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StartseiteNachrichten vertieftEntscheidung über Zerschlagung in zwei Wochen23.09.2016

Kaiser's TengelmannEntscheidung über Zerschlagung in zwei Wochen

Eine Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann ist vorerst gestoppt. Firmenchef Karl-Erivan Haub hat eine letzte Frist von zwei Wochen gesetzt, um mit allen Kaufinteressenten eine "tragfähige gemeinsame Lösung" zu finden. Falls die Verhandlungen scheitern, will er die Filialen einzeln verkaufen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel begrüßte die Entscheidung.

Ein Schriftzug leuchtet an einem Kaisers's Tengelmann-Markt in Köln (dpa/picture alliance/Oliver Berg)
Kaisers's Tengelmann-Markt in Köln (dpa/picture alliance/Oliver Berg)
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Damit gibt Haub den Gesprächen mit Edeka, Rewe und Markant "noch eine letzte Chance", hieß es nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Mülheim an der Ruhr. Diese Gespräche waren von der Gewerkschaft Verdi initiiert worden. 

"Sollten die Bemühungen erfolglos sein, gehen wir in die Einzelverwertung"

In den vergangenen Tagen war noch erwartet worden, auf der Aufsichtsratssitzung könnten bereits die Weichen für die Zerschlagung des Unternehmens gestellt werden. Nun haben die Beteiligten des Runden Tisches, der bereits gestern Abend zusammenkam, noch zwei Wochen Zeit, eine Lösung zu finden. Teilnehmer des Runden Tisches waren Haub, Edeka-Chef Markus Mosa, Rewe-Chef Alain Caparros und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske.

Caparros warb dabei noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die 16.000 Arbeitsplätze könnten so erhalten werden, die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären außerdem erledigt. Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen. Haub sagte nach dem Treffen: "Ich bin dankbar, dass der Runde Tisch zustande gekommen ist und hoffe, dass noch eine Lösung im Sinne unserer Mitarbeiter gefunden werden kann". 

Gabriel: "Das ist eine große Chance"

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel begrüßte die Entscheidung für die Zwei-Wochen-Frist. "Das, finde ich, ist eine große Chance," sagte er. Er freue sich, dass der Tengelmann-Aufsichtsrat sich nicht für die Zerschlagung entschieden habe. Die Beschäftigten könnten so noch einmal hoffen, dass sich die beteiligten Unternehmen in den nächsten ein bis zwei Wochen verständigen. Das sei sicher nicht einfach, weil alle Beteiligten ein Stück weit aufeinander zugehen müssten. Im Mittelpunkt sollte das Gemeinwohl stehen, betonte Gabriel: "Jeder sollte wissen angesichts der drohenden Zerschlagung, was die Stunde geschlagen hat." Die Konkurrenten, die um Marktmacht kämpften, sollten gleichzeitig einen Weg finden, aufeinander zuzugehen und dabei das Wohl der Beschäftigten im Auge haben, so der Wirtschaftsminister.

Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert den Erhalt der defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept, das trägt, bis die Gerichte entschieden haben oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der "Wirtschaftswoche".

Hohe Verluste und Personalmangel

Das Geschäft von Kaiser's Tengelmann leidet unter den Übernahme-Verhandlungen. Die Kette verbucht seit Langem hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht. Das setzt Haub unter Druck: "Für das weitere Beschreiten des Rechtsweges wären vermutlich zwei Jahre erforderlich - Zeit, die wir nicht mehr haben. So lange können wir die Aufrechterhaltung eines ordentlichen Geschäftsbetriebs nicht mehr gewährleitsen. Deshalb bin ich zu der Entscheidung gelangt, den Übergabeprozess nunmehr zu beenden," so Haub.

Edeka versucht seit zwei knapp zwei Jahren, Kaiser's Tengelmann zu übernehmen. Das Kartellamt verbot die Fusion jedoch im vergangenen Jahr. Im März diesen Jahres erteilte Bundeswirtschaftminister Sigmar Gabriel (SPD) dann jedoch eine Ministererlaubnis zur Übernahme. Die erklärte das Oberlandesgericht Düsseldorf wiederum auf Antrag der Mitbewerber Rewe und Markant für rechtswidrig. Seitdem kämpfen die Supermarktketten um eine Lösung.

(cvo/adi)

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