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StartseiteKalenderblattDie Dame unter den Dada-Künstlern01.11.2014

Hannah HöchDie Dame unter den Dada-Künstlern

Sie war eine der wenigen Frauen im Kreis der Dada-Künstler: Hannah Höch. Ihre Collagen wurden im Museum of Modern Art in New York ausgestellt - nachdem sie den Nationalsozialismus trotz kritischer Kunst unbeschadet überstanden hatte. Heute wäre sie 125 Jahre alt geworden.

Von Rainer B. Schossig

"Die Journalisten" von Hannah Höch aus dem Jahr 1925. (dpa/picture alliance/Stephanie Pilick)
"Die Journalisten" von Hannah Höch aus dem Jahr 1925. (dpa/picture alliance/Stephanie Pilick)
Weiterführende Information

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(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 07.07.2011)

"Meine erste Collage, die fällt also auf 1904: Eine kleine Landschaft - in dem Fall unser Garten mit einem Figürchen, mein Schwesterchen, das lehnt da an einem Baum. Habe ich schön munter geklebt, ganz hübsch so ausgeschnitten, die Bäume und alles farbig sehr hübsch. Und das ist meine erste Collage!"

Lange bevor sie Dada-Künstlerin war, klebte Hanna Höch schon Blätter aus bunten Papieren zusammen. Als das Bild "Nitte unterm Baum" entstand, war sie gerade 15 Jahre alt. "Meine erste Collage" - das war ihr wichtig, weil sie Streit hatte mit ihrem Lebensgefährten, Raoul Hausmann, über die Urheberschaft der Collage.

Hannah Höch wird am 1. November 1889 als älteste Tochter einer gutbürgerlichen Familie in Gotha geboren. Sie besucht die Kunstgewerbeschule in Berlin-Charlottenburg. Die legendäre Futurismus-Ausstellung in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" beeindruckt sie tief. Als der Psychoanalytiker und Schriftsteller Richard Huelsenbeck vom Zürcher "Cabaret Voltaire" mitten im Ersten Weltkrieg die verrückten Ideen der Dada-Bewegung von Zürich nach Berlin bringt, macht sie schon feminine Collagen aus feiner Brüsseler Spitze und banalen Schnittmusterbögen. Zeitgleich mit der Weimarer Republik gründen Johannes Baader, George Grosz und John Heartfield den Berliner "Club Dada". Hannah Höch erinnerte sich später gut, wie sie und Hausmann Fotos montierten.

"Hausmann und ich, wir haben ein ulkiges Soldatenbild gefunden, was in den Familien aufgehängt wurde: Embleme, Fahnen usw. drumherum; und da war aber hineingeklebt der Kopf des jeweiligen Sohnes. Diese Kombination von Collage und Fotomontage."

Lebenslange Freundschaft mit Kurt Schwitters

In der ersten Berliner Dada-Ausstellung 1919 im Graphischen Kabinett bei I.B. Neumann zeigt Hannah Höch noch abstrakte Aquarelle und expressionistische Zeichnungen. Sie studiert bei dem Prager Künstler Emil Orlik und engagiert sich in der "Novembergruppe". Dann lernt sie den hannoverschen "merz"-Künstler Kurt Schwitters kennen, und eine lebenslange Freundschaft beginnt.

"Schwitters war ein sehr fantasievoller Mensch, er war auch ein guter Mensch. Aber maßgeblich ist auch die armselige Zeit, unser Material, weil: Wir hatten ja nix. Jede Verlobungskarte war Luxussache, edles Papier waren alles Kostbarkeiten. Schwitters hatte gefunden, dass man das auch verwerten könne, wie man alles machen kann, wenn man's kann."

Schwitters' skurrile Material-Collagen inspirieren sie zu ihrer berühmten Foto-Collage "Schnitt mit dem Küchenmesser Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands", zusammengesetzt aus einem Wirbelsturm ausgeschnittener Künstler- und Politikerporträts, technischer und Alltagsgegenstände und plakativer Wörter aus Schlagzeilen. 1922 trennt sie sich von Hausmann; sie freundet sich mit Hans und Sophie Arp an, mit Tristan Tszara, Nelly van Doesburg sowie dem Sonderling Piet Mondrian. Auf einer Reise nach Holland lernt sie die Lyrikerin Til Brugmann kennen. Bis 1935 wird sie - zunächst in Holland, später in Berlin - mit ihr zusammenleben.

Zweiten Weltkrieg zurückgezogen überstanden

Auch auf Hannah Höch wirft die Nazi-Diktatur ihre Schatten. Ihre Kunst wird engagierter, ihre Gemälde spielen nun auf Repression und Judenverfolgung der Nationalsozialisten an, NS-Kampfschriften bezeichnen sie als deutsche "Kulturbolschewistin". Doch auf der Propaganda-Schau "Entartete Kunst" ist sie nicht vertreten. Den Zweiten Weltkrieg übersteht Hannah Höch zurückgezogen in einem Häuschen mit Garten in Heiligensee, nördlich von Berlin.

"Das ist nun das einzige, was ich zu meiner Freude mache, zu sehen, wie in wenigen Monaten das da hoch wächst. Und die Düfte, ich liebe sehr die Düfte, weil das schön ist."

1946 werden ihre Fotomontagen in Berlin wieder gezeigt. Zwei Jahre später beteiligt sie sich an der "DADA-Retrospektive" im Museum of Modern Art in New York. Zahlreiche internationale Ausstellungen ehren sie als die Dame im Gruppenbild der Dada-Künstler. 1978 ist Hannah Höch in ihrem Haus in Heiligensee im Alter von 88 Jahren gestorben.

 

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