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StartseiteEuropa heuteDas Geschäft rund ums Leder22.01.2016

Italienische Recycling-InitiativeDas Geschäft rund ums Leder

Leder ist ein italienischer Exportschlager. Allerdings fallen bei der Herstellung Abfallprodukte an, die teuer entsorgt werden müssen. Der Verband italienischer Lederproduzenten will das nun ändern.

Von Kristin Hausen

Echt Leder Gürtel im Strassenverkauf von Florenz, aufgenommen am 24.03.2012.  (picture-alliance / dpa/ Lars Halbauer)
Mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz verzeichnete die italienische Lederindustrie 2015. (picture-alliance / dpa/ Lars Halbauer)
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Mehr zum Thema hören Sie am Samstag, 23.01.2016, in der Sendung "Gesichter Europas".

Filmpremiere in Mailand. Der Kurzfilm über die Geschichte des Gerbens und Färbens von Leder im antiken Pompeji reißt das Publikum von den Stühlen. Kein Wunder: Es sind die Lederproduzenten Italiens, die sich hier, in einem Luxushotel am Mailänder Hauptbahnhof, versammelt haben, um Strategien und Marketinginitiativen für 2016 abzustimmen. Italienisches Leder ist ein Exportschlager: mehr als 70 Prozent geht ins Ausland. Besonders stolz sind die Unternehmer auf ihre Umweltbilanz: Der Wasserverbrauch ist in den italienischen Gerbereien heute bis zu 40 Prozent geringer als noch vor zehn Jahren. Neue Technologien, die die Umwelt schützen und die Kosten senken, sind nach wie vor hochwillkommen, sagt Alessandro Illiprandi, Besitzer der Gerberei Bonaudo bei Mailand.

"Die technische Entwicklung kann man nicht aufhalten und als Unternehmer wollen wir das auch nicht – im Gegenteil. Es ist viel passiert in den vergangenen Jahren und wir haben eine Menge Geld investiert. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wir verbrauchen viel weniger Wasser und konnten auch den Stromverbrauch um 20 Prozent senken. Die Erforschung neuer Technologien ist absolut notwendig, um unsere Produktionsverfahren stetig zu verbessern."

Patentiertes Verfahren aus Deutschland

Illiprandi wird auch das neuste Forschungsprojekt unterstützen, dass der Verband der Lederproduzenten seinen Mitgliedern vorschlägt. Es geht um ein in Deutschland patentiertes Verfahren zur umweltverträglichen Entsorgung organischer Abfälle. Mithilfe der Universität Bologna wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, die dieses Verfahren auf Lederreste anwendet. Es wäre die erste spezifische Lederrecyclinganlage der Welt und sie würde langfristig helfen, Kosten zu sparen, so Verbandsdirektor Salvatore Mercoliano.

"Bei der Herstellung einer Tasche oder eines Schuhs bleiben immer kleine Stücke von Leder übrig, die für den Produzenten ein Problem darstellen. Sie müssen als Sondermüll entsorgt werden, was mit logistischen und finanziellen Problemen verbunden ist."

Das Pilotprojekt soll mittels Crowdfunding finanzieren werden. Jeder Unternehmer, der teilnimmt, entscheidet selbst, wie viel er einzahlt. Erklärtes Ziel ist es, möglichst viele Geldgeber zu finden, die sich mit relativ geringen Beträgen beteiligen.

"Wir wollen dieses Projekt für jeden zugänglich machen. Mitmachen können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen. Der Höchstbetrag für einen Privaten ist 500 Euro und für einen Betrieb 5000 Euro."

Konzerne zeigen Interesse

Begleitet wird das Projekt von der Umweltbeauftragten des Verbandes der Lederindustrie, Fabiana Orlandi.

"Es geht nicht darum, diesen Abfall einfach nur zu vernichten, sondern darum, ihn zu verwandeln. Die Lederreste werden in biologisches Brennmaterial und letztlich in Energie verwandelt, die dann zurückfließt in den Kreislauf der industriellen Produktion. Die einzelnen Gerbereien arbeiten bereits heute zusammen in Sachen Müllentsorgung und Abwasser, um die Kosten zu senken. Mit dem von uns vorgeschlagenem System wird das unternehmerische Risiko gestreut und bleibt nicht an einem Betrieb hängen."

Angesprochen werden bei den Modeschauen im Februar auch die großen Konzerne der Mode- und Luxusbranche. Die Vertreter des "Made in Italy" haben bereits Interesse signalisiert, Umweltschutz ist schließlich gut fürs Image. Und nach dem Boom synthetischer High-Tech-Materialien feiert Leder auf den Laufstegen inzwischen ein Comeback. So weich und geschmeidig ist eben nichts anderes, sagt der Lederproduzent Alessandro Iliprandi.

"Leder vermittelt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, von Schönheit und Sinnlichkeit."

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