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Zum Tod von Siegfried LenzGeschichte geht in Geschichten auf

Sein Freund Helmut Schmidt fand die Bezeichnung Schriftsteller für Siegfried Lenz "reichlich farblos". Er habe zum "geistigen Neubau in Deutschland" beigetragen, sagte Schmidt einmal. Und so sind in seinem bekanntesten Werk, der "Deutschstunde" von 1968, die großen Themen versammelt: die deutsche Geschichte, die persönliche Schuld und die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen.

Von Michael Köhler | 07.10.2014

Siegfried Lenz sitzt auf einem Podium und erzählt.
Der Schriftsteller Siegfried Lenz bei einer Veranstaltung 2012 in Hamburg (dpa / Angelika Warmuth)
Marcel Reich-Ranicki:
"Das Leben hat dem Schriftsteller Lenz viel beschert und nichts erspart."
Willy Brandt:
"Ich bin gern gekommen und ohne Scheu. Der Umgang mit Schriftstellern schreckt mich nicht."
Helmut Schmidt:
"Lenz präsentiert ein Mosaik der Nation in unserer Epoche."
Siegfried Lenz:
"Ich glaube, dass es für die Überlieferung menschlicher Erfahrung keine geeignetere Form gibt als die Erzählung."
Sie waren Weggefährten und Freunde: Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt und – der Schriftsteller Siegfried Lenz.
Petra Roth:
"Siegfried Lenz ist es gelungen, unsere Vergangenheit und Gegenwart in den Horizont von Fragen nach der Freiheit, Schuld und Verantwortung menschlicher Existenz zu stellen. Sein Werk zeugt eindrucksvoll vom unermüdlichen Bemühen um die humane Verpflichtung der Kunst in unserer Zeit."
Die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth fasste in ihrer Begrüßungsrede zur Goethepreis-Verleihung an Siegfried Lenz im Jahr 1999 zusammen, was Lenz für die deutsche Nachkriegsliteratur und -kultur bedeutet. In seinem bekanntesten Werk, der "Deutschstunde" von 1968, sind die großen Themen versammelt: die deutsche Geschichte, die persönliche Schuld, die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen und die Künstlerexistenz.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (r) im Gespräch mit dem Schriftsteller Siegfried Lenz (l) am 25.02.1981.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (r) im Gespräch mit dem Schriftsteller Siegfried Lenz (l) am 25.02.1981. (dpa / picture alliance / Roland Witschel)
Reich-Ranicki:
"Für die 'Deutschstunde' gilt, was Lenz in einem Interview als das Ziel der Literatur bezeichnet hat. Sie sei, sagte er, ein Versuch, die Welt so zu entblößen, dass niemand sich unschuldig oder unbetroffen fühlen kann. Eine ganze Generation hat sich in diesem epischen Lehrstück über deutschen Geist und deutschen Ungeist widererkannt."
Im Roman "Deutschstunde" erhält der Künstler Max Ludwig Nansen 1943 Malverbot, ist aber weiterhin heimlich tätig und wird von seinem ehemaligen Freund, dem Dorfpolizisten Jens Ole Jepsen, gestellt. Noch vor der Veröffentlichung las Siegfried Lenz im Sommer 1968 im Deutschlandfunk aus diesem später verfilmten Werk.
Siegfried Lenz (Lesung DLF):
"Der Mann im roten Mantel", sagte der Maler, "weißt du, wann ich ihn gemacht hab? Im September 39." "Macht nix", sagte mein Vater, "ich muss Anzeige erstatten, diesmal." "Und du weißt, was du tust?", fragte der Maler. "Meine Pflicht!", sagte mein Vater. Und mehr braucht er nicht zu sagen, um Max Ludwig Nansen, der bisher sorglos und ziemlich gelassen mit seinem abendlichen Besucher gesprochen hatte, der vielleicht sogar erwogen hatte ihm einen Genever anzubieten, zu verändern. Der Maler nahm die Pfeife aus dem Mund. Er schloss die Augen. Er lehnte sich hochaufgerichtet an einen Schrank, gab sich keine Mühe, den Ausdruck von Erbitterung und Geringschätzung zu verbergen, der langsam auf seinem Gesicht entstand. "Gut", sagte er, "wenn du glaubst, dass man seine Pflicht tun muss, dann sage ich dir das Gegenteil. Man muss etwas tun, das gegen die Pflicht verstößt. Pflicht, das ist für mich blinde Anmaßung. Es ist unvermeidlich, dass man etwas tut, was sie nicht verlangt." "Was meinst du damit?", fragte mein Vater misstrauisch.
Hier klingen die großen Themen an, die Lenz nicht mehr losließen und die er nie in zu hohem Ton behandelte. Die Bedeutung der Geschichte und die Frage nach dem persönlichen Gewissen, die Selbstbefragung und das "In-Frage-stellen", die Suche nach humaner Lebensform. Der existenzialistische Ton ist nicht zu überhören. Michael Braun ist Professor für Germanistik und Leiter der Literaturprogramme der Konrad Adenauer Stiftung:
Michael Braun:
"Da ist was dran, dieser Nachkriegsrealismus. Die trockene Erzählweise, dieses norddeutsche protestantische Element, die sehr direkte Beschreibung von Landschaften und Stimmungen und die indirekte Beschreibung von menschlichen Verhaltensweisen: Das ist typisch für Siegfried Lenz´ Erzählungen."
Sein Freund Helmut Schmidt hat in ihm mehr entdeckt als einen Schriftsteller.
"Der Siegfried Lenz nennt sich selbst einen Schriftsteller. Aber mir kommt diese Berufsbezeichnung reichlich farblos vor, die kann alles bedeuten oder gar nichts. Für mich ist Lenz vor allem ein großartiger Geschichtenerzähler, hinter dem der Philosoph verborgen bleibt."
Auch die Kriegserfahrung prägte ihn
Siegfried Lenz hat die Entbehrungen und den Krieg kennengelernt. Er wurde am 17. März 1926 im ostpreußischen Lyck als Sohn eines Zollbeamten geboren, kam mit 13 Jahren in die Hitler-Jugend, dann zur Kriegsmarine, desertierte und geriet in britische Gefangenschaft. Nach dem Krieg fing er zunächst als Journalist an, bevor er sich ganz der Schriftstellerei zuwandte.
Helmut Schmidt:
"Immerhin hat dann der blutjunge Lenz schon bald nach Kriegsende mit dem Erzählen angefangen, und seither hat er nun beständig zum geistigen Neubau in Deutschland beigetragen."
In dieser Rolle ist er aber nur unzureichend gewürdigt worden. Der Germanist Michael Braun: "Siegfried Lenz ist bekannt als Autor, aber nicht so berühmt und auch nicht so beliebt in weiten Kreisen wie die Nobelpreisträger Böll und Günter Grass."
Der Schriftsteller Siegfried Lenz raucht am 08.02.2011 während eines Interviews in Hamburg seine Pfeife.
Der Schriftsteller Siegfried Lenz zählte zu den bedeutendsten Autoren der Nachkriegsliteratur. (pa/dpa/Bimmer)
Helmut Schmidt:
"Bei alledem ist dieser Autor ein Zeitkritiker, ein Schilderer Deutschlands in seiner Zerrissenheit, ein Schilderer Deutschlands auf dem Wege, sich selbst wiederzufinden."
Meist hat man den ruhigen, bedächtigen, leisen Pfeifenraucher Lenz vor Augen, der sich niemals laut oder rechthaberisch zeigte. Eine politische Seite hatte er aber auch. Helmut Schmidt beschrieb es einst so:
Helmut Schmidt:
"Siegfried Lenz hat ein herausragendes, ein deutliches, außerordentliches politisches Interesse immer gezeigt, ähnlich wie Böll, ähnlich wie Grass oder wie Max Frisch, oder wie Christa Wolf oder Stefan Heym. Ausgesprochen politisches Interesse und sein politisches Engagement, das schimmert an vielen Stellen durch."
Wichtiges Mitglied der Gruppe 47
Michael Braun:
"Siegfried Lenz hat aber nun doch Geschichte geschrieben: Einmal ein Stück Geistesgeschichte als durchaus gemäßigter Existenzialist mit gedrosseltem absurdem Prosatheater. Aber er hat vor allem Geschichte geschrieben als Mitglied der Gruppe 47. Das ist oft unterschätzt worden."
Es gab nach dem Krieg eine lose Schriftstellervereinigung, die Geschichte schrieb, die erwähnte Gruppe 47. In ihr wurden auch Kritiker wie Joachim Kaiser, Walter Jens, Fritz J. Raddatz und Marcel Reich-Ranicki berühmt. Von letzterem stammt auch das Bonmot, wenn man die Quersumme der Gruppe 47 berechnen würde, käme Siegfried Lenz heraus.
Marcel Reich-Ranicki:
"Lange ist es her, dass wir uns zum ersten Mal gesehen haben. Damals im Herbst 1957 war ich aus Warschau in die Bundesrepublik gekommen, auf der Suche nach neuer deutscher Literatur, die für die Übersetzung ins Polnische geeignet wäre."
Es ist kein Geheimnis: Die Verleihung des Goethepreises 1999 an Siegfried Lenz, ausgerechnet zum 250. Geburtstag des Dichters, geht auf das Konto von Marcel Reich-Ranicki. Er erinnerte sich an das Jahr 1957 und die Begegnung mit Lenz in Hamburg.
Reich-Ranicki:
"Wir trafen uns vor dem Gebäude des Norddeutschen Rundfunks in der Rothenbaumchaussee in Hamburg. Siegfried Lenz sollte mich interviewen. Das freute mich sehr, denn ich brauchte dringend Geld. Nur fragte ich mich, ob der junge Mann, der aussah wie ein etwas älterer Student, diesem Interview denn auch gewachsen sein werde. Er schaffte es, er schaffte es glänzend und sehr kollegial. Er sorgte dafür, dass unser Funkgespräch möglichst lang, und somit mein Honorar möglichst hoch werde. (Lachen)"
Ende der 50er war Lenz schon ein Autor von einiger Berühmtheit. In der Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 1988 resümiert er die Rolle als Autor skeptisch.
Siegfried Lenz:
"Als Schriftsteller habe ich erfahren, wie wenig Literatur vermag. Wie dürftig und unkalkulierbar ihre Wirkung war und immer noch ist. Niemals wurden kriegsentschlossene Mächtige zum Frieden hingeschrieben. Nein, es ist nicht weit her mit der greifbaren Wirkung von Literatur. Der Geschichtenerzähler von heute, der immer noch aus einer Art von Notwehr handelt, hat manche Gründe zur Mutlosigkeit, und er wird, seine enttäuschten Hoffnungen bilanzierend, zugeben, dass Literatur niemals Politik ersetzen kann."
Bis weit in die 80er-Jahre hinein stand die Literatur von Lenz oft in der Nachbarschaft zu Autoren wie Marion Gräfin Dönhoff oder Christian Graf von Krockow. Sie wurde unter Ostpreußen-, Pommern- und Masuren-Literatur, also Vertriebenen- und Heimatliteratur verbucht. Sein Erfolgsbuch "So zärtlich war Suleyken" hat dazu beigetragen. Der Germanist Michael Braun:
Michael Braun:
"Er ist, zumal in den Buchhandlungen, früher immer in diese Ecke ostpreußische Heimatliteratur gestellt worden. Da passt er natürlich thematisch hin – "So zärtlich war" usw. - aber, er hat der deutschen Literatur mehr Gutes getan als die Leser und zumal die Kritiker meist anzunehmen bereit waren."
Das erwähnte Buch "So zärtlich war Suleyken" von 1955 enthält heitere Kurzgeschichten, kleine Erkundungen der masurischen Seele. Ebenso skurrile wie liebenswürdige Gestalten einer vergangenen Heimat werden darin geschildert, zwischen den Orten Suleyken und Schissomir.
Der feine Unterschied zwischen Elfenbeinturm und Barrikade
Michael Braun:
"Lenz ist sicherlich kein restaurativer Heimatautor. Er ist natürlich, wenn sie das Thema Heimat ansprechen, ein politischer Autor. Und gerade das Engagement für die Sozialdemokratie spielt in seiner politischen Laufbahn eine große Rolle. Nur, er hat ein wichtiges Element, das Günter Grass nicht hat. Er ist nie so offensiv auf die politischen Barrikaden gegangen wie Grass, hat die Wahltrommel gerührt und hat politische Bekenntnisse mit ästhetischen Zeugnissen verwechselt. Siegfried Lenz hat immer sehr fein unterschieden zwischen Elfenbeinturm und Barrikade. So heißt auch ein Essay-Band von ihm."
Die Schriftsteller Günter Grass (links) und Siegfried Lenz sprechen im Vorfeld einer Ausstellungseröffnung von Werken des Literaturnobelpreiträgers in Hamburg.
Die Schriftsteller Günter Grass (links) und Siegfried Lenz sprechen im Vorfeld einer Ausstellungseröffnung von Werken des Literaturnobelpreiträgers in Hamburg. (AP)
1969 leitete die sozialliberale Koalition die Entspannungspolitik mit der Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten ein. Siegfried Lenz engagierte sich für die SPD und unterstützte ausdrücklich die Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt.
Willy Brandt:
"Großes Leid traf auch unser Volk, vor allem unsere ostdeutschen Landsleute. Wir müssen gerecht sein. Das schwerste Opfer haben jene gebracht, deren Väter, Söhne, oder Brüder ihr Leben verloren haben, aber nach ihnen hat am bittersten für den Krieg bezahlt, wer seine Heimat verlassen musste."
Lenz engagierte sich für die Ostpolitik von Willy Brandt
Bei einer der bedeutendsten Auslandsreisen von Bundeskanzler Willy Brandt, 1970 nach Polen, waren Günter Grass und Siegfried Lenz dabei. Sie stammen selber aus damals sogenannten verlorenen Ostgebieten. Gerade deshalb waren sie so wichtige und glaubwürdige Unterstützer von Brandts Versöhnungskurs. Denn die Ostpolitik war umstritten. Die einen würdigten Brandts Kniefall im ehemaligen Warschauer Getto und die Ostverträge als Meilensteine der Entspannungspolitik. Andere sahen darin Verzichtspolitik. Später erhält Brandt dafür den Friedensnobelpreis.
Willy Brandt:
"Der Vertrag von Warschau soll einen Schlussstrich setzen unter Leiden und Opfer einer bösen Vergangenheit. Er soll eine Brücke schlagen zwischen den beiden Staaten und den beiden Völkern. Er soll den Weg ebnen, dass getrennte Familien wieder zusammenfinden können und, dass Grenzen weniger trennen als bisher."
Die Versöhnung mit Polen lag dem in Ostpreußen geborenen Siegfried Lenz am Herzen. Dafür erhielt er 2011 auch die Ehrenbürgerwürde seines Geburtsortes Elk, der früher Lyck geheißen hatte. Hervorgehoben wurde in der Begründung das Engagement des Schriftstellers für die Ostpolitik von Willy Brandt. Die große Nähe von Geist und Politik, Literatur und Sozialdemokratie wie zur Zeit der sozialliberalen Koalition hat es in dieser Intensität nicht mehr gegeben.
Helmut Schmidt:
"Max Frisch hat einmal gesagt, er könne sich nicht denken, dass, wörtlich, dass Politik, ohne die lästige Assistenz der Intellektuellen überhaupt eine geschichtliche Chance habe. Ich halte das für einen wahren Satz. Und jedenfalls hat Lenz sich danach, nicht allein, aber durchaus gerichtet."
Diese nicht nur lästige, sondern durchaus hilfreiche Assistenz erhielten Willy Brandt und Helmut Schmidt von Intellektuellen wie Günter Grass und Siegfried Lenz.
Willy Brandt:
"Ich sage, das Ja zu diesem Vertrag, zur Aussöhnung, zum Frieden, ist ein Bekenntnis zur deutschen Gesamtgeschichte."
Als Siegfried Lenz 2004 die Düsseldorfer Heine-Professur übernahm und der Hörsaal an mehreren Abenden restlos gefüllt war, sprach er über die Rolle des Schriftstellers für die Deutung der Geschichte. Kein Geschichtslexikon, keine tabellarische Aufstellung von Daten könne schildern, wozu der Schriftsteller fähig sei.
Siegfried Lenz:
"Aus dem PLOETZ, zum Beispiel, können wir erfahren, wann und wie die Rückführung deutscher Kriegsgefangener vor sich ging. Eine Erzählung von Heinrich Böll oder von Borchert aber führt uns vor Augen, was es hieß, aus Krieg, aus Gefangenschaft heimzukehren."
Das Geschäft der Deutung, der Beschreibung von Stimmungen, inneren Regungen und Beweggründen, vermöge nur der Schriftsteller und Künstler zu leisten.
Siegfried Lenz:
"Geschichte ist der Fundus von Ängsten, Daten, Irrtümern und Träumen, den wir mit wechselnden Resultaten befragen. Sie ist ein trügerisches Kontinuum ohne Ziel, das vertraute Fremde, in dem nach einem Sinn zu suchen, müßig ist. Davon bin ich überzeugt. Vergangenheit ist aber auch ein Anlass, uns selber immer von neuem auszulegen und dabei unsere Möglichkeiten zu erkunden."
Ob Romane oder Novellen wie "Heimatmuseum", "Das Feuerschiff", "Deutschstunde", "So zärtlich war Suleyken" oder "Schweigeminute": Stets schrieb Siegfried Lenz seine Manuskripte mit der Hand. Seine Handschrift war klein und eng. Sparsam ging er mit Papier um.
Siegfried Lenz:
"Ich habe früh festgestellt, dass, wenn man schreibend leben möchte, Sitzfleisch dazu gehört, nicht nur Inspiration, sondern Sitzfleisch, Starrsinn, Ausdauer. Übrigens Qualitäten, die auch Goethe festgestellt hat."
Den meisten Teil seines Lebens verbrachte Siegfried Lenz in Hamburg. Seit 2006, dem Jahr, in dem seine Frau Liselotte nach 57 gemeinsamen Ehejahren starb, lebte er überwiegend auf der dänischen Insel Fünen. Dort schrieb er an einem Holztisch einer ehemaligen Försterei. Nach einer schweren Operation nahm ihn Freundin Ulla Reimer mit in ihr Haus nach Dänemark und ermöglichte ihm, weiter zu schreiben. Sie tippte die Manuskripte in die Schreibmaschine. Ihr hat er die Liebesgeschichte "Schweigeminute" gewidmet, die auch verfilmt wurde. Mit 84 Jahren heiratete Siegfried Lenz die zehn Jahre jüngere Ulla Reimer. Sie habe ihn nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Liselotte vor einem völligen Zusammenbruch bewahrt, sagte er in Interviews.
Siegfried Lenz:
"Dennoch wird Geschichte auch weiterhin in Geschichten aufgehen. Und es wird der Erzähler sein, der uns den Strom vergangenen Lebens am anschaulichsten erfahrbar machen wird. Ihm jedenfalls werden wir bereitwillig zuhören, denn er kann vereinen, was in der Analyse auseinanderfällt und was sich nicht zu erkennen geben will. Das bringt er zum Vorschein, indem er im Zweifelsfall, meine Damen und Herren, die Wahrheit erfindet."