Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteDokumente der WocheBärbel Bohley lädt Wolf Biermann nach Ost-Berlin ein24.10.2014

Dokument der WocheBärbel Bohley lädt Wolf Biermann nach Ost-Berlin ein

Was Radio so alles kann. Zum Beispiel brachte der Deutschlandfunk am 24.10.1989 Wolf Biermann und Bärbel Bohley zueinander. Bohley lud den 1976 ausgebürgerten Liedermacher zur Großdemonstration am 4.11.1989 auf den Alexanderplatz nach Ost-Berlin ein.

Bärbel Bohley und Wolf Biermann im Gespräch miteinander und mit Wolfgang Labuhn

Zu sehen sind Wolf Biermann (l.) und Ralf Hirsch (r.) am Grenzbahnhof Friedrichstraße in Berlin. Ihnen wird die Einreise nach Ostberlin verweigert. (picture-alliance / dpa / Peter Kneffel )
Als Wolf Biermann am 4.11.1989 Bärbel Bohleys Einladung aus dem DLF-Gespräch nachkommen will, da verweigert ihm die DDR ein letzes Mal die Einreise. (picture-alliance / dpa / Peter Kneffel )

In den 'Informationen am Morgen' stellt der Deutschlandfunk eine Live-Telefonschaltung zwischen dem in Hamburg lebenden Wolf Biermann und der
Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley in Ost-Berlin her. Hier ein Auszug:

Bärbel Bohley: "Du, eigentlich geht's mir wirklich ganz schön viel anders. Ich habe natürlich genau in dieselben Leute, in die du das Misstrauen hast, da hab ich das auch. Aber weißt du, wenn Leute auf die Straße gehen, in die habe ich ein ganz großes Vertrauen, dass die sich nicht tot reden lassen, dass die eigentlich ganz genau wissen, was Dialog ist. Und was da zur Selbstkritik gehört. Und dass dazu gehört, dass du auf unserer Demo am Vierten singen kannst."

Wolf Biermann: "Na, du hast ja tolle Pläne!"


Bärbel Bohley: "Wenn Selbstkritik da sein sollte, dann muss das möglich sein, dass du hier für uns singst."

Wolf Biermann: "Ich möchte so gerne bei euch sein und singen oder Handstand machen, das ist mir egal. Auf jeden Fall bei euch sein!"

Bärbel Bohley: "Am Vierten, Wolf!"

Ein Telefongespräch im Deutschlandfunk, das manch einen in der DDR ordentlich provozierte. "Der Spiegel" schrieb Anfang Dezember 1989:

"Vor fünf Wochen, Egon Krenz war längst Parteichef in Ost-Berlin, gab das Parteiorgan Neues Deutschland dem bis heute prominentesten Republik-Vertriebenen noch einmal Saures. Wolf Biermanns Telefongespräch mit Bärbel Bohley, vom Deutschlandfunk aufgezeichnet und gesendet, erboste einen Namenlosen aus der ND-Redaktion: "Wenn einer ständig von ,Kultur des Dialogs' redet", hieß es da an Biermanns Adresse, "und wider Sitte und Anstand darunter das Schmeißen mit solchem Dreck versteht, ist er bei uns völlig fehl am Platze."

Als Biermann am 4. November 1989 der Einladung via DLF nachkommen wollte, da wurde ihm die Einreise noch einmal verweigert. Ein letztes Mal.


Zu diesem „Dokument der Woche" haben wir 25 Jahre danach folgendes Interview mit dem Moderator des Gesprächs, Wolfgang Labuhn, geführt.

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