Dienstag, 12.12.2017
StartseiteInformationen am MorgenMehr Sicherheit für Mali10.10.2016

Merkel in AfrikaMehr Sicherheit für Mali

"Eine Frau mit Herz" - so nannte Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita die deutsche Kanzlerin bei ihrem Besuch in Mali. Doch es geht um weit mehr als Herzlichkeit. Mali ist ein Durchgangsland für Menschenschmuggler auf dem Weg nach Europa. Auch der Drogenschmuggel ist ein Problem. Merkel sagte zu, das Land im Bereich Sicherheit mehr zu unterstützen.

Von Stephan Detjen

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht in Mali vor der Regierungsmaschine. Neben ihr stehen zwei Mädchen mit Blumen und einer traditionellen Wasserkalebasse. Auch Staatspräsident Ibrahim Boubacar Keita ist auf dem Bild zu sehen. (picture alliance /dpa / Michael Kappeler)
Malis Präsident über Merkel: "Sie kümmert sich um die Sorgen der anderen und das Menschliche." (picture alliance /dpa / Michael Kappeler)
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Europa – das ist aus malischer Sicht vor allem Frankreich: die ehemalige Kolonialmacht. die Schutzmacht, die vor drei Jahren in einer UN Mission islamistische Milizen beim Vormarsch auf die Zentren Malis stoppte. Für die meisten Malier ist Paris der geografische Bezugspunkt in Europa – Reiseziel für die Eliten, Ausbildungsplatz für Studenten, Sehnsuchtsort für die meisten. Mit Deutschland tritt ein neuer Akteur auf die westafrikanische Bühne – und die Kanzlerin wird wie eine neue Schutzpatronin begrüßt:

"Sie ist eine Frau mit Herz, die sich um die Sorgen der anderen und das Menschliche kümmert,"

preist Präsident Keita die Besucherin.

"Sie fürchtet sich nicht vor den Folgen ihrer Entscheidungen,"

sagt Keita, als wisse er, unter welchem Druck Merkel in ihrer Heimat steht.

Angela Merkel will mit ihrem Besuch die sogenannte Migrationspartnerschaft mit Mali stärken, die Deutschland im vergangenen Jahr gemeinsam mit Frankreich und Italien beschlossen hat.

"Eine Migrationspartnerschaft im Allgemeinen bedeutet, dass wir Verantwortung übernehmen für die jeweils spezifische Situation in einem Land", sagt Merkel. Die neue Form der Zusammenarbeit drückt die Erkenntnis aus, die Merkel auch beim Flüchtlingspakt mit der Türkei bewegte: in der Flucht- und Migrationskrise stehen Europa und seine Nachbarregionen bis hin nach Westafrika vor gemeinsamen Problemen.

"Hier geht es um den Durchgang, Mali als Durchgangsland von Drogenschmuggel, aber potenziell auch von der Frage, dass Menschenschleusungen hier stattfinden könnten. Deshalb haben wir ein ureigenes Interesse an der Stabilisierung des Landes. Das ist eine andere Situation als wir es in der Türkei haben."

Der Menschenschmuggel ist bereits Alltag

Der Menschenschmuggel aber ist in Mali ebenso wie im Nachbarland Niger, in das Merkel heute weiterreist, längst mehr als eine in finsterer Zukunftsperspektive. Die am meisten frequentierten Migrationsrouten aus Schwarzafrika führen durch Mali und Niger. Ganze Regionen leben in beiden Ländern von der Schleuserökonomie.

Zugleich führt schon die Fahrt vom Flughafen in das Zentrum Bamakos den Besuchern vor Augen, welche Migrationsströme sich auch von hier noch Richtung Europa in Bewegung setzen können: Kilometerlang prescht Merkels Wagenkolone an staubige Elendsquartiere vorbei. Am Straßenrand eine jugendliche Bevölkerung. Das Durchschnittsalter der knapp 15 Millionen Malier ist 15 Jahre.

"Wir werden hier gebraucht", sagt Merkel. Deutsche Hilfsmittel für Ausbildungseinrichtungen, Landwirtschaft und Infrastruktur sollen aufgestockt werden. Von der EU winken weitere Millionen im Rahmen der Migrationspartnerschaft. Bei allen Hilfen geht es in Mali zunächst darum, die einfachsten Funktionen von Staatlichkeit zu sichern.

"Ich glaube, das Problem beginnt ganz oben, denn dieser Staat ist ingesamt in seinen Strukturen schwach", meint Albrecht Conze. Als erster Deutscher leitet er seit zwei Jahren die Europäische Polizeimission EUCAP.

"Alles hängt hier mit allem zusammen. Der Schmuggel von Drogen, von Menschen, von Waffen geht durch die Sahara in vielfältiger Weise. Alles was staatlichen Strukturen hier zu mehr Stabilität verhilft, ist im Sinne europäischer Interessen. Denn wenn die Strukturen hier stärker werden, können die Menschen hier bleiben und wird der Traum von einem besseren Leben in Europa vielleicht nicht der einzige Traum, den sie träumen."

Einer von denen, für die dieser Traum in Erfüllung ging ist Makoni Coulibala. Er steht in seiner malischen Offiziersuniform am Flughafen, an der Brust eine Medaillle mit schwarz rot goldenem Band.

"Ich bin heute total glücklich, heute die Hand der deutschen Kanzlerin schütteln zu dürfen."

Coulibali ist malischer Verbindungsoffizier für die gut 600 deutschen Soldaten, die mit einem UN Kontingent in Mali stationiert sind. Ende der neunziger Jahre hatte er an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg studiert. "Ich bin ein ein Bayer", sagt Coulibali  und ist sicher, heute auch seine Mitbürger für seine zweite Heimat gewonnen zu haben.

"Alle Menschen in Mali lieben die Deutschen."

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