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Belebte Maschinen

LinuxTag demonstriert den Einsatz von Open-Source-Software in der Robotik

Von Jan Rähm

Ein Nao-Roboter auf dem LinuxTag.
Ein Nao-Roboter auf dem LinuxTag. (LinuxTag)

IT.- Entwickler, Netzaktivisten, aber auch Politiker trafen sich nun auf dem Berliner Messegelände zum LinuxTag. Etwa 80 verschiedenartige Projekte wurden vorgestellt – darunter diverse, die Robotern (digitales) Leben einhauchen wollen.

Was möchtest du?, fragt der gut 60 Zentimeter kleine Roboter und blinkt dabei fröhlich mit seinen Leuchtaugen. Der Entwickler Akim Boukhelif wünscht sich ein Lied von "Caravan Palace". Musik ertönt und der Roboter erhebt sich behände und fängt an zu tanzen. Der kleine Roboter heißt Nao und ist ein Open-Source-Entwicklungsprojekt. Universitäten, Unternehmen, aber auch private Programmierer sollen mithilfe von Nao Programme für humanoide Roboter entwickeln. Im Fall von Nao ist das besonders einfach, erklärt Akim Boukhelif vom französischen Unternehmen Aldebaran Robotics, das Nao entwickelt hat.

"Es ist wirklich einfach, so wie wir das wollten. Es ist eine intuitive grafische Programmieroberfläche. Aus dem Bereich auf der linken Seite ziehen Sie einfach die Boxen mit den Anweisungen und Aktionen ins Hauptfenster und verknüpfen sie untereinander. In der Ecke da zeigt Ihnen ein animiertes dreidimensionales Modell von Nao, was Sie programmiert haben. Und das ist die Art, wie Sie Programme für den Roboter schreiben."

Nao sei beileibe kein Spielzeug für Programmierer und Entwickler. Viel mehr stelle er die Vorstufe zu Hilfs- und Assistenz-Robotern der Zukunft dar.

"Wir machen die Zukunft schon heute. Bei Aldebaran Robotics arbeiten wir noch an einem anderen Roboter. Romeo heißt der und ist ein europäisches Projekt. Romeo ist 1,40 Meter groß und wiegt 40 Kilo. Er kann Menschen mit Einschränkungen helfen. Zum Beispiel, wenn sie gefallen sind, hilft er Ihnen wieder aufzustehen. Das ist die Art Roboter, an der wir arbeiten."

Mit über 12.000 Euro ist Nao nichts für Einsteiger in die Welt von Programmierung und Robotik. Aber die Open-Source-Szene hat auch für diese Neulinge etwas Passendes parat. Nur ein paar Stände weiter wuseln kleine Roboter aus Steckbausteinen in einem zwei Mal zwei Meter großen Kasten herum.

"Wir haben hier Roboter, die fahren frei herum. Man kann die auch teilweise fernsteuern. Die sind mit Java programmiert und das sind ganz normale Lego-Roboter, die haben auch so einen schönen Ultraschall-Sensor, dass das aussieht wie Augen. Wir haben uns irgendwann zum Ziel gesetzt, dass wir mit diesen Robotern, weil die so lustig aussehen, dass wir damit Kindern Programmieren beibringen."

Das Projekt heißt Freedroidz. Dahinter stehen Programmierer wie Joscha Häring. Er sagt: Für den Einstieg in Programmierung und Robotik braucht man nicht viel mehr als einen Computer, das Bauset aus dem Spielzeughandel und die Live-CD von Freedroidz. Schon kann die Entwicklung losgehen.

"Das ist ganz stark abstrahiert. Das bedeutet, man kann einfach sagen, "Travel", in Klammern und dann die Anzahl in Zentimetern, wie weit er fahren soll. Und "Rotate", die Grad-Drehung, die er machen soll. Und dann sagt man Travel 100, Rotate 90 und er fährt 100 Zentimeter und dreht sich um 100 Grad. Das ist sehr simpel und da kann man sehr kleinschrittig anfangen und dann Schritt für Schritt weitergehen und dann kann man ganz komplexe Programme später auch damit schreiben."

Doch warum Robotern um Kindern Programmieren beibringen? Reicht nicht auch einfache gehaltene Programmiersoftware?

"Die Erfolgserlebnisse sind natürlich viel schöner, wenn man einem Kind Programmieren beibringt und dann bewegt sich so ein Roboter. Das ist schöner, als wenn sich etwas auf dem Bildschirm bewegt."

Auch Melanie Thielker hat das Ziel, Entwickler und Forscher weiterzubringen. In doppelter Funktion ist sie auf dem LinuxTag, nämlich sowohl für das Projekt Open Simulator als auch für das kommerzielle Produkt Avination.

"Open Simulator ist eine Plattform, mit der man Welten und Spiele als SImulation aufbauen und nutzen kann. Und wir sponsoren dieses Projekt mit Arbeitsleistung und Geldern und daraus haben wir dann unsere Welt gebaut, Avination. Das ist eine virtuelle Welt, in der man sich bewegen, Leute treffen, kennenlernen, auf Partys gehen kann. Man kann sich selber bauen, was man möchte. Man kann seine Träume verwirklichen. Simulationen herstellen für die verschiedensten Dinge."

Avination und Open Simulator erinnern stark an die virtuelle Welt "Second Life". Melanie Thielker sagt, das sei kein Wunder, schließlich seien Avination und Open Simulator quasi ein Open Source Nachbau. Doch anders als das vor einigen Jahren gehypte kommerzielle Spiel-Produkt soll vor allem Open Simulator nicht nur der Unterhaltung, sondern auch ernsthaften Zwecken dienen.

"Open Simulator ist sehr flexibel und virtuelle Welten sind einer der möglichen Aspekte davon. Open Simulator kann benutzt werden, um zum Beispiel wissenschaftliche Daten darzustellen. Es gibt Leute, die damit Simulationen betreiben über zum Beispiel Pflanzenwachstum und eine Firma simuliert damit, wie das Verkehrschaos in Uppsala, Schweden dadurch gelöst werden könnte, dass man eine Einschienenbahn einbaut."

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