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StartseiteInterview"Wer sagt, er habe keine Zeit, lügt"16.08.2015

Modernes Leben"Wer sagt, er habe keine Zeit, lügt"

Der Gedanke, die irreale Größe Zeit in Geld verrechnen zu können, führe immer mehr zu Beschleunigung des Lebens, sagte der Zeitforscher Karlheinz Geißler im Deutschlandfunk. "Dadurch haben wir mehr Geld und Güterwohlstand, aber gleichzeitig mehr Zeitnot."

Karlheinz Geißler im Gespräch mit Birgid Becker

Eine Uhreninstallation am Nordeingang des Volksgartens in Düsseldorf, aufgenommen am 24.10.2013 (picture-alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel)
Karlheinz Geißler: "Die Ökonomie der Zeitverdichtung hat uns überrannt." (picture-alliance / dpa / Jan-Philipp Strobel)

"Wer sagt, er habe keine Zeit, lügt oder ist tot", sagte der Zeitforscher Karlheinz Geißler im DLF. "Wir sind selbst die Zeit". Erfahrungen, die der Mensch erlebt, möchte er gerne interpretieren. Dafür brauche er Bilder und bediene sich unter anderem der Uhr.

Der Mensch müsse sich täglich viele Mal entscheiden, an welcher Vorstellung von Zeit er sich organisiere: an der Zeit der Uhr oder der individuellen Zeitnatur, sprich Stimmungen und Gefühlen.

Geißler: "Wenn wir die Zeit anders sehen würden, nämlich so, wie sie uns die Natur zeigt in ihrer Ordnung, dann würden wir mehr Zeitzufriedenheit haben und weniger Zeitdruck."

Schnelligkeitsgrenze erreicht

Auch die Ökonomie hole ihre Produktivität heute aus der Beschleunigung, sagte Geißler. "Und diese Beschleunigung kennt zwei Möglichkeiten: schneller zu werden oder mehr in der gleichen Zeit zu machen."

Für eine weitere Produktivitätssteigerung habe die Ökonomie von Schnelligkeit auf Zeitverdichtung umgeschaltet, weil man bereits bei Lichtgeschwindigkeit angekommen sei - "also an einer Grenze der Beschleunigung". Trends wie Slowfood oder Wellness seien Sehnsuchtsbewegungen, so Geißler. Diese würden Beschleunigung sogar weiter vorantreiben. Jemand mache ein Wellness-Wochenende, um in seinem Betrieb weiter zu funktionieren oder schneller zu werden und nicht, um ein anderes Leben anzufangen.

Zusammen mit seinem Sohn Jonas hat Karlheinz Geißler das Buch "Time is Honey" geschrieben.

Der Gesamtmitschnitt des Interviews steht ihnen sechs Monate im Bereich "Hören" zur Verfügung.

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