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StartseiteEuropa heuteGrundlage für die deutsch-französischen Beziehungen22.01.2018

55 Jahre Élysée-VertragGrundlage für die deutsch-französischen Beziehungen

Der Élysée-Vertrag - heute vor 55 Jahren vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnet - war der erste Schritt Richtung Freundschaft zwischen den alten Erbfeinden Deutschland und Frankreich. Doch der Élysée-Vertrag bildete nicht nur die Grundlage für die deutsch-französischen Beziehungen, sondern legte auch den Grundstein für die politische Einheit Europas.

Von Jürgen König

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22. Januar 1963: Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (r.) und Bundeskanzler Konrad Adenauer nach der Unterzeichnung im Élysée-Palast. (AFP)
22. Januar 1963: Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (r.) und Bundeskanzler Konrad Adenauer nach der Unterzeichnung im Élysée-Palast. (AFP)
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Mit "erfülltem Herzen" und "großer Zufriedenheit" habe er den Vertrag der deutsch-französischen Zusammenarbeit eben unterschrieben, sagte Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 im Élysée-Palast in Paris:

"Niemand auf der Welt wird die immense Bedeutung dieses Vertrages verkennen: Nicht nur weil er nach Jahren blutiger Kämpfe eine neue Seite im deutsch-französischen Verhältnis aufschlägt, sondern auch, weil er die Tore zu einer neuen Zukunft weit öffnet: für Deutschland, für Frankreich, für Europa - und für die Welt."

Mit diesem Vertrag sollte nicht nur symbolisch die deutsch-französische "Erbfeindschaft" beendet werden: Das umfangreiche Papier sah weitreichende Maßnahmen vor. Beide Seiten verpflichteten sich zu enger Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik, der Vertrag sah regelmäßige gemeinsame Beratungen der Regierungen sowie den Aufbau eines gemeinsamen Jugendwerks vor - getragen vom Gedanken, dass durch längere Aufenthalte deutscher und französischer Schüler und Studenten im jeweiligen Nachbarland das Verständnis füreinander wachsen und entsprechend ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich zukünftig vermieden werden könne.

Den Worten Charles de Gaulles hörte der neben ihm sitzende Bundeskanzler Konrad Adenauer mit, wie es schien, großer innerer Anteilnahme zu und sagte dann:

"Herr Präsident, Sie haben die Empfindungen und die Gefühle aller derer, die auf französischer Seite und die auf deutscher Seite an diesem Werke mitgearbeitet haben, so treffend wiedergegeben, dass ich nichts hinzuzufügen brauche: Jedes Wort, was Sie gesagt haben, entspricht unserem Willen und unserer Auffassung."

Wirkung erst nach vielen Jahren

Bis der Vertrag Wirkung zeigen konnte, vergingen allerdings noch viele Jahre. Die Westmächte, allen voran die USA und Großbritannien, hatten Sorge, Westdeutschland könne sich künftig von ihnen und der NATO abwenden. In der Bundesrepublik wiederum fürchteten viele, die USA könnten sich durch diese Hinwendung zu Frankreich als Schutzmacht gegenüber der UdSSR zurückziehen.

So ratifizierte der Bundestag den Vertrag erst, nachdem ihm eine Präambel hinzugefügt worden war, in der sich Deutschland klar zur fortgesetzten engen Zusammenarbeit mit den USA, mit der NATO und den europäischen Institutionen bekannte. Frankreich kritisierte diese Präambel. Der enttäuschte Charles de Gaulle sah durch sie die Grundlage des Vertrages entwertet. Trotzdem wurde der Vertrag auch von der "Assemblée nationale" angenommen; das Deutsch-Französische Jugendwerk wurde gegründet, Städtepartnerschaften entstanden. Ein erster gemeinsamer Ministerrat tagte allerdings erst 2003: anlässlich des 40. Jahrestages des Élysée-Vertrages.

Jetzt - nach 55 Jahren - soll der Vertrag erweitert und ergänzt werden, von "neuer Dynamik" für die Partnerschaft ist die Rede, etwa bei der "grenzüberschreitenden Erprobung digitaler Schlüsseltechnologien" wie der E-Mobilität und dem automatisierten Fahren. Vor allem aber soll der Vertrag "gemeinsame Initiativen in der Europapolitik" voranbringen. Was das konkret bedeutet - darauf darf man gespannt sein.

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