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StartseiteCorso"Mein Leben war Fasching"12.02.2020

Zum Tod von Joseph Vilsmaier"Mein Leben war Fasching"

Der deutsche Regisseur Joseph Vilsmaier ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Mit Filmen wie "Stalingrad" oder "Comedian Harmonists" hatte er in den 1990er Jahren große Erfolge. Sein letzter Film „Der Boandlkramer und die ewige Liebe“ mit Bully Herbig soll im November ins Kino kommen.

Von Markus Aicher

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"Dass ich da alleine einen Film stemme, das hat mir keiner zugetraut": Regisseur und Kameramann Joseph Vilsmaier (www.imago-images.de)
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Der gebürtige Münchner, Josef Vilsmaier, war eigentlich der Musik getan, spielte in einer Jazz-Band und studierte am Konservatorium München Musik mit Schwerpunkt Klavier, machte dann aber eine Ausbildung bei der Münchner Kamerafirma ARRI, der er Zeit seines Lebens verbunden blieb – wie auch später der Hochschule für Fernsehen und Film HFF. Nach ersten Jobs als Techniker und Assistent stieg er in den 60er-Jahren ins Fernseh- und Filmgeschäft ein und machte sich rasch als versierter Kameramann bei der Bavaria in Geiselgasteig einen Namen. Es folgten viele TV-Serien wie "Auf Achse" mit Manfred Krug oder eine Reihe von "Tatort"-Folgen – aber auch die 13-teilige, gefeierte Fernsehreihe "Rote Erde" von Klaus Emmerich.

Vom Kameramann zum Regisseur

Spät - erst 1988 - erfolgte dann der mutige Schritt zum eigenständigen Filmregisseur, sein Regiedebüt, der Heimatfilm "Herbstmilch", nach den Erinnerungen der Bäuerin Anna Wimschneider - in dem seine damalige, früh verstorbene Ehefrau Dana Vávrová die Hauptrolle spielte - war anfangs nicht einfach zu stemmen. Die Geldgeber waren skeptisch. Ein Heimatfilm und dann auch noch ein Regie-Erstling?

Joseph Vilsmaier: "Das wird sowieso nichts. Das trauen wir dem nicht zu, und, und, und. Dass ich da alleine einen Film stemme, das hat mir keiner zugetraut."

"Herbstmilch" jedoch wurde ein großer Erfolg beim Publikum, gefolgt von dem Nachkriegsepos "Rama Dama" und der auch kontrovers diskutierten Großproduktion "Stalingrad", die die Schlacht um Stalingrad Ende 1942 aus der Sicht eines deutschen Sturmtruppbataillons zeigt. Alles Stoffe, zu denen Joseph Vilsmaier seinen eigenen, biographischen Zugang hatte:

"Bei 'Herbstmilch' war es meine Kindheit. Also weil ich da aufgewachsen bin, im Rottal. Hab die Leute gekannt, das war meine Kindheit. 'Rama Dama' war auch meine Kindheit. Das war die Kriegszeit. Da war meine Erinnerung an den Krieg. Dann 'Stalingrad' ... drei meiner Brüder sind in Stalingrad gefallen. Also das waren alles Bezugspunkte gewesen von mir, warum ich die Filme mache."

Bayrischer Kultstoff

1995 erfolgte dann der Schritt auf ein anderes Terrain: In Gaschurn, Tirol und Voralberg verfilmte Vilsmaier mit seiner eigenen Produktionsfirma Perathon die literarische Vorlage "Schlafes Bruder" von Robert Schneider mit André Eisermann, Dana Vávrová und Ben Becker. 1997 feierte Vilsmeier mit "Comedian Harmonists", der Geschichte der gleichnamigen Gesangstruppe, einen seiner größten Erfolge - über drei Millionen Zuschauer und mehrfache Auszeichnungen. Für nicht wenige der Darsteller wie Heino Ferch, Kai Wiesinger oder Ulrich Noethen war dieser Film ein Karriereschub.

In der Folge widmete sich der umtriebige Regisseur mit "Marlene", der Lebensgeschichte von Marlene Dietrich; verfilmte den bayerischen Kultstoff "Brandner Kasper" oder in arbeitete 2010 mit "Nanga Parbat" in Nepal und im Himalaya das Bergsteigerdrama von Reinhold Messner und seinem Bruder auf. Wie hier - auch selbst im Hubschrauber hinter der Linse in 6000 Metern Höhe - war Vilsmeier für viele seiner bei der Film-Kritik nicht immer geliebten Regiearbeiten gleichzeitig auch als Kameramann verantwortlich.

Sechs Bayrische Filmpreise

Er wurde für seine Produktionen sechs Mal mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet, erhielt den Verdienstorden oder 2009 den Ehren-Kamerapreis für sein Lebenswerk. Er war auch eines der  Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie.

In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt der produzentischen Arbeit des lebensfrohen Bayern und überzeugten Familienmenschen und Vater von drei Töchtern wieder mehrheitlich auf heimatlichen Stoffen. Sei es dokumentarisch mit dem durch viele Luftaufnahmen gespeisten "Bavaria - eine Traumreise von oben" oder "Bayern sagenhaft". Zuletzt arbeitete Vilsmaier zusammen mit Bully Herbig, Hape Kerkeling und Marcus H. Rosenmüller an einer weiteren Verfilmung des bayerischen "Brandner"-Stoffes, der Film soll im November zu Allerheiligen in die Kinos kommen – sein vielsagender Titel: "Der Boandlkramer und die ewige Liebe".

"Ich hab' immer ein bißchen Glück gehabt, muss ich sagen. Also ich hab mein Leben sehr genossen. Also – toi, toi, toi – mein Leben war Fasching." (lacht)

2005 hat Joseph Vilsmaier im Dlf über seine Arbeit gesprochen - hören Sie hier das Corsogespräch

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