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StartseiteKalenderblatt"Die Mutter aller Schlachten"02.08.2015

Zweiter Golfkrieg"Die Mutter aller Schlachten"

Es war ein Schock für die USA und die Folgen sind bis heute spürbar: Vor 25 Jahren begann mit dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait der Zweite Golfkrieg. Die USA reagierten mit dem Aufmarsch amerikanischer Einheiten - die allerdings nicht nur zu Befreiung Kuwaits anrückten.

Von Tobias Mayer

Explosion eines irakischen Bunkers während des Zweiten Golfkriegs 1991. (MIKE NELSON / AFP FILES / AFP)
Explosion eines irakischen Bunkers während des Zweiten Golfkriegs 1991. (MIKE NELSON / AFP FILES / AFP)

Nach der Unabhängigkeit Kuwaits 1961 wurde die Grenze zum Irak durch die Wüste nie genau bestimmt. Saddam Hussein bezeichnete Kuwait als südirakische Provinz, er stellte die staatliche Souveränität des kleinen Emirats infrage. Es entwickelte sich ein Dauerkonflikt zwischen beiden Ländern, denn im Grenzgebiet wurde Öl entdeckt.

Saddam Hussein befand sich im Sommer 1990 in einer schwierigen Lage. Der erbitterte Krieg gegen das Iran des Ayatollah Khomeini in den 80er-Jahren hatte den Irak hunderte Milliarden Dollar gekostet, die Auslandsschulden belasteten den Staatshaushalt. Der Überfall auf den kleinen Nachbarn Kuwait schien da die Lösung. Am 2. August 1990 marschierten irakische Truppen ein. Die Herrscherfamilie der Sabah konnte gerade noch rechtzeitig flüchten. Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin über die Motive Saddam Husseins:

"Ich denke, er hat zuerst nicht geplant, Kuwait tatsächlich zu behalten, sondern seine Agenda war sicherlich die, Kuwait a) auszuräubern und b) die reichen arabischen Golfmonarchien zu erpressen, also erheblichen Druck auf sie auszuüben, von finanziellen Forderungen, Rückzahlung von Schulden abzusehen."

Der irakische Überfall auf Kuwait schockte die USA, das Verhältnis zu Saddam Hussein war vorher recht gut. Jahrelang hatten alle Weltmächte ihn im Krieg gegen Iran unterstützt. Nun aber ließ man Saddam fallen. Nachdem der UN-Sicherheitsrat ein umfangreiches Wirtschaftsembargo gegen den Irak verhängt hatte, ordnete US- Präsident George Bush den Aufmarsch amerikanischer Einheiten an:

"Auf meinen Befehl sind Teile der 82. Luftlande-Division sowie der Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten nach Saudi-Arabien verlegt worden, um dort eine Verteidigungsposition einzunehmen."

Volker Perthes:
"Es ging zunächst tatsächlich um die Befreiung Kuwaits, aber die Befreiung Kuwaits hat natürlich eine Bedeutung, die über die militärische Räumung des kuwaitischen Territoriums von irakischen Truppen hinausgeht. Es ging darum, eine bestimmte Ordnung wiederherzustellen. Dies ist eine strategisch wichtige Region für die USA und für die Weltwirtschaft wegen des Hauptexportproduktes dieser Region, nämlich des Öls."

George W. Bush setzte dort an, wo sein Vater aufgehört hatte

Saddam Hussein schreckte vor nichts zurück. Er setzte hunderte Ausländer an strategisch wichtigen Orten fest - als sogenannte "menschliche Schutzschilde". In einer zynischen Inszenierung wurden die Geiseln im irakischen Fernsehen vorgeführt. Westliche Politiker wie Alt-Bundeskanzler Willy Brandt reisten nach Bagdad und feilschten um die Freiheit ihrer Mitbürger. Bis zum Dezember 1990 konnten alle Ausländer den Irak verlassen. Nachdem ein letztes Ultimatum des UN-Sicherheitsrates verstrichen war, gab US-Präsident Bush im Januar 1991 den Befehl zur "Operation Wüstensturm", Desert Storm.

"Gerade finden Luftschläge gegen militärische Ziele im Irak statt. Wir sind entschlossen, Saddam Husseins Atomwaffenpotenzial zu vernichten. Wir werden ebenfalls seine Chemiewaffenanlagen zerstören. Saddam Husseins Streitkräfte werden Kuwait verlassen. Die legitime Regierung Kuwaits wird wiederhergestellt. Und Kuwait wird wieder frei sein."

Am Tag darauf hielt Saddam Hussein eine dramatische Rede, in der ein später viel zitierter Satz fiel:

"Die große Konfrontation, die Mutter aller Schlachten, hat begonnen - zwischen dem Recht, das mit der Hilfe Gottes siegen wird, und dem Bösen, das mit Gottes Willen zerstört wird."

Die irakischen Soldaten hatten der Übermacht der alliierten Streitkräfte aber wenig entgegenzusetzen. Kuwait wurde befreit, doch die Schergen Saddams hinterließen ein verwüstetes Land. Die Löschung der brennenden Ölquellen dauerte noch Monate. Saddam Hussein selbst stürzte man nicht. Volker Perthes:

"Die politische Antwort ist sicherlich, dass man damals unter der Präsidentschaft von Bushs Vater gesagt hat: Wir können nicht alle Strukturen zerschlagen, weil wir gar nicht in der Lage sein werden, die Strukturen neu aufzubauen, also werden wir lieber mit einem geschwächten besiegten Diktator Saddam Hussein arbeiten."

Noch gut zehn Jahre saß der irakische Diktator fest im Sattel, bis George W. Bush 2003 dort ansetzte, wo sein Vater 1991 aufgehört hatte. Doch nun stürzten die Amerikaner nicht nur das Regime. Sie zerschlugen den gesamten irakischen Staatsapparat - mit verheerenden Folgen bis heute.

 

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