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StartseiteEuropa heuteMusterschüler der Sparpolitik 04.12.2013

ZypernMusterschüler der Sparpolitik

Zypern stand im März dieses Jahres kurz vor der Pleite. Erst nach heftigem Streit bekam der Inselstaat Hilfskredite aus dem Euro-Rettungsschirm. Im Gegenzug mussten Anleger einen Teil ihres Vermögens abgeben. Der Ärger darüber ist halbwegs verflogen, und die Zyprer halten sich an den Sparkurs.

Von Thomas Bormann

Zyperns Staatswappen auf der Landesflagge neben einer Fahne der Europäischen Union. (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)
Zyperns Staatswappen auf der Landesflagge neben einer Fahne der Europäischen Union. (picture alliance / dpa / Katia Christodoulou)
Weiterführende Information

Bundestag segnet Milliarden-Hilfen für Zypern ab (Deutschlandradio, Aktuell, 18.4.2013)

Zypern-Experte: Zwangsabgabe ist der falsche Weg (Deutschlandradio Kultur, Interview, 23.4.2013)

"Troika raus aus Zypern" riefen wütende Demonstranten Mitte März in Nikosia. Die Großbanken auf der Insel hatten sich verzockt, nun war das ganze Land von der Pleite bedroht. Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds war bereit, Zypern mit Milliardenkrediten zu retten, aber die Troika stellte Bedingungen.

So sollten auch die Inhaber von Sparkonten einen Teil ihres Vermögens abgeben, um Zyperns Schuldenberg abzubauen. Die zyprischen Sparer waren stocksauer:

"Wir haben uns jeden Bissen vom Munde abgespart und jetzt schnappen die sich einfach unser Geld anstatt die Banker zu finden, die unser Geld gestohlen haben."

Die Wut war groß auf die Banken und ebenso auf die Troika, die dann tatsächlich gemeinsam mit der Regierung eine Zwangsabgabe für Inhaber von Vermögen über 100.000 Euro beschloss.

Aber auch wer kein dickes Sparkonto auf Zypern, bekommt die Krise zu spüren. Hunderte Bankangestellte haben in der Zwischenzeit ihre Arbeit verloren, denn viele Banken haben etliche Filialen geschlossen; ein großes Bankhaus musste ganz schließen.

Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen

Der Staat vergibt deutlich weniger Aufträge an Baufirmen und Dienstleister, auch das kostet Arbeitsplätze. Prompt ist die Arbeitslosenquote auf der Urlaubsinsel Zypern schon auf 17 Prozent gestiegen; vor zwei Jahren lag sie noch bei acht Prozent, nicht einmal halb so hoch.

Das ist der Preis für die eiserne Sparpolitik. Für die gibt es aber keine Alternative, sagt Finanzminister Harris Georgiades; Zypern muss seine Staatsfinanzen in Ordnung bringen:

"Die Regierung legt den Schwerpunkt auf Senkung der Ausgaben und nicht auf Steuererhöhungen. Das ist unsere klare Botschaft, die ich gerne wiederhole."

Das soll die Bürger beruhigen. Wenigstens die Steuern sollen nicht weiter steigen.

Man will nicht denselben Fehler machen wie in Griechenland, dass gleichzeitig Löhne gesenkt und Steuern erhöht werden, sodass die Wirtschaft völlig abgewürgt wird, weil die Leute kaum noch etwas kaufen.

Zwar schrumpft derzeit auch die Wirtschaft auf Zypern, aber schon jetzt sagt die Regierung, ein Ende der Krise sei abzusehen. Auch die Kontrolleure der Troika loben die Arbeit der zyprischen Regierung. Die hat schnell Reformen umgesetzt. Die Banken auf der Insel werden inzwischen besser kontrolliert; die Verwaltung arbeitet effektiver; Zypern ist eine Art Musterschüler der Sparpolitik.

Delia Velculescu, die Zypernbeauftragte des Internationalen Währungsfonds, sagte bei ihrem letzten Besuch in Nikosia im November:

"Die zyprischen Behörden zeigen eine große Entschlossenheit, die notwendigen, schweren Entscheidungen umzusetzen."

Viele haben Geld verloren

Zu diesen schweren Entscheidungen zählte, die Geldanleger und Sparer tatsächlich zur Kasse zu bitten. Eine von ihnen ist die 42-jährige Griechin Christina Pirovalákis:  

"Wie viele andere Griechen hatte auch ich den Banken in Griechenland nicht mehr getraut und mein Geld nach Zypern gebracht, Das war keine Geldwäsche, wie das immer so in Schlagzeilen über die Vermögen auf Zypern hieß, nein, das waren meine Ersparnisse; mein gesamtes erspartes Geld aus mehr als 20 Jahren Arbeit."

150.000 Euro hatte sie auf dem Konto. Ohne dass sie sich wehren konnte, wurden 25.000 Euro Zwangsabgabe abgebucht:

Vom Gefühl her ist das, als hätte man es mir gestohlen, sagt Christina Pirovalákis. Aber sie weiß, viele andere haben noch viel mehr Geld verloren.

Doch jetzt krempeln die Zyprer die Ärmel hoch. Sie sind froh, dass es bei ihnen keine Massenentlassungen wie in Griechenland gibt und sie protestieren nicht mehr gegen den Sparkurs ihrer Regierung. Sie blicken nach vorn, und zwar optimistisch. Schließlich wurden im Meeresboden Zypern große Gasfelder entdeckt. Mit dem Gasexport will Zypern bald viel Geld verdienen, die Krise überwinden und auch die zehn Milliarden Euro an Hilfskrediten aus dem Euro-Rettungsschirm zurückzahlen.

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