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StartseiteInformationen am MorgenDonald Trump prangert judenfeindliche Übergriffe an22.02.2017

Antisemitismus in den USADonald Trump prangert judenfeindliche Übergriffe an

Umgestoßene Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof, telefonische Bombendrohungen: Antisemitische Vorfälle haben in den USA zugenommen – besonders seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Der hatte dazu bislang keine Stellung bezogen. Für Misstrauen sorgt unter amerikanischen Juden auch eine Personalentscheidung Trumps im Weißen Haus.

Von Thilo Kößler

US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz im Weißen Haus.  (AFP / Nicholas Kamm)
"Er sei der größte Gegner von Antisemitismus", sagte Donald Trump in der Pressekonferenz am 16.02.2017 im Weißen Haus. (AFP / Nicholas Kamm)
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Im Windschatten der anhaltenden Diskussion über eine Verschärfung der Abschiebebestimmungen für Einwanderer ohne Papiere ist in den USA eine Debatte über eine neue Welle des Antisemitismus entbrannt. Hintergrund ist ein besorgniserregender Anstieg von rassistischen Vorfällen, die immer häufiger jüdischen Einrichtungen gelten: So hatten Unbekannte am Montag in der Nähe von St. Louis in Missouri 170 Grabsteine auf einem jüdischen Friedhof umgestoßen und teilweise zerstört.

Gleichzeitig erhielten elf Gemeindezentren im ganzen Land telefonische Bombendrohungen, die sich später nicht bewahrheiteten. Nach einem Besuch im neuen Nationalmuseum für afroamerikanische Geschichte und Kultur in Washington verurteilte Präsident Trump die antisemitischen Vorfälle und nannte sie eine "schreckliche und schmerzliche Entwicklung" – derartige Drohungen seien eine traurige Mahnung, dass in den USA noch viel Arbeit zu leisten sei, um Hass, Vorurteile und das Böse zu bekämpfen.

Mehr antisemitische Vorfälle seit Trumps Wahlsieg

In einer Erklärung der Organisation Jewish Community Center hieß es, man sei besorgt wegen des zunehmenden Antisemitismus und der Häufung derartiger Übergriffe – die jüdische Gemeinde werde sich aber nicht einschüchtern lassen. Donald Trump war in den vergangenen Tagen zunehmend unter Druck geraten, sich zu den antisemitischen Vorfällen zu äußern, die seit seinem Wahlsieg zugenommen haben.

Zuletzt hatte seine politische Kontrahentin Hillary Clinton ihn in einem Tweet aufgefordert, klar Stellung zu beziehen. Für Empörung hatte in der vergangenen Woche die Antwort Donald Trumps auf die Frage eines orthodoxen jüdischen Reporters gesorgt, der auf einer Pressekonferenz wissen wollte, was die Trump-Administration gegen rassistische Vorfälle zu tun gedenke. Trump hatte den Journalisten brüsk unterbrochen und ihn aufgefordert, sich wieder zu setzen. Er sei der größte Gegner von Antisemitismus und Rassismus, sagte Trump, "und damit Ruhe". (*)

Tatsächlich ist die Tochter Donald Trumps, Ivanka, zum jüdischen Glauben konvertiert, als sie ihren Mann Jared Kushner heiratete – Kushner ist orthodoxer Jude, der im Weißen Haus die Rolle eines Präsidentenberaters eingenommen hat.

Abgesehen davon, dass sich Donald Trump viel zu spät zu den antisemitischen Vorfällen geäußert habe – Bedenken werden immer lauter auch über Donald Trumps eigene Rhetorik geäußert, die schon im Wahlkampf Minderheiten vor den Kopf gestoßen hatte. Neben der jüdischen Gemeinschaft, die sich jetzt mit einer neuen Welle des Antisemitismus konfrontiert sieht, sind es besonders die Muslime, die sich einem islamistischen Generalverdacht ausgesetzt sehen.

Nur ein Trostpflaster für Krebsgeschwür

Der ehemalige demokratische Senator Steve Israel warnte deshalb vor der Wirkung derart Ressentiment-geladener Politiker-Statements, die darauf abzielten, die Gesellschaft zu spalten und gegeneinander aufzubringen. Hassreden könnten wie Verstärker für Gewalttaten wirken, sagte Israel, das mache ihm Sorge.

Mit einem besonders geharnischten Kommentar machte der Direktor des Anne Frank Zentrums in New York, Steven Goldstein, auf sich aufmerksam: Dass Donald Trump plötzlich den Antisemitismus anprangere, sei nur ein Trostpflaster für das Krebsgeschwür, das sich in seiner eigenen Administration breitgemacht habe, schrieb er.

Eine Anspielung unter anderem auf den Chefstrategen im Weißen Haus, Stephen Bannon, der das rechtsextreme Portal "Breitbart" geleitet hatte und als verlängerter Arm der rechtsextremen sogenannten Alt-Right-Bewegung gilt, die die Überlegenheit der Weißen propagiert.  


(*) Wir haben eine Passage geändert, weil es eine möglicherweise missverständliche Formulierung war.

 

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