• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteInterviewMeteorologin: Schneewahrscheinlichkeit in Norddeutschland sehr hoch21.12.2010

Meteorologin: Schneewahrscheinlichkeit in Norddeutschland sehr hoch

Wetterexpertin hält weiße Weihnachten im ganzen Land für möglich

Schneefälle, glatte Straßen, vereiste Gleise und Flieger: Der Schnee hat Deutschland derzeit im Griff. Christina Speicher, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach bezeichnet die Schneemengen als etwas "Außergewöhnliches".

Christina Speicher im Gespräch mit Tobias Armbrüster

Nicht nur auf dem Feldberg liegt üppig Schnee. (AP)
Nicht nur auf dem Feldberg liegt üppig Schnee. (AP)

Tobias Armbrüster: Heute ist Dienstag, der 21. Dezember. Offiziell ist das der Winteranfang, aber der Winter hält sich nicht immer an den Kalender. Deutschland liegt schon seit einigen Tagen unter einer Schneedecke. Wie lange das so bleibt, darüber erhoffen wir uns jetzt Aufschluss von Christina Speicher. Sie ist Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Guten Morgen, Frau Speicher.

Christina Speicher: Schönen guten Morgen.

Armbrüster: Wie lange hält sich der Schnee denn noch in Deutschland?

Speicher: Deutschland gestaltet sich momentan etwas zweigestaltet. Im Norden Deutschlands wird sich auch bis Heiligabend der Schnee überwiegend halten. Aktuell haben wir ein Niederschlagsgebiet, das sich etwa über der Mitte Deutschlands erstreckt, und am nördlichen Rand dieses Niederschlaggebietes kommt es überwiegend zu Schneefällen. Auch wenn sich das Niederschlagsgebiet etwas weiter nördlich verlagert, überwiegend in den Mittelgebirgen wird sich der Schnee halten. Südlich davon gehen die Niederschläge überwiegend in Regen über. Da kommt es dann auch zu Tauwetter, so dass der Schnee verbreitet zurückgehen wird, wobei in Lagen oberhalb 400, 600 Meter sollte sich der Schnee halten.

Armbrüster: Kriegen wir weiße Weihnachten in Deutschland?

Speicher: Ja. Die Prognosen sind zwar noch etwas unsicher für den Heiligabend, jedoch gestaltet sich das Wetter so, dass wir ab Donnerstag, in der Nacht zu Freitag, wieder auf eine Nordströmung kommen, wo dann kalte Luftmassen aus der Polarregion herantransportiert werden. Fortwährend kommt es dann auch wieder verbreitet zu Schneefällen, so dass es an Heiligabend durchaus sein kann, dass es in ganz Deutschland wieder weiß ist.

Armbrüster: Wo ist denn die Schneewahrscheinlichkeit in den kommenden Tagen besonders hoch?

Speicher: Die Schneewahrscheinlichkeit ist vor allen Dingen in Norddeutschland sehr hoch, da die Luft weiterhin im Dauerfrostbereich liegen wird. Das heißt dort, der gefallene Schnee bleibt liegen, es könnte höchstens noch etwas dazukommen.

Armbrüster: Das heißt, in Bayern und Baden-Württemberg muss man sich möglicherweise darauf einstellen, dass es Weihnachten regnet?

Speicher: Nein. Wie gesagt, die Wettersituation stellt sich etwas um, so dass es dann auch am Freitag dort schneien kann.

Armbrüster: Frau Speicher, man verliert ja, wenn man sich das Wetter so anguckt, manchmal ein bisschen die Maßstäbe. Ist dieser Wintereinbruch, den wir jetzt gerade erleben, im Vergleich zu den letzten Jahren besonders heftig?

Speicher: Im Vergleich von ein bis fünf Jahren ist das schon was Außergewöhnliches. Letztes Jahr war es zwar auch schon sehr hart, aber da hatten wir im Dezember bei weitem noch nicht solche Schneemengen, schon gar nicht im Flachland. Gerade das Rhein-Main-Gebiet versinkt ja momentan im Schnee. Da ist es schon was Besonderes. Im Klimamittel kommt das aber auch schon mal vor.

Armbrüster: Müssen wir uns auf solche heftigen Schneefälle in den kommenden Monaten noch häufiger gefasst machen?

Speicher: Es ist Winter. Da ist es einfach plausibel, dass es hin und wieder schneit. Wie stark sich das in den nächsten Monaten entwickelt, dazu kann ich leider noch keine Aussage geben. Aber es ist Winter, da muss man sich einfach auf Schnee und Glätte einstellen.

Armbrüster: Ich meine, wir lesen häufiger auch im Internet Informationen darüber, wie sich das Wetter langfristig entwickeln könnte. Sind solche Prognosen überhaupt glaubhaft? Kann man darüber etwas sagen, was in vier Wochen am Himmel passieren könnte?

Speicher: Nein, das ist reine Spekulation, in vier Wochen die Vorhersage. Dazu kann man einfach keine vernünftige Aussage treffen.

Armbrüster: Problem auf den Straßen - das beschäftigt uns auch hier im Deutschlandfunk immer wieder - sind die spiegelglatten Fahrbahnen gerade auf den Autobahnen. Kann man das eigentlich voraussehen, dass sich Eis auf der Straße bildet?

Speicher: Eis - die Vorhersage dazu ist vielleicht etwas schwierig. Es kommt auf den Straßenzustand an, ob gestreut wurde oder nicht. Das ist natürlich von Straße zu Straße unterschiedlich. Jedoch kann man vorhersagen, wann es schneit, ungefähr die Menge geht auch noch, und bei bestimmten Temperaturbereichen kann sich nun mal Eisglätte bilden. Das ist auch den Straßenmeistereien bekannt.

Armbrüster: Christina Speicher war das, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Schönen Dank für das Gespräch, Frau Speicher.

Speicher: Bitte sehr. Ich wünsche noch einen schönen Tag.

Armbrüster: Danke, Ihnen auch.

Speicher: Danke. Tschüss!

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk