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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDeutscher Export trotz Wachstumsdelle möglich26.10.2015

ChinaDeutscher Export trotz Wachstumsdelle möglich

Mit 6,5 Prozent fällt das Wachstum Chinas nun deutlich geringer aus. Für deutsche Unternehmen gibt es dort aber dennoch viele Chancen. Angela Merkel wird so auf ihrer China-Reise von vielen Wirtschaftsvertretern begleitet.

Von Michael Braun

Die Börse in China (dpa/picture-alliance/Chen Kang)
Börse in China: Finanz-Know-how ist womöglich gefragt. (dpa/picture-alliance/Chen Kang)
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Es gibt noch Chancen in China, viele Chancen, auch wenn der neue, der 13. Fünf-Jahres-Plan des Landes von Wachstumsraten auf einem 25-Jahres-Tief ausgehen muss. Mit 6,5 Prozent im Schnitt immer noch genug, meint Horst Löchel, der Chinakenner und Volkswirtschaftsprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management:

"Natürlich, es sprudelt nicht mehr so schnell wie früher. Aber dass China ein entscheidender Markt für deutsche Unternehmen ist – da kann überhaupt gar kein Zweifel bestehen."

Das von einer Blase im Immobiliensektor bedrohte Land muss umschwenken, von der Investitions- hin zur Konsumförderung. Die Einkommen steigen überdurchschnittlich, eine kaufkräftige Mittelschicht wächst heran. Autos, Küchen, hochwertige Elektrogeräte, Lebensmittel, Medizin- und Umweltschutztechnik sind Produkte, die zum umgesteuerten Wirtschaftsmodell in China passen.

Umweltschutz und Finanzwissen als Exportprodukte

Zu mehr Lebensqualität in China gehöre auch mehr Umweltschutz, weiß er. Da habe Deutschland was zu bieten, ebenso wie bei den Finanzen:

"Der Finanzsektor ist wichtig. China ist ja dabei, seine Währung zu internationalisieren. Da braucht man eben einen funktionierenden Finanzsektor. Man hat ja bei den letzten Turbulenzen an den Aktienmärkten gesehen, dass da auch nicht alles Gold ist, was glänzt. Also da ist doch sicherlich Know-how-Transfer und Produkttransfer aus dem Westen, aus Deutschland weiterhin dringend erforderlich in China."

Deshalb reist das Management der Deutschen Börse mit, wenn die Kanzlerin aufbricht. Es geht um eine Kooperation mit chinesischen Börsenbetreibern. Das Ziel: den Handel mit chinesischen Finanzprodukten in Europa voranzutreiben.

Auch dabei: die Lufthansa. Die arbeitet an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Air China. Die Vertragspartner wollen sich auf bestimmten Strecken Verbindungen und Umsätze teilen. Lufthansa erhofft sich dadurch einen besseren Zugang auf dem zweitgrößten Luftverkehrsmarkt der Welt. Der neue VW-Chef Matthias Müller fährt auch mit. Er wird nicht nur mit China seinen größten Einzelmarkt besuchen wollen, dort gut Wetter für imagegeschädigte Autos mit dem VW-Emblem machen, sondern auch mit der Kanzlerin Dieselgate besprechen wollen.

Maschinenbauer sehen auch Auswirkungen der Russland-Sanktionen

Der eine oder andere Maschinenbauer würde die Bundeskanzlerin sicher gerne auf die Folgen der Russland-Sanktionen ansprechen. Ulrich Ackermann, Leiter der Außenwirtschaft beim Maschinenbauverband, wüsste die Richtung:

"Seit anderthalb, zwei Jahren ist China plötzlich der Liebling der Russen geworden. Sie wissen ja, dass grundsätzlich das Verhältnis zwischen China und Russland eigentlich nicht spannungsfrei ist. Und bei unserer Umfrage hat etwa ein Drittel der Befragten gesagt, dass sie glauben, dass sie im Moment Kunden an chinesische Wettbewerber verloren haben."

Politische Risiken in China gebe es aber kaum, meint Volkswirt Löchel:

"Die Lage ist hinreichend stabil. Richtig ist, dass natürlich nicht alle in der Regierung und in der Partei glücklich sind mit Liberalisierung, vor allem die nicht, die in den staatseigenen Betrieben sitzen, die auch wettbewerbsgeschützt sind. Das ist eine knallharte und auch mächtige Interessengruppe in der Partei."

Doch sei die Tiefe des Reformprozesses in China nicht zurückzudrehen.

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