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StartseiteInterviewJunge Islamkonferenz kritisiert Zusammensetzung der Deutschen Islamkonferenz19.04.2012

Junge Islamkonferenz kritisiert Zusammensetzung der Deutschen Islamkonferenz

Der Delegierte Serdar Bulat bemängelt fehlende jugendliche Perspektive

Die Zusammensetzung der heute beginnenden Deutschen Islamkonferenz sei willkürlich, sagt Serdar Bulat, der für die Junge Islamkonferenz das Treffen kritisch begleitet. Besonders bei jungen Musliminnen und Muslimen sei die Islamkonferenz noch sehr unbekannt.

Das Gespräch führte Mario Dobovisek

Blick auf das Dach des Neubaus der Merkez-Moschee in Duisburg (AP)
Blick auf das Dach des Neubaus der Merkez-Moschee in Duisburg (AP)
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Schünemann: Islamkonferenz ist Nagelprobe gegen Salafisten

Mario Dobovisek: Mitgehört hat Serdar Bulat, Politikstudent, engagiert in der Grünen Jugend Berlin und Delegierter der Jungen Islamkonferenz, die parallel zur Deutschen Islamkonferenz stattfindet und deren Arbeit kritisch begleiten soll. Guten Morgen, Herr Bulat.

Serdar Bulat: Einen schönen guten Morgen!

Dobovisek: Uwe Schünemann stellt also die Deutsche Islamkonferenz infrage, sollte heute kein klares Signal in Richtung der Extremisten von ihr ausgehen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder schickt gleich hinterher und sagt heute der "Passauer Neuen Presse", der Islam sei nicht Teil unserer Tradition und gehöre daher nicht zu Deutschland. Steht, Herr Bulat, die Islamkonferenz damit vor dem Aus?

Bulat: Das Zitat ist mir jetzt neu, das habe ich noch gar nicht gelesen. Aber ich denke, die deutsche Islamkonferenz ist ein Erfolg bis jetzt gewesen, in den letzten sieben Jahren, und der Dialog muss weitergeführt werden und an eben diesem Dialog möchten wir als Junge Islamkonferenz mit teilnehmen.

Dobovisek: Wie kann der Dialog positiv verlaufen, wenn die Fronten so verhärtet scheinen?

Bulat: Ich sehe sie nicht wirklich als verhärtet. Es wird von der staatlichen Seite der deutschen Islamkonferenz der Salafismus in Richtung Islam gedrängt. Ja, es sind 4000 Salafisten in diesem Land von vier Millionen Musliminnen und Muslimen. Das ist eine absolute Minderheit, die man statistisch kaum erfassen kann. Dann muss gesagt werden, dass Salafisten sich als Heilsbringer für Ungläubige verstehen, das ist ja bei den Muslimen nicht so. Sie verstehen auch den Koran, den sie jetzt verteilt haben, nicht wie als Offenbarung, so wie die Bibel oder die Tora, sondern als eine Art politisches Gesetz.

Dobovisek: Wie wird das bei Ihnen in der Jungen Islamkonferenz diskutiert und gesehen? Wird auch aus Ihrer Sicht die Debatte zu hysterisch geführt?

Bulat: Sie wird leider medial sehr stark aufgearbeitet. Das spielt natürlich in die Hände dieser salafistischen Bewegung. In der Jungen Islamkonferenz, die jetzt dieses Jahr stattgefunden hat, haben wir das auch thematisiert - das war, bevor überhaupt Korane verteilt wurden von den Salafisten – und möchten dort auch reagieren.

Dobovisek: Wie wollen Sie reagieren?

Bulat: Ich will natürlich nicht dem Empfehlungskatalog viel vorwegnehmen, der heute Mittag erst sozusagen präsentiert wird. Aber wir möchten dieser salafistischen Öffentlichkeit, die es natürlich in den sozialen Medien in Deutschland gibt – wir kennen alle die Videos von Pierre Vogel -, da möchten wir etwas entgegensetzen, aber auch natürlich gegen Rechtsextremismus aus deutsch-nationalistischer Sicht und Muslimenfeindlichkeit genauso etwas entgegensetzen.

Dobovisek: Welche Rolle, wenn Sie die sozialen Netzwerke und das Internet ansprechen, spielen da gerade junge Muslime wie Sie im Zusammenspiel mit anderen Muslimen?

Bulat: Das Problem ist, dass diese Videos sehr viral sind. In diesen Videos wird nicht wirklich auf die Pauke gehauen, sondern es wird versucht, auf die Tour der Sympathie viele deutschstämmige Jugendliche ins Boot zu holen. Das Problem sind dort nicht hauptsächlich Jugendliche mit Migrationshintergrund, sondern – wir haben das auch auf den Videos und den Filmen und Fotos gesehen jetzt bei der Koranverteilung – es sind Jugendliche meistens, die einen deutschstämmigen Hintergrund haben.

Dobovisek: Kommen wir doch noch einmal auf den Katalog zurück, den Sie angesprochen haben, von dem Sie nicht allzu viel vorwegnehmen wollen. Dennoch die Frage: Sie begleiten ja die deutsche Islamkonferenz kritisch. Was kann die deutsche Islamkonferenz besser machen?

Bulat: Zunächst einmal kritisieren wir die Zusammenstellung der deutschen Islamkonferenz. Die scheint uns etwas willkürlich. Es fehlt die jugendliche Perspektive innerhalb der deutschen Islamkonferenz, es fehlen Aspekte zur DIK- und JIK-Kooperation, also der deutschen Islamkonferenz und der Jungen Islamkonferenz. Wir bestehen ja schon seit letztem Jahr und bieten uns gerne als Dialogpartner auch an. Die deutsche Islamkonferenz ist leider noch sehr unbekannt in der muslimischen Community in Deutschland, insbesondere bei den jüngeren Musliminnen und Muslimen, und dort möchten wir auch Abhilfe schaffen.

Dobovisek: Warum ist das so? Warum ist die Islamkonferenz so unbekannt?

Bulat: Dazu gibt es viele Theorien. Zum einen erscheint natürlich die Zusammenstellung sehr obskur, sehr willkürlich. Dazu muss man auch sagen, dass jetzt die islamischen Gemeinschaften nicht diese deutsche Vereinskultur besitzen. Deshalb ist es natürlich auch schwierig, Verantwortliche dafür zu finden, die als Delegierte oder Repräsentanten natürlich für Gemeinden dort hingehen. Und wir wissen auch: Da sitzen jetzt zwei große islamische Gruppen nicht mehr im Boot, der Islamrat und der Zentralrat der Muslime. Das nimmt natürlich der deutschen Islamkonferenz die Legitimität ein wenig.

Dobovisek: Serdar Bulat, Teilnehmer der Jungen Islamkonferenz. Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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