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StartseiteEine WeltEskalation im Gelben Meer27.11.2010

Eskalation im Gelben Meer

Das Selbstverständnis der USA im Koreakonflikt

Martialische Töne aus Nordkorea, Vergeltungsdrohungen aus dem Süden des geteilten Landes. Ein amerikanischer Flugzeugträgerverband im chinesischen Meer, mit 7000 Soldaten und 75 Flugzeugen. Auch wenn die gemeinsamen Manöver schon vor längerer Zeit geplant worden sind. Sie stehen natürlich in Zusammenhang mit der jüngsten Eskalation.

Von Klaus Remme

Südkoreanische Marines bewachen eine militärische Basis auf der Insel Yeonpyeong (AP)
Südkoreanische Marines bewachen eine militärische Basis auf der Insel Yeonpyeong (AP)

Generalstabschef Mike Mullen gegenüber CNN: Es ist als klares Signal zur Abschreckung gedacht, in enger Zusammenarbeit mit Südkorea so Mullen. Die Wurzeln der Sicherheitspartnerschaft zwischen Washington und Seoul liegen im Kalten Krieg, den Folgen des Korea-Kriegs in den 50er-Jahren. Die USA agierten als klassische Schutzmacht. Doch auch über zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer ist dies noch immer eine klassische Allianz des 20. Jahrhunderts. Eine Neuausrichtung ist überfällig. Denn Seoul hat sich in dieser Zeit durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung vom Schützling zum Partner im Kreis der einflussreichen G-20 Nationen gemausert. Wenn jetzt einmal mehr über die richtige amerikanische Antwort auf nordkoreanische Provokationen diskutiert wird, muss dies berücksichtigt werden, so Christopher Hill zu PBS, er führte die US-Verhandlungen mit Pjöngjang von 2005 bis 2008:

Das Wichtigste sei die Beziehung zu Südkorea. Nordkorea bleibt hingegen das Land lausiger Optionen, wie Experte Viktor Cha vom Center for Strategic und International Studies in Washington sagt. Offizielle diplomatische Beziehungen mit Pjöngjang gibt es nicht. Die letzten Jahre waren geprägt durch einen Kreislauf von Provokationen Nordkoreas, internationalen Sanktionen, Gesprächen und Verhandlungen auf multi-nationaler Basis, sowie weiteren Verstößen Nordkoreas zum Beispiel gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Präsident Obama will diesen Kreislauf durchbrechen und stellt Vorbedingungen für eine Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche, etwa nachprüfbare Konzessionen bei der atomaren Rüstung. Kaum ein geostrategischer Einflussbereich ist so heikel. Washington muss Interessen von China, Russland und Japan berücksichtigen. Auch wenn jetzt vor einer möglichen Eskalation gewarnt wird, niemand hat Interesse an einem offenen Krieg auf der koreanischen Halbinsel. Zuallerletzt Washingtons wichtigster Verbündeter in der Region, Südkorea. Selbst ohne Atomraketen verfügt Pjöngjang über ausreichend konventionelle Waffen die Seoul bedrohen. Insofern sind die Seemanöver der nächsten Tage kaum mehr als eine symbolische Geste. Wichtig dennoch meint Christopher Hill:

"Das Schlimmste was wir tun könnten, wäre, diese Manöver abzusagen, als seien wir beeindruckt durch das empörende Verhalten Nordkoreas."

Doch auch wenn sich die Amerikaner als unverzichtbarer, stabilisierender Faktor in der Region sehen. Es gibt keinen rechten Hebel für Einflussnahme auf Nordkorea. Washington hofft auf deutliche Worte aus Peking. Bisher vergeblich. China stützt das Regime in Pjöngjang aus Angst vor unabsehbaren Folgen nach einem möglichen Kollaps der Kim Diktatur. Nordkorea ist nicht nur in etwa so groß wie die ehemalige DDR, Peking sieht das kleine Nachbarland auch in einer ähnlichen Rolle, wie sie der Osten Deutschlands lange Jahre für Moskau gespielt hat. Die südkoreanisch-amerikanischen Manöver der nächsten Tage können auch in diesem Kontext gesehen werden. Schon einmal, 2003, entschlossen sich die Chinesen nach der Entsendung von US-Kriegsschiffen und der Drohung militärischer Schläge gegen Nordkorea zur internationalen Kooperation. Neben Handelsinteressen und einem Gegengewicht zu China sind es die nuklearen Ambitionen Pjöngjangs, die Washington in der Region halten. Neue Erkenntnisse über eine nordkoreanische Anlage zur Urananreicherung lassen Verhandlungen auf Dauer unverzichtbar erscheinen. Jimmy Carter plädiert schon jetzt dafür. Der ehemalige US-Präsident hat im Juli Gespräche in Nordkorea geführt. Pjöngjang sei bereit über einen Ausstieg aus dem Atomprogramm und einen Friedensvertrag zu verhandeln, so Carter in der Washington Post.

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