht, Verständnis dafür zu erzeugen – das trifft mal mehr, mal weniger auf fruchtbaren Boden – warum eine Sparkasse überhaupt gezwungen dazu ist, diese Maßnahme zu ergreifen."

Wie groß das Verständnis tatsächlich ist, lässt sich schwer einschätzen, weil die Sparkassen-Welt so zersplittert ist. Allerdings gibt es zahlreiche Artikel in Lokalzeitungen, die von Protesten gegen Filialschließungen berichten: Baltrum, Goldkronach, Walsum, Rötha, Brauheck… die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Warum nehmen die Sparkassen den Ärger ihrer Kunden in Kauf? Der Sparkassenkenner Martin Faust sagt, zunächst einmal müsse man Folgendes verstehen:

"Als Sparkasse habe ich natürlich einen Wettbewerbsvorteil, das ist die Nähe zum Kunden. Auf der anderen Seite ist aber auch gerade das ein sehr großer Kostennachteil."     

Klassische Filiale nicht mehr so frequentiert

Denn Tausende Sparkassengebäude in Deutschland und insgesamt mehr als 200.000 Mitarbeiter verschlingen Milliarden. Gleichzeitig wird in den Filialen deutlich weniger als früher verdient, weil die Kunden immer mehr Bankgeschäfte im Internet erledigen. Einige Geschäftsstellen bringen den Sparkassen inzwischen sogar Verluste ein.

"Wir haben in den letzten Jahren eine deutliche Veränderung des Kundenverhaltens gesehen. Viele Kunden besuchen nur einmal im Jahr vielleicht ihre Bankfiliale. Das heißt also, die klassische Filiale wird jetzt nicht völlig aussterben, aber wir werden sie nicht mehr in jedem kleinen Ortsteil oder in jedem Dorf weiter benötigen."

Eine SMS, in der eine sogenannte «mobileTAN» zur Verifikation von Banküberweisungen angezeigt wird steht am 12.06.2017 in Berlin auf dem Display eines Handys. (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)Mobile TAN - Online-Banking (dpa-Bildfunk / Lino Mirgeler)

Doch die Digitalisierung ist nicht die einzige Herausforderung. Eine sehr große Belastung ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Seit bald zwei Jahren leiht die EZB den Banken das Geld sogar zum Nulltarif. Die Sparkassen würden nur langsam auf diese Entwicklung reagieren, analysiert Martin Faust:

"Sie haben immer gehofft, dass zum Beispiel die Zinspolitik der EZB sich wieder ändern würde oder auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich weiter verbessern würden. Das war aber sehr trügerisch."

Auf den ersten Blick scheint die Niedrigzinspolitik sogar positive Folgen für die Sparkassen zu haben. Schließlich läuft das Kreditgeschäft gut: Privatkunden kaufen Immobilien, Firmenkunden leihen sich Geld, um ihre Betriebe auszubauen. Das ist allerdings nur eine Seite. Denn die Sparkassen haben noch ein zweites wichtiges Standbein: Sie versuchen, die Ersparnisse ihrer Kunden gewinnbringend anzulegen. Und das läuft immer schlechter. Im Grunde hätten die Sparkassen ein ähnliches Problem wie ihre Kunden, erklärt der Unternehmensberater Bernd Nolte:

"Jeder Sparer, der sein Geld in Wertpapieren anlegt, der wird feststellen, wenn heute eine zehn-jährige Anleihe fällig wird, dann legt er zu einem deutlich niedrigeren Zinssatz das Geld wieder an als früher."    

Fluch und Segen der Niedrigzinspolitik

Zumindest, wenn der Sparer kein hohes Risiko eingehen und an den Aktienmärkten spekulieren will. Auch die Sparkassen sind keine Spekulanten. Und das wird für sie immer mehr zum Problem.

"Das heißt, das zweite Standbein vieler Sparkassen, die Eigenanlagen, werden jetzt in den nächsten Jahren deutlich weniger Erträge bringen wie in der Vergangenheit."

Der Professor und Unternehmensberater aus Stuttgart hat schon viele regionale Sparkassen bei Fusionen oder Filialschließungen beraten. Er sagt, die Herausforderungen seien besonders für kleine Sparkassen kaum noch zu bewältigen.

"Also für eine kleine Sparkasse, ne Ortssparkasse ist es unter einer Milliarde Bilanzsumme fast nicht mehr möglich, das wirtschaftlich darzustellen, denn die Sparkassen müssen ja auch in dieser schwierigen Lage in moderne Infrastruktur und die Digitalisierung investieren." 

Wenn das stimmt, ist jede vierte Sparkasse in Deutschland gefährdet. Die regionalen Geldhäuser müssen also handeln, um nicht in eine tiefe Krise zu rutschen. Und sie handeln: Mit Filialschließungen und Fusionen senken sie die Kosten. Außerdem kämpfen sie auf politischer Ebene um Entlastung. Ein gutes Beispiel dafür sind die Meldepflichten durch die europäischen Aufsichtsbehörden. Immer enger haben die Behörden die Banken in den vergangenen Jahren an die Leine genommen – als Antwort auf die Finanzkrise. Alle Geldhäuser müssen jetzt mehr Eigenkapital haben. Sie müssen neue Gesetze zum Schutz der Kunden beachten. Und:

"Die Aufsichtsbehörden wollen viel stärker informiert werden über das Geschäft der einzelnen Banken und auch über die Risiken, die dieses Geschäft mit sich bringt. Das heißt also, die Banken müssen monatlich bestimmte Kennzahlen berichten, sie müssen aber auch Details berichten zu ihrem Geschäft. Das Ganze bindet sehr viel einmal personelle Kapazitäten, aber es kostet auch sehr viel im Bereich der IT", erklärt Bankenprofessor Martin Faust. Auch kleine Sparkassen müssen zunehmend Spezialisten anstellen, die sich mit Regulierungsfragen auskennen. 

Unterstützung durch Bundesregierung und -bank

"Und es kann einfach nicht sein, dass eine Sparkasse mit 46 Mitarbeitern den gleichen Belastungen ausgesetzt ist, wie eine mit 15.000 Mitarbeitern. Hier muss es einen Mittelweg, hier muss es einen Kompromiss geben und das haben wir ja Gott sei Dank meistens in letzter Sekunde, aber doch immer wieder erreichen können", sagt Alexander von Schmettow vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Die Lobby-Organisation der Sparkassen kann sich dabei auf die Unterstützung der Bundesregierung und der Bundesbank verlassen. Martin Faust:

"Es sieht so aus, als würde diese Initiative tatsächlich fruchten. Das heißt nicht nur die Bundesbank, auch die europäische Zentralbank, die Bankenaufsicht haben signalisiert, dass sie dem zustimmen könnten. Kleinere Institute würde von diesen Meldepflichten entsprechend entlastet."     

Es gibt gute Gründe dafür, dass die deutsche Politik sich für die Sparkassen einsetzt. Schließlich haben sie eine öffentliche Aufgabe. Doch Kritiker meinen, dass die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser dieser Aufgabe nicht mehr ausreichend nachkommen.

Delf Boltens Büro liegt im Obergeschoss einer Mehrzweckhalle. Durch das Fenster blickt man auf ein Fußballfeld, am Horizont drehen sich Windräder. Seit viereinhalb Jahren ist Bolten ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wewelsfleth.

"In dieser wunderschönen Gemeinde, die ja bisher noch alles hatte, was man sich vorstellen kann. Also, mit Sparkasse, Schuster, Einkaufsmöglichkeiten, Friseur - alles ist am Ort und das macht mich natürlich sehr stolz oder hat uns sehr stolz gemacht immer. Und jetzt kommt eben der Einschnitt mit der Sparkasse, dass die uns hier nicht mehr bedienen will." 

Besonders hart für ältere Menschen

Der ehrenamtliche Bürgermeister mit CDU-Parteibuch fühlt sich von seiner Sparkasse im Stich gelassen. Gerade die älteren Einwohner treffe die Filialschließung hart.

"Es sind ja auch einige Menschen hier im Ort, die nicht mehr so mobil sind. Heißt: die sind mit ihrem Rollator zur Sparkasse gelaufen und haben sich da Informationen geholt oder auch Bargeld geholt. Und das fällt jetzt weg."

Der Rollstuhlfahrer Markus Köpf hebt am 29.12.2017 in einer Filiale der Kreissparkasse Ludwigsburg in Asperg (Baden-Württemberg) Geld an einem Geldautomaten ab.  (dpa / picture alliance / Marijan Murat)Gerade ältere Menschen trifft die Filialschließungen. (dpa / picture alliance / Marijan Murat)
Delf Bolten hätte bei der Entscheidung gerne ein Wörtchen mitgesprochen. Doch sein Protest habe die Sparkasse Westholstein kaum interessiert: 

"Und das hat bei uns natürlich noch mehr Frust hervorgerufen. Sodass sich dann praktisch zehn Bürgermeister zusammengeschlossen haben und dem Herrn Dr. Mecklenburg das Mandat erteilt haben, uns zu vertreten."

Doch der Anwalt scheiterte. Die Sparkasse muss die Schließungen laut ihrer Satzung nur vom Verwaltungsrat absegnen lassen – die betroffenen Bürgermeister haben kein direktes Mitspracherecht. Und auch die Wewelsflether Bürger, die Unterschriften sammelten und vor der Filiale protestierten, konnten die Entscheidung nicht beeinflussen. 

Dabei habe er sogar ein gewisses Verständnis für die Lage der Sparkasse, sagt der frühere Versicherungskaufmann und heutige Bürgermeister Delf Bolten. Nicht verstehen könne er allerdings, warum die Sparkasse nun nicht wenigstens einen Selbstbedienungs-Automaten in der Gemeinde aufstellt:

"Und auch die Gemeinden, die nicht betroffen waren, die haben auch gesagt: Nein, so kann man nicht mit uns umgehen, immer vor dem Hintergrund, dass wir die Gewährsträger sind. Deshalb waren auch alle und wir auch total enttäuscht, dass man uns einfach so vor vollendete Tatsachen gestellt hat."      

Die Sparkasse, findet der Bürgermeister, vernachlässige ihren Versorgungsauftrag.  Achim Thöle, der Vorstandschef der Sparkasse Westholstein, widerspricht dem energisch.

"Wir sind doch gar nicht weg. Wir sind doch da, jeden Tag. Die Mitarbeiter, die Kunden beraten, die werden ja nicht weniger. Wir haben sie nur auf andere Standorte zusammengezogen, die wir jetzt zu Kompetenz-Centern ausgebaut haben. Aber wir betreuen unsere Kunden genauso wie vorher."

Vor der Entscheidung seien alle Filialen nach denselben Kriterien überprüft worden. Dabei habe die Sparkasse auch soziale Aspekte berücksichtigt, so Thöle:

"Wie die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr ist. Denn wir haben dabei auch daran gedacht, dass ein Kunde, wenn er kein eigenes Auto hat, mit öffentlichen Verkehrsmitteln die nächstgelegene Filiale unter zumutbaren Umständen erreichen kann, also auch zeitlich."

Der Sparkassen-Chef sagt, er könne die Kritik ja verstehen. Nur lasse sich der Konflikt mit den Bürgermeistern nicht auflösen. Die Interessen der Sparkassen, der Mitarbeiter, der Kunden und der Bürgermeister seien nur bedingt miteinander vereinbar:

"Und aufgrund dieser Vielzahl der unterschiedlichen und divergierenden Interessenlagen ist es schwierig, da es jedem recht zu machen. Das ist die Krux, die wir da haben."

Am Ende hat die Sparkasse Westholstein, wie viele andere zuvor, eine betriebswirtschaftliche Entscheidung getroffen. Durch die Filialschließungen spart sie sehr viel Geld:

"In Summe sind das Beträge pro Jahr von deutlich über einer Million."

Mehr als eine Million Euro pro Jahr, die die Sparkasse zum Beispiel in ihre digitale Zukunft investieren kann.

Arbeit an der digitalen Zukunft

Wie diese Zukunft aussehen könnte, damit beschäftigt sich das Sparkassen Innovation Hub in Hamburg. Ein moderner Ort mit bunten Lampen, karierten Teppichen und verspielten Möbeln.

Bernd Wittkamp steht in ausgebeultem Pullover und Turnschuhen vor dem Kaffeeautomaten:

"Ein weiteres Klischee, was wir hier auch bedienen können, ist der Kaffeekonsum. Wir schieben hier aber bei 25 Leuten 200 Tassen am Tag durch."

Den S-Hub führt Bernd Wittkamp seit der Gründung vor einem Jahr wie ein Startup, mit flachen Hierarchien und lockerem Umgangston. Am Anfang stand eine einfache, aber folgenreiche Erkenntnis, erzählt der Geschäftsführer:

"Dass wir festgestellt haben, dass es da draußen Menschen und Unternehmen gibt, sogenannte Fintechs, die wir als wertvolle Kooperationspartner für uns sehen, um den Sparkassenkunden bessere, intelligentere Produkte in Kooperation anbieten zu können."

Der S-Hub ist also in erster Linie eine Anlaufstelle für Finanz-Startups, die mit der Sparkasse kooperieren wollen. Hat eine Idee Potenzial, entwickelt der S-Hub die Idee zusammen mit dem Fintech weiter und versucht sie möglichst gut an die Bedürfnisse der Sparkassen-Kunden anzupassen. Beispiel: Aboalarm.

"Aboalarm ist ein Produkt, wo der Kunde es diesem Dienst erlaubt, einmal über seine Umsätze drüber zu gucken und Aboalarm feststellt, was für Abbuchungen von dem Konto regelmäßig stattfinden."

Ein Kontoauszug - nicht für jeden selbstverständlich (imago stock & people)Die Banken müssen mit neuen Angeboten punkten. (imago stock & people)

Das können Versicherungen sein oder Verträge mit dem Fitnessstudio. Jeder regelmäßige Umsatz wird von dem Dienst aufgelistet:

"Der Kunde kann dann auf diesen Umsatz tippen und sagen: "Ich möchte Aboalarm die Erlaubnis erteilen, dass es in meinem Namen diesen Dienst kündigt."   

Bald soll Aboalarm den Sparkassenkunden im Internet und in der App zur Verfügung stehen. Das Fintech erhielte dann für seine Dienste eine Gebühr von den Kunden – die Sparkassen könnten womöglich mehr Finanzprodukte verkaufen:

"Der Kunde hätte dann beispielsweise übers Jahr gerechnet 360 Euro, die er sparen könnte. Und die er vielleicht dann auch in eine Altersvorsorge oder dergleichen investieren möchte."

Digitale Ideen für das Bankgeschäft der Zukunft – daran arbeiten heute viele Mitarbeiter in der Sparkassen-Organisation.  Es gibt zum Beispiel eine Firma, die sich zentral um die IT kümmert. Eine andere entwickelt Standards und Software für die aufwendigen Berichte an die Aufsichtsbehörden. Dabei betont Alexander von Schmettow vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband:

"Wir machen Digitalisierung ja nicht als Selbstzweck, weil wir allen Kunden beweisen wollen, was technisch alles möglich ist, sondern wir bieten das an, was die Kunden verlangen. Und wenn die Kunden eines Tages verlangen sollten, dass sie jetzt gar nicht mehr in die Filiale wollen, sondern sie wollen alles nur noch mit dem Smartphone erledigen, dann werden wir das eben auch anbieten müssen."

Die Erneuerung der Sparkassen ist notwendig, da sind sich Experten einig. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass vor allem ältere Kunden auf der Strecke bleiben, findet der Unternehmensberater Bernd Nolte. Wenn er Sparkassen bei Filialschließungen berate, gehe es immer auch um mögliche Alternativen für die betroffenen Kunden:

"Wir haben in einer Region zum Beispiel ein Modell implementiert mit Gutscheinen. Das heißt die älteren Menschen können einen Fahrtgutschein bei ihrem Nachbarn, der ein Auto hat, abgeben, der sie mitnimmt bei seiner nächsten Berufsfahrt in die nächste Kreisstadt oder einer Einkaufsfahrt. Und Sie geben dann als Senior ihren Gutschein ab bei der betreffenden Person und der kann die bei der Sparkasse gegen Bares oder bei der Tankstelle gegen Sprit einlösen."

Der Sparkassenbuss der Mittelbrandenburgischen Sparkasse steht am 06.07.2017 in der Dorfstraße in Bornsdorf (Brandenburg). Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB | Verwendung weltweit (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)Ein Sparkassenbus in einem brandenburgischen Dorf: Vielen Dörfern brechen die Infrastrukturen weg - Banken und Ärzte bieten nur noch mobilen Service an. (picture alliance/dpa/Patrick Pleul)
Oder die Sparkasse schickt regelmäßig den "Zasterlaster" vorbei: mit einem Mitarbeiter, der Bargeld ausgibt, Sparbücher umträgt und Fragen beantwortet, um klar zu machen: "Wir sind weiter für euch da".

Auch in Wewelsfleth im hohen Norden haben sich schließlich Alternativen aufgetan. Die Sparkasse Westholstein hat Online-Banking-Schulungen angeboten. Sie verschickt Bargeld per Post, allerdings nur gegen Gebühr. Und seit kurzem gibt es im Dorfladen "Cash back". Die Kunden können an der Kasse Geld abheben.

"Leider müssen die Leute dann für 20 Euro einkaufen, Minimum 20 Euro. Ich hätte das gerne anders gehabt, für die Älteren einen geringeren Betrag, aber wegen Geldwäsche bekommen wir das nicht durch." 

Die Wewelsflether werden wohl noch eine Weile brauchen, um mit der Filialschließung ihren Frieden zu machen. Die Sparkassen wiederum werden den eingeschlagenen Weg weitergehen. Die große Herausforderung wird dabei sein:

"Einerseits wirtschaftlich und den modernen technologischen Gegebenheiten verpflichtend zu arbeiten. Andererseits im demografischen Wandel der treuen alten,älteren Kundschaft die Treue zu halten und sie vor Ort zu versorgen."
 
Die Sparkassen versichern, dass sie genau das tun – nur eben mit weniger Filialen als früher. An diesem Versprechen müssen sie sich messen lassen. Und an ihrem öffentlichen Auftrag.

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