• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3
StartseiteUmwelt und VerbraucherKrebs durch Genmais?20.09.2012

Krebs durch Genmais?

Neue Studie aus Frankreich wirft Fragen auf

Seit Jahren wird darüber debattiert, ob genmanipulierte Pflanzen eine Gefahr für die Gesundheit sind oder nicht. In Frankreich sorgt jetzt ein Versuch für Aufsehen, bei dem mit Genmais gefütterte Ratten an Krebs erkrankten und deutlich früher starben als die Tiere in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse der Forscher schlagen hohe Wellen.

Von Suzanne Krause

Französische Forscher warnen vor Gefahren durch genmanipulierten Mais.  (AP)
Französische Forscher warnen vor Gefahren durch genmanipulierten Mais. (AP)

Der goldgelbe Maiskolben, der die aktuelle Ausgabe des französischen Wochenmagazins Le Nouvel Observateur ziert, wirkt sehr appetitlich. Doch darüber prangt in Großbuchstaben: "Ja, gentechnisch veränderte Organismen sind Gift!" "Alarmierende Todesrate bei mit Genmais gefütterten Ratten", titelt die Tageszeitung 20 Minutes. Während die Wochenzeitschrift L’Express berichtet: "Eine Schock-Studie kurbelt die Debatte zur Gefährlichkeit gentechnisch veränderter Organismen neu an." Zu sehen sind Fotos von Laborratten, mit Tumoren groß wie Tischtennisbälle.

"Ab dem vierten Monat unserer Untersuchung traten die ersten Fälle von Tumoren bei unseren Versuchsratten auf, einige Zeit später ging die Zahl der erkrankten Tiere explosionsartig in die Höhe."

Gilles-Eric Séralini, Leiter der Studie. Der Molekularbiologe von der Universität im nordfranzösischen Caen hat schon vor Jahren herausgefunden, dass gentechnisch manipulierte Organismen zu Veränderungen an menschlichen Embryonenzellen führen können. Er gilt als einer der wenigen, die wissenschaftliche Kritik an der Gentech-Saatgut-Industrie wagen. Mehrere Forscher stellen nun die Seriosität seiner neuen Genmais-Studie in Frage. Séralini verweist auf seine Ergebnisse:

"Die Krankheiten sind nicht abhängig von den verabreichten Mengen, die Tiere erkrankten selbst bei geringfügigen Dosen. Die gesundheitlichen Auswirkungen waren geschlechtsabhängig: Weibliche Ratten entwickelten an erster Stelle Brusttumore und an zweiter Stelle Nierenversagen. Bei den Männchen stand Nieren- und Leberversagen im Vordergrund."

An 200 Ratten erforschten die Wissenschaftler die Auswirkungen eines Genmaises, der gegen den Unkrautvernichter Roundup immun ist. Sie erkrankten bis zu fünfmal häufiger und starben früher als Tiere einer mit normalem Mais gefütterten Vergleichsgruppe. Über zwei Jahre erstreckte sich die Studie – deutlich länger als sonst üblich. Zwar müssen die Hersteller von gentechnisch veränderten Organismen für die Marktzulassung wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen vorlegen. Doch die Studiendauer beschränkt sich auf drei Monate. Die französischen Forscher fütterten die Sorte mit dem Markennamen NK603, die achtzig Prozent des weltweit angebauten Genmaises ausmacht. Zwar ist der Anbau dieses Genmaises in Europa verboten, doch sein Import ist seit 2003 erlaubt. Zum einen als Tierfutter. Zum anderen in Form von Maismehl und Maisgrieß, die zur Herstellung vieler Produkte für die menschliche Ernährung dienen können. Anais Fourest ist bei Greenpeace Frankreich zuständig für gentechnisch veränderte Organismen.

"Man kann diesen Genmais auf unserem Teller finden, insbesondere wenn man tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier verzehrt. Wir zweifeln nicht daran, dass die Industrie-Lobby diese neue Studie von Séralini angreifen wird. Wir verlangen, dass weitere Langzeitstudien durchgeführt werden, um die aktuellen Forschungsergebnisse zu untermauern."

Der Hersteller des untersuchten Genmaises, Monsanto, verweigert derzeit jeden Kommentar – man wolle erst einmal Séralinis Studie überprüfen. Die französische Regierung hat gestern Nachmittag angekündigt, die nationale Behörde für Lebensmittelsicherheit mit der Überprüfung der Studienergebnisse zu beauftragen. Und insofern sich die Hinweise auf Giftigkeit von Genmais bestätigten, in Brüssel vorstellig zu werden. Dort erklärte gestern Frédéric Vincent, Sprecher der EU-Kommission:

"Sollte sich herausstellen, dass diese Studie wissenschaftlich fundiert ist und neue wissenschaftliche Erkenntnisse erbringt, sollte die EU-Kommission Konsequenzen ziehen."

Soll heißen: das europäische Amt für Lebensmittelsicherheit einschalten. Der Sprecher kündigte außerdem an, das Verfahren für die weitere Marktzulassung von Genmais mit der Bezeichnung Mon810 in der Europäischen Union bis auf Weiteres auf Eis zu legen. Mon810 ist der einzige gentechnisch veränderte Mais, der in der EU nicht nur importiert, sondern auch angebaut werden darf.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk