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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Dezember 201431.12.2014

Die »lyrix«-Gewinner im Dezember 2014

'Salz - Weißes Gold' war unser Thema im Dezember. Zum Jahresabschluss wollten wir von euch wissen, ob Salz für euch mehr ist, als die Würze in eurem Mittagessen. Inspiration boten euch Exponate aus dem Salzmuseum Lüneburg und das Gedicht 'salat' von Ulrike Draesner. Hier sind die Gewinnertexte.

Salzgewinnung und Verarbeitung in Walvis Bay am Atlantischen Ozean (picture alliance / zb / Thomas Schulze)
Salzgewinnung und Verarbeitung in Walvis Bay am Atlantischen Ozean (picture alliance / zb / Thomas Schulze)

Salz: früher Luxusprodukt, heute etwas ganz Alltägliches. Im Dezember drehte sich bei »lyrix« alles um das 'weiße Gold', das vielen Städten jahrhundertelang zu großem Reichtum verhalf. Wir wollten von euch wissen, was ihr mit dem Mineral verbindet.

Einfallsreich und vielseitig sind die Texte, die uns erreicht haben. Sie handeln von lebensgefährlichen, gewaltigen Reisen durch Salzwüsten oder spielen mit der Idee von Salz als chemische Verbindung. Auch intensive, intime Momente des Abschieds mit salzig schmeckenden Tränen waren Thema eurer Gedichte. Ein Teilnehmer bringt das "Zauberzeug" Salz mit dem großen Ganzen zusammen: Für ihn ist es die magische Würze in der "Suppe des Lebens"

Vielen Dank für eure Einsendungen.

 

Die Monatsgewinner, Dezember 2014:

 

Salzwüste

 

Das weiße Gold brennt

heißer als die Sonne im tropischen Zenit

die Karawane will nicht, sie muss.

Wir trotzen dem Salzsturm

der sich langsam ankündigt

und gierig an unseren Wasservorräten zehrt.

Die Wüste breitet ihre Flügel aus

steigt in die Höhe

baut die Mauer auf

die uns niederreißt.

Wir kriechen weiter

vorwärts! immer weiter

trotzen dem weißen Tod

läuten unser Lied ein.

Salz verfeinert edle Speisen

und erstickt den faulen Keim

drum von allen weiten Reisen

bringen wir dies Wunder heim.

 

Vladimir Schadrin, Jahrgang 1996

 

 

 

Zauberzeug  - ein kleiner Zauberspruch für Alltagsglück -

 

kleine Flöckchen

tanzen durch den Raum

prasseln aus dem Streuer

entzünden einen Traum

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

die Körnchen fallen auf mein Ei

zaubern den Geschmack herbei!

der Einzug

ins neue Haus wird begangen

Glückwünsche und Trinksprüche

sollen die Besitzer erlangen

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

weiße Magie vertreibt die bösen Geister

Brot und Salz sind ihre Meister!

viele Facetten

geordnet nach Norm

bewundert den Schein,

die Spiegelung, die Form

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

die Gestalt der Kristalle

ergötzen und alle!

der Raum

im Ozean der Welt

in der unbekannten Tiefe

für uns Rätsel offenhält

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

schenkst uns Leben, unbekannte Wesen

lass uns von Meerestieren lesen!

Salz

in der Suppe des Lebens

wir genießen die Würze

den Glanz und das Glück

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

zip zap Zaubermut

fip fap Feuerglut

weißes Gold, du tust so gut!

 

Tom Bussemas, Jahrgang 2002

 

 

 

kristalltrüb

 

fade konformität

taktvoll trottend den bordstein entlang

augenlider halb geschlossen, halb vorbei, halb vergessen

pfeile prallen ab und sinken träge nieder

kein,

weder aus noch ein

dazwischen ohne dabei zu sein

halbherzige fragezeichen schweben lose

und dann

bewusste blicke öffnen weite

heute, jetzt, vielleicht auch morgen

raue hände greifen

zu

salzige taten entfachen pulsierende stärke

beginnen, planen, aufrecht blicken

krosses knäckebrot als wegbegleiter

endlich horizontlosigkeit

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(es orientiert sich an der bibelstelle der bergpredigt in der gesagt wird ihr seid das salz der welt wenn ihr, aber nicht salzt, womit dann.... wenn wir also nicht salzen, ändern, leben...dann schmeckt das leben fad...zum vergleich....)

 

Friederike Teller, Jahrgang 1998

 

 

 

Aufgerieben

 

Natriumchlorid

im Gitter des Kristalls

sich das Ja-Wort gegeben

Heirat aus Zwang

der Physik

geschuldet.

Verbunden gefangen

auf ewig bis dass

die Energie sie

scheidet.

Zermalmend das

universelle Zahnrad

namentlich Zeit

das Stärkste im

All.

Zerrieben zertrennt

auseinander gesprengt

zerstoben

die Teilchen

entzweit.

 

David Jansen, Jahrgang 1994

 

 

erdnusskerne rösten

 

lachend gingen wir auseinander

ohne süßes abschiesdrama

wir betonten

die gemeinsam gehabte zeit

wir versprachen

uns wiederzusehen eines tages

wir umarmten uns und

du verschwandest mit deinen koffern zum check-in auf ungewiss ohne einen weiteren blick

und da sitze ich wie

früher

hähnekrähen und vögel hören

bei kugelschreiberkratzen am teetisch

aber du? -

ich will wieder

erdnusskerne rösten

mit dir

und leise perlt

mir eine einsame träne durchs gesicht

und schmeckt

salzig

 

Aaron Schmidt- Riese, Jahrgang 1995

 

 

 

Und hier ein Beitrag "außer Konkurrenz":

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)

 

 

schmutziggrau

 

und glitzern und funkeln und feiner kristall:

das salz deiner tränen hat seinen geschmack verloren

konserviert nicht länger mein mitleid dies sind

ionisierte gefühle in symmetrischen gittern

welches wasser welches licht hat uns geboren

metall und nichtmetall teilchen mit konträrer

ladung dass wir uns so untrennbar anziehen und

träumst du noch manchmal vom meer

jetzt eine träne die von deiner haut auf

meinen finger läuft wird mich nicht halten von jedem

weiteren kuss bleibt auf meinen lippen salz

 

Ansgar Riedißer, Jahrgang 1998

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