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StartseiteCampus & KarriereMassenschuluntersuchung für Flüchtlingskinder08.02.2016

Berliner CharitéMassenschuluntersuchung für Flüchtlingskinder

In Berlin gibt es derzeit 1.900 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Sie alle sind schulpflichtig. Doch bevor sie unterrichtet werden können, müssen sie medizinisch untersucht werden. Um die derzeit langen Wartezeiten abzukürzen, hat die Berliner Charité am Wochenende kurzerhand eine Massenuntersuchung für hunderte Kinder organisiert.

Von Kemal Hür

Ein Schriftzug des Berliner Charité Krankenhauses. (dpa/picture-alliance/Hubert Link)
An der Berliner Charité arbeitete Heinrich Finkelstein lange im Dienste der Kinder. (dpa/picture-alliance/Hubert Link)
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Ein großer Speisesaal des Rudolf-Virchow-Krankenhauses der Charité wurde zu einem Warteraum umfunktioniert. Minderjährige schulpflichtige Flüchtlinge werden hier zu ihrer Schuluntersuchung begrüßt. In Gruppen von 20 bis 40 Kindern und Jugendlichen kommen sie in den Saal. Es sind fast nur Jungen. Sie alle sind seit mehreren Monaten in Berlin als Flüchtlinge registriert. Weil Ende letzten Jahres sehr viele von ihnen in Berlin angekommen sind, konnten bis jetzt nicht alle für den Schulbesuch untersucht werden, sagt die Staatssekretärin für Jugend, Sigrid Klebba:

"Und durch diese Charité-Aktion hier heute erreichen wir, dass wir über 1.000 Jugendliche, die noch nicht alle Teile dieser Untersuchung absolviert haben, dass wir die körperlich untersuchen, ob sie eine Krankheit haben, wir eine Röntgenuntersuchung durchführen, dort, wo es notwendig ist und die jungen Menschen impfen können."

Erst untersucht, dann unterrichtet

Die meisten der untersuchten Jugendlichen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Sie sind seit mindestens fünf Monaten in Berlin. Nach der Untersuchung werden sie eingeschult und sollen zunächst in Willkommensklassen Deutsch lernen. 19 solcher Klassen befinden sich im Aufbau, weitere sollen folgen. Die Untersuchung leitet die Kinderärztin Valerie-Sarah Kirchberger. Sie beschreibt, was einen Jugendlichen hier erwartet.

"Er kommt rein mit Unterlagen, die er vorher schon von uns erhalten hat, einmal dieser Anamnesebogen, das heißt mit der medizinischen Vorgeschichte. Da wurden mit den Betreuern ausgefüllt: Bestehen Krankheiten, bestehen Allergien, nimmt er Medikamente? Und vor allem, hat er aktuell Symptome, wie Husten, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, was bisschen ein Hinweis auf Tuberkulose wäre, oder hat er sonst welche medizinischen Probleme?"

Keine auffälligen Befunde

Ergebnis der Untersuchung: Nichts Außergewöhnliches, sagt Kirchberger.

"Wir haben wirklich ganz wenig festgestellt. Ein paar Mal Krätze, was aber nichts Exotisches ist, sondern damit zu tun hat, dass man eng aufeinander ist. Ein paar Hepatitis-Fälle, aber eher von dieser Hepatitis A. Sonst eigentlich nichts, was ich nicht auch bei deutschen Jugendlichen erwarten würde. "

Nach der Massenuntersuchung werden alle schulpflichtigen Flüchtlinge die Voraussetzung für den Schulbeginn erfüllen. Mit den Jugendlichen selbst dürfen wir nicht sprechen. Sie seien ohnehin nervös und ängstlich, sagt die zuständige Referentin des Senats, Ulrike Herpich-Behrens, die als Vormund bei der Untersuchung dabei ist. Die meisten kommen aus Syrien und Afghanistan und stehen unter dem Schutz der Jugendämter, sofern sie keine privaten Vormünder haben. Sie wohnen in unterschiedlichen Unterkünften, weil die Einrichtungen der Jugendhilfe nicht ausreichen, sagt Herpich-Behrens.

"Wir haben sie untergebracht in Jugendgästehäusern, Jugendherbergen, Hostels, eigenen Räumen, die wir dafür ertüchtigt haben – immer mit sozialpädagogischer Betreuung, von Anfang an. Es geht ja erst einmal darum, dass sie eine Unterkunft haben, dass sie versorgt sind, dass sie betreut sind, und das haben wir organisiert."

"Wir wollten diesem wunderbaren Dream-Team doch gerne mit einem Blumenstrauß danken, weil dieses Zusammenspiel hat sehr, sehr gut funktioniert."

Erleichterung macht sich breit

Am Ende der Untersuchung macht sich Erleichterung bereit: Die Staatssekretärin bedankt sich mit Blumensträußen bei den 13 Ärzten und Helfern. Die Jugendlichen gehen zurück in ihre Unterkünfte. Und mit dem Beginn der Schulwoche sie in jetzt auch in ihren Willkommensklassen.

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