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StartseiteInterviewVorfahren nur im übertragenen Sinne13.09.2015

Entdeckung des "Homo naledi"Vorfahren nur im übertragenen Sinne

Die Knochenfunde in einem südafrikanischen Höhlensystem wurden als Entdeckung einer neuen Menschenart gefeiert. Es handele sich aber wohl nicht um direkte Vorfahren des heutigen Menschen, sagte der Anthropologe Christoph Zollikofer im DLF. Sie seien uns aber ähnlicher als alle anderen heute lebenden Arten von Menschenaffen.

Christoph Zollikofer im Gespräch mit Wolfgang Koczian

"Homo naledi": Die Knochenfunde in der Rising Star Höhle. (picture alliance / dpa / John Hawks / University Of Wisco)
"Homo naledi": Die Knochenfunde in der Rising Star Höhle. (picture alliance / dpa / John Hawks / University Of Wisco)
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Die Funde des "Homo naledi" würden in in der Wissenschaft als Hominiden eingeordnet, die nächsten fossilen Verwandten des Menschen. "Wo man jetzt hier den Trennungsstrich zieht und sagt, das ist jetzt ein Mensch oder nicht, das ist letzten Endes sehr subjektiv." Das hänge auch davon ab, was man mit einem solchen Fund aussagen möchte, sagte Christoph Zollikofer, Professor für Anthropologie in Zürich, im Deutschlandfunk. Die Kriterien dafür würden nicht nur von den Naturwissenschaften aufgestellt. Entscheidend sei, was eine Gesellschaft darüber denke, was einen Menschen ausmache. 

"Keine Anzeichen von Kultur"

Es sei durch die Medien gegangen, dass es sich hier um eine neue Art Mensch handele. Mit der Gattung "Homo" sei er durchaus einverstanden, sagte der Forscher. Darunter verstehe man Hominiden, die hauptsächlich auf zwei Beinen gingen. Bei den Funden handele es sich aber "mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht um Vorfahren von uns", betonte Zollikofer. "Wir können nicht vermuten, dass die Skelette, die dort liegen, unsere Ururur-usw.-Großeltern sind. Das ist sehr unwahrscheinlich." Vorfahren im übertragenen Sinne seien sie aber durchaus. Denn sie seien näher mit uns verwandt als alle anderen heute lebenden Arten von Menschenaffen.

Dagegen sei etwa der Neanderthaler dem heutigen Menschen sehr ähnlich. Bis heute stritten sich die Experten, ob er eine Unterart vom "Homo sapiens" oder eine eigene Art sei. Der Neanderthaler und der heutige Menschen hätten bedeutend größere Gehirne und eine komplexe Kultur. Dagegen habe der "Homo naledi" nur "ein sehr kleines Gehirn" und "keine Anzeichen - zumindest keine direkten Funde - von Kultur".

Das vollständige Interview können Sie sechs Monate in unserem Audio-Player nachhören.

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