Donnerstag, 23.11.2017
StartseiteKalenderblattEin Brettspiel erobert die Welt 31.12.2015

Monopoly-Patent vor 80 Jahren Ein Brettspiel erobert die Welt

22 Straßen, vier Bahnhöfe, ein Elektrizitäts- und ein Wasserwerk: Fast jeder hat auf dem Monopoly-Brett bereits Häuser gekauft, Konkurrenten erledigt, sich bereichert oder ruiniert. Ein getreues Abbild des Wirtschaftslebens ist das Spiel übrigens nicht: Arbeit spielt darin keine Rolle. Und das Patent, das vor 80 Jahren vergeben wurde, war so wenig astrein wie das Vorgehen eines gewieften Monopoly-Spielers.

Von Beatrix Novy

Hände an einem Monopoly-Spielbrett (picture-alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)
Monopoly wird 80 Jahre alt. (picture-alliance / dpa / Franz-Peter Tschauner)
Mehr zum Thema

Wetten, Zocken, Tippen Das Geschäft mit dem Glücksspiel

Monopoly-WM in China Rücke vor bis zur Schlossallee!

"Besitzen Sie die beliebtesten Städte der Welt."

Gern, warum nicht? Andererseits: Sind New York, London, Paris usw. nicht schon vergeben an die Gewinner des Finanzkapitalismus, die den Globus händeringend nach Anlagemöglichkeiten absuchen? Wenigstens gibt es ein Spiel, in dem man es ihnen nachmachen kann: Monopoly World. Die Hersteller des meistverkauften Brettspiels der Welt gehen eben mit der Zeit:

"Entdecken Sie Ihre Lieblings-Versionen von Monopoly und viele weitere Produkte für die ganze Familie! Aufregende Monopoly-Spiele wie Monopoly Banking und Monopoly Imperium sorgen für Spaß und Begeisterung!"

Von solch wunderbarer Vermehrung ahnte der Heizungsinstallateur Charles Darrow nichts, als am 31. Dezember 1935 das Patent auf sein Monopoly-Spiel bewilligt wurde. "Sein" Monopoly-Spiel? Nicht ganz. Wie jede große Erfindung lag auch Monopoly in der Luft. Charles Darrow war der Glückspilz, der das Spiel zu seiner bekannten Form entwickelt und sich die Tantiemen aus dem Geschäft gesichert hatte; der einzige echte Millionär, den das Spiel hervorbrachte.

Nach schleppendem Anfang wurde das Spiel zum Erfolg

Bis in die 70er-Jahre ging die Geschichte so: 1929, mit dem Börsenkrach, beginnt in den USA die große Depression, wie Millionen andere wird auch Charles Darrow arbeitslos. An seinen langen Tagen beginnt er Spiele zu erfinden, bastelt, zeichnet Spielfelder auf das heimische Wachstischtuch. Eines davon dreht sich um Geschäfte und Gewinne, Risiko und Verlust. Jeder Spieler erhält ein Startkapital, durch eine angedeutete Stadt geht es per Würfel über Straßen von unterschiedlichem Grundstückswert, Versorgungseinrichtungen, öffentliche Gebäude, darunter das Gefängnis. Das Ziel: ein Grundstücksimperium und der Ruin der Mitspieler. Im Freundeskreis hat das Spiel Erfolg. Darrows Sohn William wird später davon erzählen.

Darrows Freunde kauften also das Spiel, weil sie gewonnen oder auch, weil sie verloren hatten und es noch mal versuchen wollten. Draußen, im realen Wirtschaftsleben, hatte er zunächst weniger Glück. Die Firma Parker Brothers fand auf Darrows kleinem Spielbrett volle 52 Fehler und wollte Monopoly nicht vertreiben: ein kritischer Moment in der Weltgeschichte der Brettspiele. Aber ab hier wechselt die Geschichte ins amerikanische Mantra des "Try, try again", Darrow gab nicht auf, Parker kaufte schließlich Monopoly, und sieh da: Die Nachfrage war enorm. Man könnte sagen, eine Nation von Verlierern begab sich in die Scheinwelt des spekulativen Gewinns und holte 1935 zumindest schon mal die Firma Parker Brothers aus dem Rezessionstief. Die einsame Weltkarriere des Spiels nach dem Zweiten Weltkrieg ließ auch die Länder des real existierenden Sozialismus nicht aus, wie der der Ungar Andras Kovacs weiß:

"Monopoly-Spiel war natürlich verboten im Sozialismus, nur geheim wurde das immer gespielt. Es hieß hier nicht Monopoly, sondern Capitaly."

Während Monopoly weltweit zum festen Begriff für die rüden Formen des Kapitalismus wurde, realisierte kaum jemand, dass das Spiel ursprünglich einem eher linken Konzept entsprungen war. "The Landlord's Game" hieß das Vorbild, erdacht um 1900 von Elizabeth Magie, Quäkerin und Anhängerin des Bodenreformers Henry George.

"Da der Mensch ohne Land nicht existieren kann; da sein bloßes physisches Überleben sowie alles, was er erwerben oder herstellen kann, aus dem Boden kommt, ist das Eigentum am Boden eines Landes notwendig das Eigentum seines Volkes."

"The Landlord's Game" war ausdrücklich antimonopolistisch; es gab Felder für "absolut notwendigen Wohnraum" oder "Luxussteuer". Es gab Kästchen mit Zitaten von Andrew Carnegie oder Kant; es streute die Gewinnchancen für alle Mitspieler. Magies Spiel grassierte durchaus in weiten Kreisen und brachte wiederum neue Versionen hervor.

Es gab auch später Versuche, eine sozial gezähmte Variante auf den Markt zu bringen, sie reichten nie an den Erfolg von Monopoly heran. Dessen Monopol hatte Parker Brothers auch mit Abfindungen für die früheren Erfinder des Spiels gesichert. Elizabeth Magie trat ihre Rechte am "Landlord's Game" 1933 ab - für 500 Dollar.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk