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StartseiteHintergrundKommunikationsplattform und Datenkrake04.02.2014

10 Jahre FacebookKommunikationsplattform und Datenkrake

Mehr als 1,2 Milliarden Menschen nutzen Facebook weltweit – und das obwohl Gründer Mark Zuckerberg Privatsphäre für ein überkommenes Modell hält. Dass Datenschutz künftig eine größere Rolle spielen wird, ist unwahrscheinlich.

Von Brigitte Baetz

Auf dem Display eines iPhones ist das App-Logo von Facebook zu sehen (gestelltes Foto mit Wischeffekt). (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
Facebook gibt es schon seit zehn Jahren. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)
Weiterführende Information

Soziale Medien - Wie hat Facebook unser Leben verändert? (Deutschlandradio Kultur, Debatte, 04.02.2014)

Zehn Jahre Facebook - Aus der Studentenbude die Welt erobert (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 03.02.2014)

Der Netzexperte Holger Schmidt über 10 Jahre Facebook (Deutschlandfunk, Markt und Medien, 01.02.2014)

"The Facebook" ist ein Online-Verzeichnis, das die Leute aus den sozialen Netzwerken der Universitäten und Colleges miteinander verbindet. Als wir das gegründet haben, hofften wir auf 400, 500 Leute. Und nun sind wir bei 100.000 Leuten. Wer weiß, wo wir demnächst stehen? Dann können wir ein Bündel von Anwendungen zur Verfügung stellen, die die Leute bei uns halten werden und das könnte vielleicht etwas Cooles werden."

Der 19-jährige Harvard-Student Mark Zuckerberg in seinem ersten Fernsehinterview mit dem amerikanischen Sender CNBC, wenige Wochen, nachdem er am 4. Februar 2004 gemeinsam mit seinen Kommilitonen Eduardo Saverin, Dustin Moskovitz und Chris Hughes das Unternehmen Facebook gegründet hatte. Doch was konnte man sich überhaupt genau darunter vorstellen, unter Facebook? Zuckerberg erläuterte:

"Man meldet sich an, erstellt ein Profil von sich, indem man ein paar Fragen beantwortet, Interessen einstellt, welche Bücher man mag und alles, was man so erzählen möchte. Und am wichtigsten, wer deine Freunde sind. Und dann kann man so ein bisschen herumsurfen, gucken, mit wem die anderen so befreundet sind. Und was die so machen. Und so kann man ein paar interessante Informationen über Leute herausfinden."

"Für mich ist es eine relativ coole Kommunikationsform, wo ich sozusagen informell mit Leuten in Kontakt bleiben kann und auch praktisch alle Leute in meiner Generation finde, ohne großen Aufwand."

Sagt Max Schrems, österreichischer Jurist und Facebook-Kritiker. Sein Unbehagen am viel kritisierten laxen Umgang des Unternehmens mit dem Datenschutz teilt er der Welt unter anderem auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite mit.

"Eigentlich kannst du ganz viel mit Facebook machen. Außer Schreiben kannst du halt Veranstaltungen organisieren, Spiele spielen und halt Sachen posten. Zum Beispiel, wenn du etwas planst oder so, dann musst du nicht jedem Einzelnen was schreiben, sondern kannst einen Gruppen-Chat aufmachen oder für Veranstaltungen so eine ganze Seite für die machen."

Auch für die 15-jährige Rebecca aus Köln ist es eine Selbstverständlichkeit, bei Facebook mit einer eigenen Seite präsent zu sein. Hier verabredet sie sich mit ihren Freundinnen, postet, welchen Schauspieler sie mag und verlinkt auf Videoclips, die ihr gefallen.

1,23 Milliarden Menschen nutzen Facebook

1,23 Milliarden Menschen weltweit nutzen Facebook. Jeder dritte Deutsche und jeder zweite US-Amerikaner ist dort Mitglied. Doch nicht nur Privatpersonen, auch Parteien, Medien, Kommunen, Organisationen, Behörden und Firmen sind dort vertreten. Facebook ist Kontaktbörse, Kommunikationszentrale, Gerüchteküche, Selbstdarstellungsseite, Unterhaltungsplattform und Nachrichtenaggregator. Das soziale Netzwerk des Mark Zuckerberg hat damit alle anderen ähnlichen Angebote wie zum Beispiel MySpace abgehängt. Facebook ist im Bereich der Social Networks das, was Google für die Welt der Suchmaschinen ist: ein Quasi-Monopolist.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa)Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (picture alliance / dpa)Angefangen hatte die rasante Erfolgsgeschichte mit einem eher geschmacklosen Studentenstreich auf dem Campus von Harvard. Zuckerberg, der sich als 12-jähriger mit einem Buch das Programmieren selbst beigebracht haben soll, hackte den Server der Universität und besorgte sich Fotos von Kommilitonen. Auf einer Webseite, die er Facemash nannte, ließ er dann über die Attraktivität der Studentinnen und Studenten abstimmen. Um Erlaubnis hatte er sie zuvor nicht gefragt.

Ein Fall für den Disziplinarausschuss von Harvard – aber auch ein Erfolg, was die Klickraten anbetraf. Mark Zuckerberg erkannte, dass Menschen sich vor allem für Menschen interessieren. Eine Plattform für soziale Interaktion wollte er schaffen, die für den Nutzer möglichst leicht zu bedienen sein sollte. Ohne großen Designaufwand, der die individuellen Ladezeiten unnötig verlängern würde. Und kostenlos. Heraus kam: Facebook.

Menschliches Grundbedürfnis, Sachen zu teilen

Facebooks, so heißen an den US-amerikanischen Colleges die Jahrbücher mit den Fotos von Studenten. Zunächst auf Harvard begrenzt, eroberte das soziale Netzwerk Facebook innerhalb von nur wenigen Monaten Universität um Universität und breitete sich dann auch außerhalb der akademischen Welt aus. Max Schrems erklärt sich den Erfolg so:

"Ich glaube, was wirklich ein großes Bedürfnis war, dass man direkt sich austauscht mit anderen Leuten. Das heißt, dass ich meine eigene kleine Seite habe, dort alle meine Freunde managen kann und auch Leute, mit denen ich jetzt nicht permanent zu tun habe, dort irgendwie noch den Kontakt aufrecht erhalten kann, was halt per Telefon oder E-Mail oder so nicht so realistisch ist. Und ich glaube, dieses Grundbedürfnis, da so Sachen zu teilen und zu hören, was bei anderen so passiert, das ist da und das wird auch da bleiben und das deckt Facebook halt wunderbar ab."

Im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken akzeptiert Facebook keine Pseudonyme. Wer von einem Facebook-Mitglied als Freund angefragt wird, muss ausdrücklich zustimmen. Das gibt den Nutzern ein Gefühl der Autonomie. Mit Facebook wird jeder mit einfachen Mitteln zum Blogger. Hier kann jeder das Bild von sich präsentieren, das er gerne zeigen möchte.

Daumen rauf – der sogenannte Like-Button, eingeführt 2009, wurde weltweit zum Symbol für eine Internetcommunity, die zwar das Pflegen sozialer Kontakte erleichtert, gleichzeitig aber Nähe eher simuliert als herstellt. Auf Facebook hat man Freunde – oder niemanden.

Der Künstler Gordan Savicic, der sich an der Kunstaktion Suicide Machine beteiligt hat, mit der man seinen Auftritt auf Facebook löschen kann, glaubt, dass das Netzwerk bei Nutzern zu Isolierung und Passivität führen kann.

"Also, man hat schon sozialen Austausch. Man hat aber auch immer das Gefühl, dass man etwas vermisst. Man ist immer am Geschehen dabei, man sieht sich Partyfotos von Freunden von einem anderen Kontinent an. Und hat gar nicht mehr das Gefühl: Jetzt rufe ich die mal an so eben, sondern man nimmt teil, sozusagen, am Geschehen, aber mehr interpassiv als interaktiv."

Mit dem weltweiten Erfolg von Facebook mehrten sich die Stimmen, die vor Facebook-Abhängigkeit warnten, vor der Verschwendung von Lebenszeit durch Facebook-Spiele, vor Cyber-Mobbing. Gerade in der Anfangszeit häuften sich die Fälle, in denen Partys zum Desaster wurden, weil die Gastgeber ihre Pläne auf Facebook gepostet hatten und daraufhin Hunderte von Menschen Einlass begehrten. Manche verblüfft bis heute der Exhibitionismus, mit denen viele Nutzer ungehemmt privateste Details aus ihrem Leben per Foto oder Video ins Netz stellen.

Zuckerberg lästert über die bereitwillige Zurverfügungstellung von Daten

2010 wurde bekannt, dass Mark Zuckerberg sich nur wenige Tage nach der Einführung von Facebook in einem Chat lustig gemacht hatte über die bereits Hunderte von "Dumpfbacken", die ihm E-Mails, Adressen und Bilder kostenlos und freiwillig im Netz zur Verfügung gestellt hatten. Zuckerberg verkörpert bis heute mit seinen ewig gleichen Jeans, T-Shirts und Kapuzenpullovern eine Gruppe von Programmierern, die der Ideologie eines komplett freien Internets anhängen. Privatsphäre, das sei eine überholte soziale Norm, meinte er einmal und: "Ich möchte die Welt zu einem offeneren Ort machen".

Für manche klingt das wie eine Drohung. Kann die komplette Offenlegung des Privatlebens nicht zu einer Art von Totalitarismus führen? Kein Zweifel: Mark Zuckerberg polarisiert die Öffentlichkeit. Sogar ein Hollywood-Film wurde über den inzwischen 29-Jährigen schon gedreht, in dem er als genialer Programmierer, aber auch als verklemmter Soziopat ohne Skrupel dargestellt wurde. In nur zehn Jahren ist der bescheiden auftretende Zuckerberg zum vielfachen Milliardär geworden. Konkurrenten innerhalb und außerhalb der Firma wie Eduardo Saverin, der Finanzier aus Studententagen, oder die Brüder Cameron und Tyler Winklevoss, die die Ursprungsidee für Facebook für sich reklamieren, wurden mit Geld abgefunden.

Härte und Entschlossenheit, die dem Sohn eines Zahnarztes und einer Psychiaterin nachgesagt werden, wollen so gar nicht zu der egalitären und lockeren Atmosphäre der Anfangstage von Facebook passen. Mit seinen engsten Mitarbeitern war Zuckerberg von Boston an die Westküste der USA gezogen. Dorthin, wo sich schon die anderen Internetgrößen angesiedelt hatten. Sein Biograf David Kirkland beschreibt die Stimmung als eine Mischung aus Kindergeburtstag und besessener Arbeit:

"Das ist ein Haufen von College-Kids, die zusammenleben und viel Party machen. Einerseits feiern sie die halbe Nacht, stehen um ein Uhr Mittags auf, arbeiten aber dann auch von zwei bis zwei, dann machen sie wieder Party und dann geht der Zyklus von Neuem los."

Geld treibt Zuckerberg nicht an

Der jungenhafte Zuckerberg aber ist der Boss, auch wenn er mit seinen Untergebenen Bierdosenwettkämpfe veranstaltet. Geld jedoch ist es nicht, was ihn antreibt, darin sind sich Medienbeobachter einig. Manche allerdings unterstellen ihm, dass er gern das Internet beherrschen möchte. Helfen könnte ihm dabei die ungeheure Menge von Daten, die sein Unternehmen täglich von Facebook-Mitgliedern aus aller Welt sammelt. Mehr als einmal hat das Netzwerk Schlagzeilen gemacht, weil Informationen, die Nutzer eigentlich im geschützten Raum von Facebook vermuteten, öffentlich wurden. Die Journalistin Kara Swisher beschäftigt sich seit Jahren mit dem Netz. Sie glaubt nicht daran, dass es Facebook ernst ist mit dem Datenschutz. Zuckerbergs Entschuldigungen und Beschwichtigungen hält sie für Teil einer Salami-Taktik.

"Er gesteht einfach nicht ein, was er macht, welche Macht er hat. Er gibt vor, eine ganz normale Person zu sein, aber das ist er nicht. Er leitet ein Netzwerk mit Hunderten von Millionen Menschen und er tut so, als ob er nicht wüsste, was er tut, wenn es um die Privatsphäre geht. Er ist der Firmenboss. Er regiert wie ein faschistischer Diktator. Das, was Mark sagt, wird gemacht und jeder weiß das. Er tut etwas sehr Gewagtes und erklärt dann: Oh, tut mir leid, das hab ich nicht gewollt und dann macht er weiter. Das ist eine gute Taktik. Sie geht auf und auf die langsame Tour bekommt er das, was er will."

Viele Nutzer vergessen, dass Facebook zwar für sie kostenlos ist, aber gleichwohl Geld verdienen muss. Das heißt, wer bei Facebook Mitglied ist, bezahlt mit seinen Daten. Und diese Daten machen das Netzwerk für die Werbeindustrie attraktiv. Denn anders, als bei klassischer Fernseh-, Radio- oder Printwerbung gibt es hier so gut wie keine Streuverluste.

"Werbung ist ja die Einnahmequelle schlechthin für Facebook. Was anderes verkaufen die ja nicht. Man zahlt ja keine Benutzungsgebühren. Man zahlt mit seiner Aufmerksamkeit. Und deswegen ist Facebook daran interessiert, möglichst viele Daten und Informationen über uns zu sammeln. Das ist soweit nichts Neues, aber es gibt mehr Informationen, die sie über uns sammel, als sie uns wissen lassen. Über 90 verschiedene Kategorien gibt es, soviel weiß man mittlerweile."

Der Fachjournalist Jörg Schieb gegenüber Deutschlandradio Kultur:

"Und je mehr Kategorien es gibt, je mehr Daten über uns bekannt sind, umso besser kann man natürlich präzise Werbung präsentieren. Das bedeutet nicht nur Alter und Geschlecht, das ist natürlich einfach, sondern auch, wo wohne ich, oder welche Interessen habe ich. Und diese Interessen, die kann ich in einem sozialen Netzwerk besonders gut deutlich machen, indem ich beobachte: Mit wem bin ich eigentlich befreundet, mit welchen Gruppen beschäftige ich mich, welche Themen interessieren mich, welche Applikationen benutze ich, gehe ich regelmäßig joggen, zum Beispiel. Oder gucke ich, wo ich essen gehe. So was bekommt Facebook ja alles mit. Das sind jede Menge Informationen, die Facebook sehr gut benutzen kann, um dann nicht diese Daten zu verkaufen, dass muss man ganz klar sagen, sondern indem man hingeht als Netzwerk und den Werbetreibenden die Möglichkeit gibt, ganz präzise zu sagen: Wen will ich wie ansprechen?"

Auch Smartphones und Tablets erreicht Facebook

Ein Konzept, das aufgeht, zumal es Facebook inzwischen gelungen ist, auch auf dem Zukunftsmarkt der Tablets und Smartphones Werbemöglichkeiten für potenzielle Kunden zu schaffen. Erst in der letzten Woche konnte das Unternehmen stolz verkünden, seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verachtfacht zu haben. Das freut die Anleger, die noch beim Börsengang Facebooks im Mai 2012 zurückhaltend gewesen waren. Doch vergleicht man den ausgewiesenen Gewinn von 523 Millionen Dollar mit der Zahl der Facebook-Nutzer von über einer Milliarde, so relativiert sich der Erfolg wieder. Skeptiker wie der österreichische Jurist Max Schrems warnen davor, dass Facebook seine riesige Datensammlung nicht nur zum Zweck der Werbekundenbindung gebrauchen könnte. Niemand könne Facebook kontrollieren.

"Der Nutzer kann zwar posten und es wieder löschen, aber alles andere weiß er eigentlich nicht. Und was auch spannend ist bei Facebook, ist das Netzwerkartige davon. Dass sie Daten von verschiedenen Leuten sammeln. Das heißt, ich hab einen anderen Nutzer, der irgendwas über mich hochlädt. In seinem Telefonbuch meine Nummer und meinen Namen und meine Adresse oder irgendwelche Fotos von mir oder in den Nachrichten irgendwas über mich. Und auch über die Verbindung von Freunden kann ich rausrechnen, was ein Nutzer machen will. Und das ist das, was viele Leute, glaube ich, nicht verstehen. Dass sie glauben, nur das, was ich poste auf Facebook, weiß Facebook. In Wirklichkeit kann über eine Netzwerkanalyse herausgefunden werden, was ich politisch denke, auch wenn ich noch nie dazu gepostet habe, einfach, indem ich die Freundesetzwerke analysiere. Bei mir war das recht schön, da hat einfach eine Firma meine Freundeliste analysiert und hat da rausrechnen können, zu welchen Universitäten, Schulen ich gegangen bin, politisch links und rechts, all diese Dinge, obwohl ich die jetzt direkt auf Facebook nicht geschrieben habe."

Auch im mobilen Internet ist Facebook erfolgreich. (picture alliance / dpa / Josef Horazny)Auch im mobilen Internet ist Facebook erfolgreich. (picture alliance / dpa / Josef Horazny)Als Jura-Student in den USA hat Max Schrems in einem Seminar erlebt, wie ein Facebook-Mitarbeiter offen über die unbehinderte Sammelleidenschaft seines Unternehmens referierte. Schrems stellte beim europäischen Sitz des Unternehmens, in Dublin, eine Anfrage über die von ihm gespeicherten Daten. Die Antwort umfasste 1.222 Pdf-Seiten. Ungefähr 300 Seiten davon enthielten Daten, die er eigentlich gelöscht hatte.

Mehr als 22 Beschwerden wegen der Verletzung von Grundrechten haben Schrems und die von ihm gegründete Organisation "Europe versus Facebook" bei der irischen Datenschutzbehörde gegen Facebook schon eingereicht – bislang ohne Erfolg.

"In Irland gibt es eine fuzzikleine Datenschutzbehörde, die nicht wirklich ausgestattet ist dafür, so etwas wie Facebook zu kontrollieren. Die haben damals, wie wir die Beschwerden eingebracht haben, keinen einzigen Juristen und keinen einzigen Techniker dort sitzen gehabt. Das heißt, das waren 20 08/15-Beamte, die auf einmal mit diesen hochkomplexen technischen und juristischen Fragen dagesessen sind. Dann kommt noch hinzu, dass es in Irland politisch so ist, dass man probiert, US-Konzerne dort anzuziehen aus Steuergründen und mit allen möglichen Zuckerln. Und da ist natürlich jetzt Datenschutz nicht wirklich ein Standortvorteil. Auch im Silicon Valley, wenn man dort mit anderen Unternehmen spricht, heißt es: Ja, die Europäer mit ihrem Datenschutz, schon recht süß, aber in Wirklichkeit kannst du eh machen, was willst, denn erstens können sie gar nicht beweisen, was wir auf unseren Servern hier in den USA tun. Und wenn sie dann doch mal was rausfinden, dann passiert eigentlich auch wenig."

Datenschutz funktioniert in der EU nur bedingt

Eine starke Lobby, meint Max Schrems, verhindere in Brüssel seit Jahren, dass die Datenschutzregelungen der einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten so vereinheitlicht werden, dass gegen Datenschutzverstöße erfolgreich und nachhaltig vorgegangen werden könne – bei Facebook oder auch bei anderen Internetgrößen wie Google. Es fehle an dem politischen Willen, hier durchzugreifen. Der Fachjournalist Holger Schmidt, Redakteur bei der Zeitschrift "Focus" und als "Netzökonom" bekannt gewordener Blogger, glaubt, dass das Thema Datenschutz jedoch für die weitere Entwicklung von Facebook keine Rolle spielen werde.

"Die Amerikaner haben sowieso ein anderes Verhältnis dazu. Die sehen das ein bisschen lockerer und gucken eher, was ist sozusagen möglich. Wenn der Datenschutz ein Problem gewesen wäre, dann hätte er schon längst dazu geführt, dass man sich von Facebook abwendet. Das hat keiner getan. Es ist kein Wettbewerbsfaktor, sagen wir mal so. Das hat noch nie dazu geführt, dass ein Unternehmen groß geworden oder klein geblieben ist oder an Popularität verloren hat. Das Thema ist dem normalen Nutzer nicht so wichtig, als das er da irgendeine Entscheidung nun abhängig macht."

Für Holger Schmidts These spricht, dass noch jede Anti-Facebook-Kampagne, die mit dem Thema Datenschutz argumentierte, ins Leere lief. Den meisten Menschen erscheint die Vorstellung, dass Unternehmen oder Institutionen Geld dafür ausgeben könnten, ihre persönlichen Vorlieben und Neigungen zu erfahren, zu abstrakt, als das sie ihnen Angst einflößen würde. Und doch hat das Unternehmen inzwischen sehr wohl begriffen, dass es an seinem Image arbeiten muss, um weiter in der obersten Internetliga mitzuspielen und sich zu konsolidieren.

"24. Sept. 2010, Oprah Winfrey Show: 100 Millionen Dollar für New Yorker Public Schools."

Im Herbst 2010 nutzte Mark Zuckerberg die amerikanische Sendung mit den höchsten Einschaltquoten, die Oprah Winfrey-Show, um sich einen Ruf als Philantrop zu schaffen. 100 Millionen Dollar spendete er für die öffentlichen Schulen New Yorks. Und er installierte mit Sheryl Sandberg eine charismatische Vorzeigemanagerin mit elegantem Auftreten und feministischen Überzeugungen, die nun die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Doch wichtiger als alles andere wird für Zuckerberg sein, ob es Facebook gelingt, eine dauerhafte Informationsinfrastruktur aufzubauen, um auf die immer neuen Mitbewerber reagieren zu können. Denn das Internet ist schnelllebig. Inzwischen wächst die Zahl der Menschen rasant, die lieber mit dem Programm WhatsApp als über Facebook kommunizieren. Oder die ihre Bilder lieber auf einer Plattform wie Instagram posten – beides im Übrigen ähnliche Datensammler wie das soziale Netzwerk. Instagram wurde von Facebook für eine Milliarde Dollar aufgekauft. WhatsApp wollte lieber unabhängig bleiben. Man könnte es so zusammenfassen: Was Zuckerberg wirklich gefährlich werden könnte, das wäre ein neuer Zuckerberg. 

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