Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 15:05 Uhr Rock et cetera
StartseiteKulturfragen "Der Zustand der deutschen Sprache ist hervorragend"03.10.2017

Zum Tag der deutschen Einheit "Der Zustand der deutschen Sprache ist hervorragend"

Die deutsche Sprache ist lebendig. Sie wandelt sich jeden Tag. Der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein empfindet die meisten Veränderungen als Bereicherung. Nur der sinnlose Gebrauch von Anglizismen ärgert ihn. Im Dlf fordert er außerdem Sprachunterricht für Migranten, der die Lernenden fit für den Alltag macht.

Wolfgang Klein im Gespräch mit Maja Ellmenreich

Gesehen im Februar 2017 in Aachen - eine Kreidetafel mit der Aufschrift "Alle Speisen auch zum to go" (imago/Rudolf Gigler)
Gesehen im Februar 2017 in Aachen - eine Kreidetafel mit der Aufschrift "Alle Speisen auch zum to go" (imago/Rudolf Gigler)
Mehr zum Thema

ZEIT-Forum Wissenschaft Sprache.Macht.Politik

Bericht zur deutschen Sprache "Wir schöpfen selber neue Wörter"

Ethnos und Demos Das Volk als homogene Einheit?

Internet-Kommunikation Dynamisches Forschungsfeld

Deutsch-Unterricht im Ausland Heike Uhlig: Den Beruf des Deutschlehrers attraktiv machen

Nach der Bundestagswahl "Der Konsens hat Deutschland Frieden beschert"

Ob Merkelraute oder Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän – die deutsche Sprache erlaubt, nach Lust, Laune und Bedarf neue Worte zu erfinden. Grenzenlos seien die Wortbildungsmöglichkeiten im Deutschen, erläutert der Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein diese Besonderheit. Im Deutschlandfunk attestiert er der deutschen Sprache einen hervorragenden Zustand. Das heiße aber nicht, so Klein, dass jeder den besten Gebrauch von ihr mache.

Warum "Headphones" statt "Kopfhörer"?

So regt den Vizepräsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zum Beispiel der unnötige Gebraucht von Anglizismen auf: "City Call" statt "Stadtgespräch" oder "Headphones" statt "Kopfhörer". Für Wolfgang Klein ergibt weder das eine noch das andere Sinn.

Und was hält er vom "Liken", "Chatten" und "Surfen"? Die digitalen Medien hätten neue Formen der Verständigung hervorgebracht, so Klein. Manches möge einem beklagenswert vorkommen, aber im Großen und Ganzen sieht Klein solche Veränderungen als Bereicherung der deutschen Sprache an. Außerdem sei es ja auch keinem verboten, weiterhin Briefe zu schreiben.

Praxisorientierter Sprachunterricht für Migranten

Lange Jahre hat sich Wolfgang Klein als Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nimwegen mit dem Spracherwerb beschäftigt. Der derzeitige Sprachunterricht für Migranten stellt für Klein ein ungeheures Problem dar. Er müsse sich deutlicher am Alltag der Zuwanderer orientieren, fordert Klein im Deutschlandfunk. Er plädiert für eine praxisbezogene Didaktik: Man müsse sich doch überlegen, was die Leute später mit ihrer Sprache anfangen sollen. Hochgestochene Briefe müsse wohl keiner formulieren können, vielmehr aber ein Formular ausfüllen.

Als internationale Sprache werde das Deutsche wohl an Bedeutung verlieren, vermutet Wolfgang Klein, - und zwar zugunsten des Englischen und Chinesischen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk