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StartseiteUmwelt und VerbraucherElektroautos - besser als ihr Ruf15.12.2017

HörerweltenElektroautos - besser als ihr Ruf

Sind Elektroautos ökologischer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren? Fazit in einem Dlf-Beitrag: Noch sind die elektrobetriebenen Autos nicht klimaneutral. Ein Maschinenbaustudent kam jedoch zu einem anderen Ergebnis - und erläutert der Autorin seine umfangreichen Rechercheergebnisse.

Von Uschi Götz

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Maschinenbaustudent Daniel Henninger (Deutschlandradio/Uschi Götz)
Maschinenbaustudent Daniel Henninger präsentiert Dlf-Autorin Uschi Götz seine "Überlegungen zur Nachhaltigkeit von Batteriespeichern in Elektrofahrzeugen" (Deutschlandradio/Uschi Götz)
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Sind Elektroautos ökologischer als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren? Das war eines meiner Recherchethemen in diesem Sommer. Mein Fazit auf Grundlage von Studien in einem Beitrag: Noch sind Elektroautos nicht klimaneutral. Ein Maschinenbaustudent fand Ende November den Beitragstext auf der Homepage des Deutschlandfunks. Und schrieb sofort eine E-Mail:

"Liebe Frau Götz, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie Ihren Artikel nicht besonders gut recherchiert haben. Ich habe mir die Quelle angeschaut und komme zu einem anderen Ergebnis."

"Es würde mich sehr freuen, wenn sie dies richtigstellen würden", heißt es weiter in der Nachricht.

"Wir haben eine Verantwortung"

Knapp 14 Tage später reise ich mit dem Zug zu dem Adressanten nach Offenburg. Daniel Henninger erwartet mich auf dem Hochschulgelände vor dem Gebäude E, ein Neubau mit viel Holz im Inneren. Er hält die Türen auf, geht voraus, perfekte Manieren, das fällt sofort auf. Vorbei an Hörsälen gehen wir in den vierten Stock. In einer Teeküche hat mein Kritiker den Tisch gedeckt:

"Ich beschäftige mich schon länger mit umweltgerechtem Wohnen, Essen, Leben. Mit zwei kleinen Töchtern hat man ja auch irgendwie eine Verantwortung und die Zukunft näher vor Augen."

Auf dem Tisch stehen Kaffee und Tee, auch einen Kuchen hat der aufmerksame Mann besorgt. Sein Alter ist schwer zu schätzen. Mit seinen kurzen, schwarzen Haaren wirkt er jugendlich. Und doch ist er 38 Jahre alt, war im Erstberuf Orgelbauer. Dann kam die Familie und so entschied er sich für ein Studium.

"Man muss schon den deutschen Strommix annehmen"

Wir sind bei meinem Beitrag, in dem ein Experte sagte, Elektroautos seien bis mindestens 2030 mit Blick auf die CO2-Emission nicht besser als Verbrennungsmotoren. Für eine künftige, klimaneutrale Elektromobilität sei auch ein deutlicher Ausbau der regenerativen Energiequellen notwendig.

Daniel Henninger klappt behutsam seinen Laptop auf. Ich esse Linzer Torte:

"Also ich habe mit den unterschiedlichsten Leuten gesprochen, dann habe ich mit verschiedenen Professoren mich unterhalten, dann habe ich einen Wirtschaftsingenieur in Berlin über einen Kumpel anrufen können. Der sich jetzt in den Energiewirtschaft tummelt."

Lachend gibt er jetzt zu:

"Ich hatte es erst nicht wahrhaben wollen, aber ich muss gestehen, frustrierenderweise zu dem Schluss zu kommen, dass man für die Berechnung des C02-Gehalts schon den deutschen Strommix annehmen muss."

Ein Teil meines Beitrags war also durchaus richtig. Am Tisch in der Teeküche geht es ernsthaft weiter:

"Jetzt noch einmal ins Detail. Sind Sie auch dafür zu haben?"

Ungenaue Auswertung der schwedischen Studie

Ich bejahe und auf dem Bildschirm erscheinen unter der Überschrift "Überlegungen zur Nachhaltigkeit von Batteriespeichern in Elektrofahrzeugen" die ersten Folien, die Herr Henninger nur für unser Treffen vorbereitet hat. Wir sind bei einer schwedischen Studie, aus dieser habe ich zitiert. Daniel Henninger hat nochmal ein Ergebnis nachrecherchiert:

"Wobei - ich habe es nicht in der Studie gefunden, sondern ich habe es in der Zeitschrift Ingeniøren, das ist eine dänische Zeitschrift, die hat diese Autoren wieder zitiert. Die schwedische Studie war eigentlich nur eine Metastudie zur Umweltverträglichkeit von Batteriespeichern."

Einige Medien, darunter auch ich im Deutschlandfunk, zitierten das Ergebnis der schwedischen Studie so, dass die Produktion einer Batterie für ein Elektroauto umweltschädlicher ist als bisher angenommen. Erst wenn beispielsweise ein Tesla Model S mindestens acht Jahre gefahren wird, hat er eine bessere CO2-Bilanz gegenüber einem Verbrennungsmotor.

Kleinere Fahrzeuge schneiden besser ab

Doch ein Tesla lässt sich nicht mit anderen Elektrofahrzeugen vergleichen, erklärt Henninger:

"Hier in der schwedischen Studie haben sie ja genauso einen Nissan Leaf genommen und der schneidet natürlich schon besser ab."

Tatsächlich ist dieses kleinere Elektrofahrzeug bereits nach weniger als drei Jahren im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mit einer besseren CO2-Bilanz unterwegs. Hätte ich die Studie durchgelesen, wäre mir das vorher aufgefallen.

Ein ganzer Mittag ist fast vorbei. Wir haben beide dazu gelernt. Alle seine umfangreichen Rechercheergebnisse liefere ich in der Fachredaktion ab. Das sichere ich dem aufmerksamen Studierenden beim Abschied auf dem Campus zu.  

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