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StartseiteUmwelt und VerbraucherEin Kompass für Kreditwesen28.03.2012

Ein Kompass für Kreditwesen

SCHUFA legt alljährliche Schuldenbilanz vor

Immer mehr Deutsche leben auf Pump, sie zahlen ihre Schulden aber auch zurück. Das belegt der neue Kredit-Kompass der SCHUFA. Für ihren diesjährigen Bericht zum privaten Finanzverhalten legte die Schutzgemeinschaft den Fokus auf die Generation 60 plus.

Von Dieter Nürnberger

Ein besonderes Augenmerk legt die SCHUFA diesmal auf die Generation 60 plus.  (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)
Ein besonderes Augenmerk legt die SCHUFA diesmal auf die Generation 60 plus. (picture alliance / dpa / Andreas Gebert)

Im Wesentlichen konnte die SCHUFA - als Deutschlands größte und wohl auch bekannteste Auskunftei - keine großen Veränderungen präsentieren. Sie haben die Anzahl der privaten Ratenkredite angesprochen - über 17 Millionen Ende 2010 - die Zahl ist Ende 2011 fast konstant geblieben. 17,2 Millionen Ratenkredite waren es zum Ablauf 2011. Insgesamt ist die SCHUFA, die ja Daten von Banken und Versicherungen verarbeitet und auswertet, mit dieser Entwicklung recht zufrieden. Michael Freytag, der Vorstandsvorsitzende der SCHUFA Holding AG:

"Erfreulich ist, dass wir 97,5 Prozent aller Kredite im Jahr 2011 ordnungsgemäß bedient bekommen haben. Das heißt, es funktioniert. Wir haben nach wie vor eine sehr geringe Ausfallquote. Wir haben ein erhöhtes Durchschnittsvolumen: Während 2010 ein Kredit im Durchschnitt 7099 Euro ausmachte, waren dies 2011 7712 Euro. Hier gibt es bei den Verbraucherratenkrediten eine Steigerung um etwa zehn Prozent."

Dieser heute vorgestellte Kredit-Kompass 2012 zeigt auch wieder regionale Entwicklungen auf. Demnach haben die Menschen im Norden häufiger Schwierigkeiten, ihre Verpflichtungen zu begleichen. Das heißt konkret: Beim Kreditverhalten der Betroffenen ist hier von der SCHUFA mindestens ein Negativmerkmal in der Statistik vermerkt worden. Der Süden Deutschlands zeigt in der Regel eine höhere Verlässlichkeit der Kreditnehmer. Die SCHUFA vergleicht zudem Entwicklungen langfristige Entwicklungen. Auch hier interessante Ergebnisse. Michael Freytag.

"Es gab auch Jahre, wo eine besonders hohe Nachfrage verzeichnet werden konnte. 2009 beispielsweise in Verbindung mit Abwrackprämie. Es ist interessant festzustellen, dass wir im vergangenen Jahrzehnt eine sehr stabile Konstellation bei der Höhe der Kredite haben. Die Anzahl ist allerdings um rund 50 Prozent gestiegen. Die Rückzahlung verläuft oft genauso reibungslos - heutzutage genauso reibungslos wie vor zehn Jahren."

Ein besonderes Augenmerk legt die SCHUFA diesmal auch auf die Generation 60 plus. Und hier sind die Ergebnisse noch besser als im allgemeinen Durchschnitt. Diese Zielgruppe zeichne sich durch besondere Zahlungstreue und Zuverlässigkeit aus, so die SCHUFA. Aktuell leben in Deutschland rund 21,5 Millionen Menschen, die älter als 60 Jahre sind. 2030 werden es aber schon 28,5 Millionen sein, dann rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung.

Karsten John, Finanzmarktexperte der Gesellschaft für Konsumforschung, spricht von einer starken Generation.

"Sie verfügt über eine ungeheure Kaufkraft. 400 Milliarden jährlich sind es nach unseren Berechnungen. Diesen Betrag können sie für die Binnennachfrage nutzen. Die Vermögenssituation ist in dieser Generation sehr gut: Das Sparvolumen beträgt rund 30.000 Euro pro Haushalt, die Eigentumsquote im Immobilienbereich ist mit knapp 60 Prozent deutlich höher, als bei den Jüngeren. Das wird auch so bleiben. Das trägt dann zum Wohlstand - auch durch Vererbung - bei."

Und konsumiert wird eigentlich auch das, was alle anderen verbrauchen. Ausgaben für Reisen, für Unterhaltungselektronik, für Automobile - das alles spiele in der Generation 60 plus eine ganz selbstverständliche Rolle, sagt Konsumforscher Karsten John.

"Diese Generation ist eine sehr solide Generation. Sie spart und vererbt genug - obwohl sie das Leben genießen will. Das Geld wird somit auch in langlebige Wirtschaftsgüter investiert. Das erklärt für uns auch die geringe Ausfallquote bei den Krediten."

Allerdings seien gleichzeitig auch die ersten Anzeichen von Altersarmut erkennbar. Derzeit betreffe dies vor allem alleinstehende Frauen. In 15 Jahren aber würde diese Anzahl generell zunehmen, so die SCHUFA. Das hänge vor allem mit dann wohl geringeren Renten zusammen, aber auch mit einer nicht ausreichenden privaten Vorsorge in diesem Bereich.

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