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StartseiteKultur heuteR.E.S.P.E.C.T. vor dieser Stimme16.08.2018

Zum Tod von Aretha Franklin R.E.S.P.E.C.T. vor dieser Stimme

Sie war die Stimme der Schwarzen in den USA und die Stimme der Frauenbewegung: Aretha Franklin. Auch bei der Amtseinführung des ersten afroamerikanischen US-Präsidenten sang sie. Nun ist die Soul-Diva, die sich früh entschied, Songs mit Botschaft zu singen, mit 76 Jahren gestorben. Doch ihr Erbe wird überdauern.

Von Klaus Walter

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Aretha Franklin (AFP)
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"I never loved a man (The way I love you)", aufgenommen 1967, Aretha Franklin ist 24, und damit beginnt ihre Popkarriere.

Mit dem Singen fängt die kleine Aretha allerdings schon viel früher an. Geboren wird sie am 25. März 1942 in Memphis/Tennessee, aber schon mit vier Jahren zieht die Familie in den Norden, Arethas Vater C.L. Franklin wird Pfarrer in einer Baptistenkirche in Detroit. Dort kommen regelmäßig bekannte Gospelsängerinnen vorbei, darunter auch Mahalia Jackson - genau die richtige Schule für Aretha. Mit 18 Jahren veröffentlicht sie ihre erste Single, die Plattenfirma will sie zu einer neuen Billie Holiday aufbauen, also muss sie Jazz-Nummern singen. Der Erfolg hält sich in Grenzen.

Das ändert sich, als Aretha Franklin selbst die Regie übernimmt. "I never loved a man (The way I love you)" offenbart ihre wirklichen Stärken, vor allem die Prägung durch den Gospel. Damit landet sie ihren ersten Top-Ten-Hit.

Verankert im kollektiven Gedächtnis der USA

"Respect" fordert Otis Redding 1965. Auf den ersten Blick nicht mehr als das Lied eines gekränkten Mannes, der von seiner Frau etwas mehr Respekt verlangt. Aber, wie so oft im Pop: eine Zeile, ein Refrain oder auch nur ein Songtitel verselbständigt sich und bekommt Flügel. "This last song is a song, that a girl took away from me, a good friend of mine, this girl took this song but I´m gonna play it anyway", so kommentierte es Otis Redding beim Monterey Pop-Festival 1967. Ein Mädchen habe ihm diesen Song weggenommen, eine gute Freundin, sagt er - und lacht.

Zwei Jahre nach Otis Redding macht sich Aretha Franklin das Lied zu eigen. Die einfache Idee mit dem Buchstabieren erweist sich als genial. Das R.E.S.P.E.C.T. verleiht dem Wunsch, respektiert zu werden, Nachdruck - und ist seither verankert im kollektiven Gedächtnis der USA. Sogar beim Präsidenten, auch wenn der beim Buchstabieren ein bisschen aus dem Takt kommt. "Aretha hat uns beigebracht, was Respekt bedeutet", sagt Barack Obama. Auch deswegen singt Franklin bei der Amtseinführung des ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA.

Eine doppelte Hymne

"Respect" geht 1967 an die Spitze der Charts und wird einer der größten Hits des Jahres, zudem gibt es zwei Grammys - weitere folgen. Sie ist die erste Frau in der Rock and Roll Hall of Fame. Aretha Franklin, eine Künstlerin der Aneignung.

Aretha Franklin: "Manchmal hört man einen tollen Song und man denkt: 'Wow, den hätte ich auch gern als erste gesungen.' Aber nach einer Weile darf man so einen Song neu aufnehmen, die sind ja kein Privateigentum."

Mit ihrer feministisch aufgeladenen Version macht Aretha Franklin "Respect" zu einer doppelten Hymne: eine der Bürgerrechtsbewegung und eine der Frauenbewegung. Und zu einem der wirkmächtigsten Songs der Pop-Geschichte. Fortan trägt Aretha Franklin den Ehrentitel: Queen of Soul. Und es folgen unzählige Hits.

"Aretha Franklin steht für eine kulturelle Wende: Das, was zuvor einzig das Black America gehört hat, wird plötzlich bedeutsamer und permanenter Teil der populären Playlists. Arethas Musik ist nicht mehr bloß Black Music, sondern wird zur Musik aller", so die Pop-Kritikerin Vea Kaiser.

Fans in unterschiedlichen Generationen

"I say a little prayer", 1968, da kommen die großen Leitmotive ihrer Musik zusammen - der Glaube und die Liebe, im gesungenen Gebet für die geliebte Person. Ab Mitte der Siebziger wird es ruhiger um Aretha Franklin, ihren letzten großen Hit hat sie mit einem weißen Engländer.

"I knew you were waiting", Aretha Franklin mit George Michael 1986. Ihr letzter ganz großer Auftritt. Und 2015, bei einer Gala für die große Singer-Songwriterin Carole King singt sie ein Lied ihrer Kollegin, das sie selbst 1968 groß gemacht hatte: "(You make me feel like) A natural woman". Im Publikum rastet Carole King aus vor Begeisterung, Michelle und Barack Obama wischen sich ein paar Tränen aus den Augen. Jetzt ist die Königin des Soul gestorben und zu ihrer Beerdigung werden bestimmt auch die Obamas kommen.

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