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StartseiteWirtschaft und Gesellschaft"Als Kleinhändler kommen wir nicht mehr mit"20.12.2017

Herstellerrabatte für Großkunden"Als Kleinhändler kommen wir nicht mehr mit"

Kleine Spielzeugläden haben es schwer gegen große Händler im Internet und Discounter - auch oder besonders in den Tagen vor Weihnachten. Dazu kommt, dass Hersteller offenbar größere Kunden bevorzugen.

Von Jessica Sturmberg

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Die Puppe "Cayla" in Originalverpackung zwischen anderem Spielzeug. (AFP/LEON NEAL)
Der kleine Spielzeugladen von neben an tut sich schwer gegen Amazon und Discounter (AFP/LEON NEAL)
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"Wir sind hier in Köln-Zollstock, kleiner Laden, 80 qm, ich glaube er bricht momentan von der Ware auseinander und irgendwo haben wir alles versteckt, sei es unten im Keller, sei es im Lager. Also ich denke mal, jeder kommt hier auf die Kosten. Ich glaube, es ist hier ein Einkaufserlebnis."

In Michael Siegenbrucks Spielzeuglädchen misi's ist es eng, auf den 80 Quadratmetern bietet er alles an, was Kinder gerne zum Spielen haben. Figuren, Bastelsachen, Experimentierkästen, Brettspiele, Bücher und auch Kleinkram. Wenn er gerade in diesen jetzt für ihn so wichtigen Verkaufstagen die Spielwarenangebote bei Lebensmitteldiscountern sieht oder auch die Angebote vor allem von Amazon, ärgert er sich oft. Da sind die gleichen Produkte aus seinem Laden mit Preisen …

" ... wo wir als Kleinhändler absolut nicht mehr mitkommen. Und natürlich auch bei den großen Discountern, wo die Sachen unter meinem Einkaufspreis angeboten werden. Zum Beispiel gerade bei Tiptoi gibt es ein Starterset oder ein kleines Set, das kostet 11,49 Euro bei Lidl. Da komme ich momentan nicht mal vom Einkaufspreis ran."

Rabatte für Großmengen

TipToi, ein audiodigitaler Lernstift für Kinder. Hersteller ist Ravensburger. Gewährt der Spielwarenhersteller den großen Vertreibern, Discountern, Kaufhäusern und Onlinehändlern bessere Konditionen als dem kleinen Spielzeugladen?

Ein anderer kleiner Laden in Köln: Hampelmann, ähnlich groß, liebevoll eingerichtet, auch hier sind die Gänge eng, auf den dekorierten Tischen gibt es viel zu entdecken, nur keine Ravensburger Produkte. Die Abnahmemengen seien zu hoch gewesen, und so haben sie es lieber gelassen, erzählt Anja Löwe:

"Wenn Hersteller eine große Abnahmemenge haben, ist das für so ein kleines, schönes Geschäft gar nicht händelbar, weil wir jetzt ja keine riesigen Lagerflächen haben."

Probleme hat Hampelmann auch mit Schleich, dem Hersteller von Hartgummi-Figuren. Eigentlich wollen die Inhaberinnen die Tiere gar nicht mehr anbieten. Denn sie bekommen diese nicht mehr direkt über Schleich, sondern nur noch über den Großhandel zu Konditionen, bei denen sie nichts mehr verdienen, erzählt Fachverkäuferin Anja Löwe. Trotzdem bieten sie Schleichprodukte weiter an.

"Unsere Kundinnen und Kunden kaufen ja dann nicht nur die Schleich-Sachen bei uns, sondern sie sollen sich ja wohlfühlen und das finden, was sie für ihre Kinder wollen und das ist halt ein bisschen das Dilemma, in dem wir stecken. Wir bieten es mit an, aber eigentlich müsste das Regal draußen vor der Tür stehen. Es kostet eigentlich nur den Ladenplatz."

Hersteller antworten zurückhaltend

Was sagen die beiden Hersteller, Ravensburger und Schleich dazu? Sie betonen auf Anfrage, dass ihnen der Fachhandel sehr wichtig sei und sie diesen weiter unterstützten. Denn nirgendwo anders könnten ihre Produkte in einer Erlebniswelt präsentiert und dazu Fachberatung gewährleistet werden. Beide unterhalten auch ein großes Außendienstteam. Aber wenn es um Konditionen geht, heißt es bei Ravensburger:

"Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir über Interna wie Handelskonditionen keine Auskunft geben. Die Preisgestaltung wiederum können wir nicht kommentieren, da nicht wir, sondern der Händler die Preise im Handel festlegt."

Aber es ist nicht mehr nur ein Preiskampf. Denn oft ist etwa Onlinehändler Amazon gar nicht günstiger, sagt die Kölner Spielwarenhändlerin Anja Löwe. Sondern sogar teurer. Trotzdem hat vom steigenden Konsum bei Spielzeugwaren in den vergangenen Jahren vor allem Amazon profitiert. Dadurch, dass inzwischen schon viele kleine Läden aufgegeben haben, konzentrieren sich Hersteller nun zwangsläufig auf neue Vertriebswege, sagt Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms. Auch die Verbundgruppen und Einkaufskooperationen wie Vedes oder "idee und Spiel" könnten die strukturellen Nachteile nicht aufwiegen:

"Diese Einkaufskooperationen verhandeln typischerweise Kopfkonditionen, aber nicht Mengenrabatte, wie es beispielsweise große Händler tun können."

Schließlich wollen die kleinen Händler immer noch selbst bestimmen, was und wie viel sie in ihrem Laden anbieten wollen. Und in diesem schwierigen Marktumfeld ist es letztlich ihre Kreativität und ihre Innovationsfreude, die darüber entscheidet, ob sie überleben und ob sie es schaffen, die Kunden in ihre Läden zu holen.

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