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StartseiteUmwelt und VerbraucherHamburg will Vorreiter werden02.09.2014

ElektromobilitätHamburg will Vorreiter werden

Viele liebäugeln mit einem Elektro-Auto, schaffen es sich dann aber nicht an. Zu teuer, zu schnell leer gefahren - und zu wenige "Tankstellen". Zumindest diese Furcht soll in der Region Hamburg bald der Vergangenheit angehören.

Von Axel Schröder

Ein orangefarbenes Elektro-Auto mit der Aufschrift "Tesla" ist an eine Ladestation angeschlossen. (picture alliance / dpa / Lex Van Lieshout)
Schon Ende 2013 hat Hamburg eine erfolgreiche Bundesratsinitiative gestartet, die Parkplätze an Ladesäulen für E-Autos reservieren soll. Bisher sind diese Plätze oft von Benzinern oder Dieselfahrzeugen zugeparkt. (picture alliance / dpa / Lex Van Lieshout)
Weiterführende Information

Längere Distanzen möglich als gedacht (Deutschlandfunk, Deutschland heute, 25.08.2014)

Elektroautos - Ideen zu verschenken (Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 13.06.2014)

Elektroauto-Rallye - Klimaneutral und ökologisch "sauber" (Deutschlandradio Kultur, Ortszeit, 31.05.2014)

E-Mobilität - Die Elektroauto-Batterie (Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 27.04.2014)

Walter Leal leitet das 2011 initiierte EU-Projekt "Elektromobilität in der Nordseeregion". Leal forscht an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften und liefert eine Erklärung dafür, warum der Markt für Elektrofahrzeuge nur langsam wächst:

"Es liegt meistens an unserem Kopf! Wir haben Angst, dass wir irgendwo auf der Strecke bleiben, das Auto einfach stehen bleibt. Diese Angst war früher berechtigt. Jetzt nicht mehr. Die neuesten Autos können locker 200, 300 Kilometer bestehen ohne Probleme, bevor sie noch mal aufgeladen werden. Was fehlt, ist natürlich noch mehr Infrastruktur."

Also vor allem mehr Stromzapfsäulen im öffentlichen Raum oder Werkstätten, die Elektroautos reparieren können. Dass es vor allem die Einstellungen, die jahrzehntelangen Prägungen der Verbraucher sind, die den Umstieg von dröhnenden und stinkenden, CO2 und Ruß ausstoßenden Vehikeln auf leise und saubere, mit Öko-Strom betriebene Fahrzeuge behindern, betont auch Dr. Martin van der Steen von der Netherlands School of Public Administration:

"Der Grund, warum die Menschen benzingetriebene Autos wollen, ist, dass sie immer eins hatten. Sie sind daran gewöhnt! Es gibt also keine Leidenschaft für die Benziner, sondern nur eine Gewöhnung daran. Wenn man den Leuten hilft, ihnen die Alternative präsentiert, ihnen zeigt, dass diese Alternative genauso attraktiv ist, erhöht man die Chancen, dass sie sich ein Elektroauto kaufen."

Für mehr Wissen bei Autofahrern sorgen

Van der Steens dänischer Kollege Stehen Olesen lieferte Beispiel, wie das mit ganz einfachen Mitteln funktionieren kann: Sein Team hat Aktionstage organisiert, bei denen Elektroautos auf den Marktplätzen Dänemarks nicht nur ausgestellt, sondern auch probegefahren werden konnten. Und belgische Forscher haben eine Smartphone-App entwickelt, die sich Fahrer von Verbrennerfahrzeugen aufs Armaturenbrett legen können, und so während ihrer Touren ablesen können, wie ein Elektroauto die Alltagsfahrten gemeistert hätte, ob die Akkuladung ausreichen würde, wie hoch die Kosten wären und welcher Hersteller das richtige Elektrofahrzeug für das persönliche Fahrverhalten im Angebot hat. Bislang sei auch kaum bekannt, welche Versicherungen besonders günstige Tarife für Elektroautos anbieten und wie viel preiswerter ein solcher Wagen über die gesamte Nutzungsdauer ist. Ob sich reine Elektroautos durchsetzen oder mit Wasserstoff betankte Brennstoffzellenfahrzeuge, ist noch nicht entschieden, erklärt Walter Leal von der TU Hamburg-Harburg:

"Aber bei beiden Technologien gibt es einen gemeinsamen Trend: nämlich, desto mehr Autos produziert werden, desto günstiger werden sie. Das heißt, in fünf, sechs Jahren sind wir in der Lage zu definieren, welche Technologie, E-Auto oder Wasserstoffauto, sich durchsetzt. Ich persönlich denke, dass es im Markt Platz für zwei Technologien gibt."

Hamburg als Pilotregion

Ganz praktisch geht dabei die Stadt Hamburg voran. Als Pilotregion für Elektromobilität verfügt die Hansestadt nicht nur über drei Wasserstofftankstellen für Brennstoffzellenbusse der Hochbahn. Im nächsten Schritt soll die Zahl der Stromzapfsäulen von heute 140 auf knapp 600 Stationen mehr als vervierfacht werden. Schon Ende 2013 hat Hamburg eine erfolgreiche Bundesratsinitiative gestartet, die Parkplätze an Ladesäulen für E-Autos reservieren soll. Bisher sind diese Plätze oft von Benzinern oder Dieselfahrzeugen zugeparkt. Bei Hamburger Unternehmen nehmen die Berührungsängste mit der neuen Technik mittlerweile ab, erklärt Peter Lindlahr, der mit seiner Firma hySolutons für die Hansestadt den Ausbau der Elektromobilität vorantreibt:

"Die Akzeptanz in den Betrieben ist hoch. Der dauerhafte Einsatz ist wirtschaftlich, weil die Betriebskosten so niedrig sind. Es sind die hohen Beschaffungskosten, es ist der Ausbau von Ladeinfrastruktur, der dringend erfolgen muss. Und es ist die Erfahrung, die jeder machen muss, privat wie auch gewerblich, dass man mit der Reichweite auch hinkommt und dass es unbegründet ist, darüber nachzudenken, das Ziel nicht zu erreichen."

Hoffnung auf ein Wachstum der Elektroauto-Flotte an der Elbe macht eine Umfrage der Hamburger Handelskammer: danach sind die Unternehmen bereit, bis 2020 18.000 stromgetriebene Fahrzeuge auf die Straßen zu schicken. Ein echter Durchbruch wäre das aber nicht. Immerhin sind in Hamburg heute über 800.000 ganz altmodische, stinkende und dröhnende, mit Benzin und Diesel befeuerte Fahrzeuge unterwegs.

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